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Habermas verteidigt Suhrkamp-Autor
gegen Antisemitismus-Vorwurf

06. Aug 2003 13:05
Jürgen Habermas
Jürgen Habermas weist die Kritik an einer Veröffentlichung des Suhrkamp-Verlags zurück. Micha Brumlik hatte in Bezug auf das Buch von «philosophischem Judenhass» gesprochen.

Der Frankfurter Philosoph Jürgen Habermas weist die am Dienstag erhobenen Antisemitismus-Vorwürfe gegen das kürzlich im Suhrkamp-Verlag erschienene Pamphlet «Nach dem Terror. Ein Traktat» des Philosophen Ted Honderich zurück. In der «Frankfurter Rundschau» antwortete er am Mittwoch auf einen ebenda erschienenen offenen Brief des Direktors des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts, Micha Brumlik. Er hatte den Verlag aufgefordert, das Buch «unverzüglich vom Markt zu nehmen».

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Habermas erklärt, er glaube, dass sein Freund Brumlik ohne Augenmaß urteile, «wenn er 'Nach dem Terror' mit Möllemanns Flugblatt und Walsers Roman» auf eine Stufe stelle. Er selbst habe das Buch Honderichs für die «Edition Suhrkamp» empfohlen, trage also einen Teil der Verantwortung. Er habe das Buch unter anderem für gut befunden, weil es nach dem 11. September die Frage stellte, welche «moralische Bedeutung» der Entstehungskontext der Anschläge «möglicherweise für uns hat». In diesem Zusammenhang widme sich Honderich auch dem Konflikt in Israel. Honderich halte den Umstand, dass der Konflikt «seit mehreren Generationen ungelöst fortbesteht, 'ob nun zu Recht oder zu Unrecht' für eine der 'Hauptursachen' des internationalen Terrorismus».

Habermas kritisiert in seinem Beitrag Honderichs Schlussfolgerungen: «Unglücklicherweise gelangt er im Rahmen einer Moralphilosophie, die ich nicht teile, zu einer Konklusion, die ich für falsch halte: Honderich unterscheidet seine politische Bewertung des palästinensischen Terrors nicht von dessen moralischer Rechtfertigung.» Es handle sich damit zwar um ein «hemdsärmeliges Pamphlet», seine einseitige Darstellung der Geschichte des Nahost-Konflikts sei außerdem weit davon entfernt, dem Anspruch auf historische Gerechtigkeit zu genügen, und mancher Satz habe ihn sogar «aufstöhnen» lassen. Dennoch habe er bei der Lektüre der deutschen Übersetzung keine Bestätigung für den Vorwurf des Antisemitismus gefunden, erklärte Habermas.

Im deutschen Kontext betrachtet könne er aber die Gefühle «eines offenbar größeren Teils unserer jüdischen Bevölkerung nachvollziehen.» Wenn er also mit seiner Empfehlung die gebotene Rücksichtnahme versäumt haben sollte, schließt der Philosoph, «tut es mir leid.» (nz)


 
 
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