Spanier sparen Wasser für Touristen
Um 22 Uhr versiegen in Cadalso die Wasserhähne. Bis 8 Uhr morgens am nächsten Tag haben die rund 2000 Einwohner der Ortschaft südwestlich von Madrid kein Wasser. «Wir können unseren Kindern vor der Schule nicht einmal das Gesicht waschen», sagt Bürgermeister Tomás Sánchez. Doch er kann daran nichts ändern: In Spanien hat es kaum geregnet, der nahe Cadalso gelegene Stausee Los Morales ist im Vergleich zum vergangenen Jahr nur zu 26 Prozent gefüllt. Der Pegel ist so niedrig, dass der schlammige Grund zu sehen ist. Wasser sparen heißt die Devise.
Nun steht die Iberische Halbinsel vor einer neuen extremen Wasserknappheit, die Landwirte befürchten Einbußen in Milliardenhöhe. Zugleich schreitet die Wüstenbildung weiter voran, inzwischen ist allein in Spanien ein Drittel der Landesfläche davon betroffen, vor allem im Südosten.
«Normalerweise steht hier eine Fläche von 18 Quadratkilometern unter Wasser, jetzt ist es nicht einmal ein halber Quadratkilometer», sagt Parkverwalter Carlos Ruiz. Dies wirkt sich auch auf die zahllosen Vögel aus, die sonst dort überwintern und nisten. Viele Arten sind bereits verschwunden.
Vor allem in den Ferienorten gilt es, Touristen nicht abzuschrecken. Deshalb locken auch überall Golfplätze in sattem Grün - sie werden immerhin in der Regel mit aufbereitetem Wasser gesprengt. Jaime Palop, im Madrider Umweltministerium für die Wasserversorgung zuständig, schüttelt dennoch den Kopf: «Dieses Bild ist ein Ausdruck des Versagens. Wir haben es nicht geschafft, den Ernst der Lage zu vermitteln.» (dpa)

