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Schneefall und arktische Kälte: 

Wetterchaos in ganz Europa

07. Jan 2009 19:57, ergänzt 20:17
Ein seltenes Bild: Mailands Dom im Schnee
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Flug- und Zugverbindungen fallen aus, auf den Straßen herrschen extrem schlechte Verhältnisse. Bei Temperaturen unter minus 20 Grad starben in Europa mehrere Menschen.

Kalt, kälter, am kältesten: Die Polarluft hat die Temperaturen in Deutschland am Mittwoch erneut sinken lassen. Den niedrigsten Wert verzeichnete das sächsische Oderwitz in der Oberlausitz mit minus 29,1 Grad. Vielerorts war es mit Temperaturen bis unter 20 Grad so kalt wie selten zuvor in den vergangenen Jahrzehnten.

Auch in anderen europäischen Ländern war es bitterkalt. In Brüssel wurden mit minus 21 Grad die niedrigsten Temperaturen seit zehn Jahren gemeldet. In der französischen Mittelmeer-Metropole Marseille sorgten heftige Schneefälle für einen Tag im Ausnahmezustand. Der Verkehr in der Region brach teilweise zusammen, der Flughafen musste seinen Betrieb einstellen, weil die Pisten nicht vom Schnee geräumt werden konnten.

190 Stunden Schneefall in Italien

Lange Wartezeiten auch an den norditalienischen Flughäfen Mailand, Bergamo und Turin: Sie mussten stundenlang geschlossen bleiben, zahlreiche Flüge wurden gestrichen, wie italienische Medien berichteten. Die Staatliche Eisenbahn kündigte eingeschränkten Zugverkehr und eine Verlangsamung der Schnellzüge an. Seit November wurden in Italien 190 Stunden Schneefall registriert - weit mehr als die 30 Stunden im Gesamtjahr 2007. Im Zentrum Mailands kam ein 46-jähriger Mann um, als ein Vordach über ihm unter der Schneelast zusammenbrach.

In Mailand und Turin erreichte die Schneedecke eine Höhe von 30 Zentimetern. Bereits am Dienstag war es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen gekommen. Die Affen im Zoo in Rom erhielten am Mittwoch ein warmes Frühstück, um die Kälte besser zu verkraften, wie der Tierpark mitteilte.

Bereits 76 Kältetote in Polen

In Polen starben seit November bereits 76 Menschen an der Kälte, wie das Innenministerium am Mittwoch in Warschau mitteilte. Allein am Vortag waren sieben Kältetote gezählt worden.

In Südwestfrankreich waren 12.000 Haushalte am Mittwoch ohne Strom, weil Leitungen unter den Schneemassen zusammengebrochen waren. 30 Züge nach und aus Marseille wurden in Bahnhöfen angehalten, damit sie nicht auf den Gleisen stecken blieben. Auch der Straßenverkehr in der Stadt kam praktisch zum Erliegen, sämtliche Busse blieben im Depot. Der Schneefall setzte am frühen Morgen ein, bis zum frühen Nachmittag wuchs die Schneedecke auf 20 Zentimeter. Die Autofahrer an der Côte d'Azur wurden überrascht, hochwinterliche Bedingungen sind an der Küste extrem selten. Schnee in Marseille gab es zuletzt vor 22 Jahren.

Minus 27,7 Grad im sächsischen Dippoldiswalde

In vielen Teilen Deutschlands wurden seltene Tiefsttemperaturen erreicht. In Hessen gab es in der Nacht zum Mittwoch vielerorts unter minus 20 Grad - ähnlich kalt war es dort laut Wetterdienst meteomedia zuletzt vor genau 30 Jahren gewesen. Im sächsischen Dippoldiswalde im Erzgebirge wurden minus 27,7 Grad gemessen; in Altenburg (Thüringen) und in Sohland (Sachsen) sank die Temperatur auf minus 27,5 Grad. So kalt war es in der Region zuletzt vor 22 Jahren. In Baruth (Brandenburg) wurden eisige minus 26 Grad gemessen, im westfälischen Lippstadt registrierte der Deutsche Wetterdienst minus 26,5 Grad.

Der starke Frost ließ vielerorts den Straßen- und Schienenverkehr buchstäblich erstarren. Auf den Bahnstrecken in Nordrhein-Westfalen blockierten den ganzen Mittwoch über immer wieder Eisbrocken oder aufgewirbelter Schnee die Weichen. «Die Masse der Züge fährt, aber man muss mit Verspätungen rechnen», berichtete ein Bahnsprecher am Mittag. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen kam es zu erheblichen Behinderungen. Viele Pendler mussten am Morgen bei beißender Kälte lange auf ihren Zug warten. Züge fielen aus oder sie verspäteten sich um bis zu 100 Minuten.

Auf dem Hauptbahnhof in Halle bekamen Reisende in Richtung Leipzig Taxigutscheine, weil Züge zwischen den beiden Städten nicht mehr verkehrten. Am Frankfurter Hauptbahnhof kam es im Fernverkehr zu Verspätungen bis zu 40 Minuten. Wegen des strengen Frosts froren nach Angaben der Bahn Türen an den Zügen ein, Weichen funktionierten nicht, Kupplungen versagten.

Dieselkraftstoff flockt aus

Auch wer mit dem Auto zur Arbeit wollte, hatte mitunter Probleme: Der ADAC-Pannendienst musste zahlreichen Autofahrern helfen. Bis zum Mittag rückten die Helfer eigenen Angaben zufolge allein in Hessen rund 800 Mal aus, um streikende Fahrzeuge zu reparieren. Besonders häufig hätten Batterien und die Elektronik den Geist aufgegeben. «Die Kombination aus extremer Kälte und Fahrtwind hat bei vielen Dieselfahrzeugen dazu geführt, dass der Kraftstoff flockig wurde und die Düsen im Motor verstopft worden sind», erklärte eine ADAC- Sprecherin.

Schwierige Bedingungen auch für die Binnenschifffahrt. Weite Teile des deutschen Kanalnetzes sind mit Eis bedeckt, Eisbrecher sind vielerorts im Einsatz. Am Mittwoch wurden auch im Westen die ersten Schifffahrtswege gesperrt. Zwei Seitenarme des Duisburger Binnenhafens wurden dicht gemacht. In Ostdeutschland sind schon seit Tagen mehrere Gewässer unpassierbar.

Schüler freuen sich über ausfallende Schulbusse

Für zahlreiche Kinder war das Winterwetter allerdings ein Segen, nicht nur wegen der Gelegenheiten zum Schlittschuhlaufen oder für Schneeballschachten: Weil die Schulbusfahrer auf den vereisten Straßen kein sicheres Vorwärtskommen hatten, fiel der Unterricht im Kreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen aus. Schulfrei hatten auch mehr als 1000 Kinder im Südwesten Polens sowie viele Schüler im Norden Italiens.

Am Dienstag noch hatte das sächsische Delitzsch mit minus 26 Grad den Minus-Temperaturrekord gemeldet. Die Meteorologen gehen davon aus, dass es zunächst keine weiteren Minus-Rekordwerte geben wird. «Hoch Angelika sorgt zwar auch in den kommenden Tagen für winterlich kalte Temperaturen, der Höhepunkt der Kältewelle wurde aber mit dem heutigen Tag erreicht», sagte meteomedia-Meteorologe Andreas Meingassner. (nz/dpa/AP)

 
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