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Honderich: Bin kein Antisemit

09. Aug 2003 20:12
Ted Honderich
Der Suhrkamp-Verlag hat ein Buch von Ted Honderich wegen Antisemitismus aus dem Programm genommen. Nun bestreitet der Autor den Vorwurf – mit Hinweis auf seine jüdische Ex-Frau.

Der kanadisch-britische Moralphilosoph Ted Honderich wehrt sich gegen den Vorwurf, sein Buch «Nach dem Terror. Ein Traktat» sei antisemitisch. Am Mittwoch hatte sich der Suhrkamp-Verlag von Honderich distanziert und mitgeteilt, der Verlag werde den Band nicht wieder auflegen und zudem die Rechte zurückgeben.

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Zuvor hatte der Direktor des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt am Main, Micha Brumlik, das Buch am Dienstag in einem offenen Brief an Suhrkamp scharf kritisiert. Laut einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) hat sich der betroffene Autor nun gegen die Entscheidung des Verlags und Brumliks Brief verwahrt – indem er das gleiche Medium wählte: den offenen Brief.

Honderich: «Übersteigt mein Fassungsvermögen»

In dem Schreiben an die Frankfurter Universität schreibt Honderich laut FAZ: «Die Beschuldigung, ein Antisemit zu sein, empört mich und übersteigt mein Fassungsvermögen.» Es folge eine «offenbar ironisch gemeinte Bemerkung», so FAZ, Brumliks Vorwürfe würden nun sicherlich «psychoanalytische Untersuchungen nach sich ziehen, warum ich mit einer jüdischen Frau verheiratet war, warum ich mich wegen des Holocaust weigerte, in Deutschland Vorträge zu halten usw.».

Daher wäre es «falsch, auch nur einen einzigen Satz in Brumliks Brief ernst zu nehmen», formuliert Honderich weiter und fordert, «Micha Brumlik umgehend von den akademischen Positionen, die er bekleidet, zu entbinden.» Auf die Vorwürfe gegen antisemitische Passagen seines Buchs gehe der Autor indes nicht ein, stellt die FAZ fest.

Verlagsentscheidung «traurig für Deutschland»

Zusätzlich hat Honderich in der «Welt am Sonntag» (WamS) zur Entscheidung des Verlags Stellung genommen: Es sei «traurig für Deutschland», dass Suhrkamp sein Werk aus dem Programm genommen habe. Honderich glaubt der WamS zufolge, dass die Antisemitismus-Vorwürfe ein Komplott sind: «Die Neozionisten stempeln mich zum Antisemiten. Das ist gut bekannte, schmutzige Politik.»

Am Dienstag hatte Micha Brumlik Honderichs Buch derart beurteilt, der Band verbreite «antisemitischen Antizionismus». Dabei rechtfertige er nicht nur die «Ermordung jüdischer Zivilisten in Israel», sondern empfehle «eben dies Tun auch zur Nachahmung». (nz)


 
 
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