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3. Topmodel-Suche: 

«Du bist viel attraktiver, wenn Du natural bist»

29. Feb 2008 09:07
Barbara Meier, der neue Bruce (Rolf Scheider) und Lena Gercke
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Recht unterhaltsam sind die Superblondine und das hässliche Entlein. Sonst hat die dritte Staffel von «Germany's Next Topmodel» wenig Neues zu bieten. Und einer fehlt schmerzlich, meint Julia Wilczok.

«Sie laufen wieder», so kündigte Prosieben die dritte Staffel von «Germany's Next Topmodel» by Heidi Klum an. Und sie laufen tatsächlich in Köln ein, die 120 Beinpaare, im Vorfeld aus 18.270 Mädchen ausgewählt. Manche besser, manche schlechter. Alle haben wie immer einen Traum: Deutschlands Schönste zu werden. Bei den meisten reicht es jedoch nicht mal für 15 Minuten Ruhm.

«Das Herz pocht, die Hände schwitzen», sagt eine Kandidatin. «Wir sind heiß auf Heidi», ruft eine andere. Die bereitet sich hinter der Bühne auf den Show-Start vor, umringt von den 20 besten Kandidatinnen der ersten beiden Staffeln. Denn zweimal hat Klum Deutschlands Schönste ja schon gefunden: im Vorjahr Barbara Meier, 2006 Lena Gercke. «Wie hätten wir es gerne?», fragt Klum. «Sexy, sexy, sexy!», rufen die Mädchen. Man bedient sich Bruce Darnells alter Sprüche. Doch der trimmt jetzt in seiner ARD-Stylingshow die eigenen «Girrrls».

«Für ein Topmodel einfach zu viel Frau»

Heidi kommt im kurzen Glitzerkleid und mit knallgrünen Strümpfen auf die Bühne, Modelagent Peyman Amin, der zum dritten Mal dabei ist, sowie der neue Bruce Rolf Scheider, Castingdirektor aus Paris, folgen. Scheider ist ein bisschen trocken, wirkt aber dank seines französischen Akzents («Bonne chance und allez, allez!») sehr charmant. Schnell wird klar, Vorgänger Darnell wird er niemals ersetzen können, dazu fehlt es ihm an Charakter und Freakigkeit.

In kurzen Einspielern werden die prägnantesten Charaktere unter den neuen Mädchen vorgestellt. Allen voran die 21-jährige Gina-Lisa, Miss Frankfurt 2007, die mit platinblonden Extensions und frisch vom Asitoaster gebräunter Haut ins Rennen geht. Eine, äh, schillernde Persönlichkeit. Die Jury ist sichtlich irritiert von der Venusfalle mit der rauchigen Stimme: «Sie erinnert mich an Donatella Versace», sagt Scheider und Visagist Boris Entrup fügt hinzu: «Für ein Topmodel einfach zu viel Frau.» Da muss er erstmal ordentlich Make-up abspachteln. Die überarbeitete Gina-Lisa gefällt. «Du bist viel attraktiver, wenn Du natural bist», so das Lob von Scheider.

Dann gibt es da noch die 21-jährige Sarah, die als Paris-Hilton-Lookalike über den Catwalk stakst. Früher sei sie furchtbar dick gewesen, so Sarah: «Ich sah aus wie Lisa Plenske.» Trotz oder gerade wegen der hässlichen-Entlein-Story gewährt die Jury ihr den Eintritt in die nächste Runde.

Die Jury will nicht die Katze im Sack kaufen

Statt Neues zu wagen, läuft in der ersten «Competition» alles nach Schema X: Die Mädchen müssen rauf auf den Catwalk und ein Shooting überstehen, Vorbereitungszeit 20 Minuten. Nie liefen so viele Mädchen direkt im Bikini über den Laufsteg. Die Jury will schließlich nicht die Katze im Sack kaufen. Die Übungen kennt man mittlerweile, die Mädchen müssen auf ein Kommando Gesichter ziehen. Und immer hübsch lächeln, auch wenn man gerade so tun muss, als würde man für einen Werbespot das Klo bürsten.

Es folgt ein «Emotions-Shooting», bei dem Wut, Trauer und Freunde simuliert werden müssen. Einige meistern die Aufgaben gut, andere weniger, wie die 17-jährige Maria. «Wie ein Kopf auf einem Besen», urteilt Peyman. «Überhaupt keine Body-Expression.» Die 50 Besten kommen in die nächste Runde und Klum zieht ein erstes Fazit: «120 Mädchen waren echt viele Mädchen, aber es waren tolle Mädchen dabei.» Aha.

Es kommt zum künstlich provozierten Eklat

Ersatzmama Klum spendet Trost
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Hauptsache, die Crosspromotion funktioniert wie immer prima. In den Werbepausen werden die C&A- und Pantene Pro-V-Werbefilme mit Barbara Meier gezeigt, außerdem Katjes-, Maybelline- und Volkswagen-Spots. Eben einige der unzähligen Marken, für die Klum so wirbt. Die absolute Reizüberflutung.

Dazwischen wird mal kurz künstlich ein Eklat provoziert. Die 19-jährige Lea (1,72 Meter, 48 Kilogramm) macht bereits nach dem Schaulaufen einen Rückzieher. «Der Druck ist zu viel», sagt die hübsche Dunkelblonde. Doch Ersatzmama Klum ahnt schon den wahren Grund: «Du weißt, dass Du zu dünn bist», sagt sie besorgt. Wir erinnern uns: In der ersten Staffel gab es einen Eklat wegen zu dünner Models. Die Show würde Magersucht fördern, lautete damals die Kritik.

«Ganz Barcelona kennt jetzt meinen Arsch»

An Tag zwei wird weiter gesiebt. Vier Uhr morgens am Flughafen. Die Mädchen fliegen nach Barcelona, dort wartet der erste Job auf sie: Bei einer Modenschau im Palau National sollen sie vor 1000 Zuschauern die Kollektion von Designer Philipp Plein präsentieren. Männermodel-Veteran Marcus Schenkenberg läuft zur moralischen Unterstützung mit ihnen. Die erste Hürde stellen die Schuhe dar. Die 18-jährige Katharina beispielsweise muss mit Schuhgröße 43 in einer 41 laufen.

Einige Mädchen kleben sich die Highheels einfach an den Füßen fest und trotzdem schlurfen sie schließlich mit seltsam abgeknickten Knöcheln über den Laufsteg. «Wie ein Stock auf zwei Beinen!», Klum kann sich das Lachen nicht verkneifen und schämt sich sogar ein wenig fremd. Die selbst ernannte «Lisa Plenske» etwa kehrt nach dem halben Catwalk einfach wieder um. Superblondine Gina-Lisa nimmt ihr viel zu kurzes Kleid mit Humor: «Ganz Barcelona kennt jetzt meinen Arsch.»

Die Rohdiamanten werden noch geschliffen

Der Sprung ins kalte Wasser ist nicht allen geglückt. Nach der Modenschau kommen nur 30 weiter. Darunter auch Gina-Lisa. «Prinzessin war ich immer schon gewesen», sagt die 21-Jährige. Die Rohdiamanten müssen eben noch geschliffen werden. Auch «Lisa Plenske» ist weiter, trotz Laufsteg-Fauxpas. Für die restlichen 20 ist das Märchen vorbei. Sie werden von Klum per Luftküsschen verabschiedet.

Wie viele Jahre Fräuleinwunder Klum noch nach Deutschlands Schönster suchen wird? «America's Next Top Model», die von Tyra Banks moderierte Vorbildsendung aus den USA, läuft bereits in der zehnten Staffel. Na dann, gute Nacht! Ein ganz klein bisschen Bruce gab es übrigens doch noch: In der Anschlusssendung «Simply The Best» kommentierte Klums in Ungnade gefallener Model-Choreograph Klatschgeschichten aus der Promiwelt.

 
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