netzeitung.deSelbstklebende Straßenkunst aus dem Web

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'Chetrooper' von Urbanmedium (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Chetrooper' von Urbanmedium
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Selten ist die Herstellung von Kunst so einfach: herunterladen, abziehen und aufkleben. Sticker erobern die Straßen von New York bis Paris.

Vor zwei Jahren tauchte auf Verkehrsschildern und Briefkästen in Los Angeles ein Sticker auf, der Che Guevara mit dem Gesicht eines «Star Wars»-Troopers zeigt. Mittlerweile klebt der «Chetrooper» auch in großen Städten Europas, sowie in Kyoto und Melbourne. Im Internet kann man auch das dazugehörige T-Shirt bestellen. Ahnlich schnell verbreitete sich das Bild einer 20-Milligramm-Kapsel mit der Unterschrift «Visual Narcotics» oder die Rückenansicht des «Salesman». Die «New York Times» hat die selbstklebenden Bildchen zum neuen Kunst-Phänomen erklärt.

Anders als die Medien, die einen mit Bildern bombardieren, um ein bestimmtes Gefühl hervorzurufen, würden Sticker den Betrachter in Situationen konfrontieren, in denen er nicht mit Kunst rechnet, zitiert die Zeitung Colby Woodland, der auf seiner Website «20mg.com» Straßenkunst ausstellt. Die meisten Sticker seien subversiv, weil sie versuchten, auf den einlullenden Effekt der konventionellen Massenmedien aufmerksam zu machen. So wie Derek Fridman und Heather Alexander mit ihrem «Chetrooper», der ein «Kommentar dazu sei, dass Che mittlerweile zum Pop-Konzept wurde. «So viele Leute tragen das Che-Porträt auf dem T-Shirt, ohne zu wissen, wer der Mann überhaupt war, und was er gemacht hat.»
Einfacher als Grafitti
Sticker funktionierten besonders gut in Städten, in denen Menschen viel zu Fuß unterwegs seien, wird Alice Twemlow vom American Institute of Graphic Arts zitiert. Vor allem «können die Leute auch gleich reagieren». Billige Drucker machten es den Künstlern möglich, ihre Arbeit für die Öffentlichkeit in Masse zu produzieren, fügt Scott Rettberg, ein Student der neuen Medien, hinzu. Außerdem seien sie leichter anzubringen als Grafitti.

Entfernungen sind für die kleinen Kunstwerke kein Problem - in New York entworfen, nach Paris gemailt und nach Hong Kong weitergeleitet, erreichen sie das nächste Verkehrsschild schneller, als es der Künstler je könnte. Und dann: ausdrucken, abziehen, ankleben. (nz)