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Brumlik wirft Suhrkamp-Titel
«philosophischen Judenhass» vor

05. Aug 2003 12:32
Micha Brumlik
Der Direktor des Fritz Bauer Instituts, Micha Brumlik, hat einen offenen Brief an den Suhrkamp Verlag gerichtet. Eine neue Veröffentlichung des Philosophen Ted Honderich rechtfertige die Ermordung jüdischer Zivilisten in Israel.

Am Dienstag ist in der «Frankfurter Rundschau» ein offener Brief Micha Brumliks erschienen, in dem er Vorwürfe gegen den Suhrkamp Verlag erhebt: «Nachdem der Suhrkamp Verlag mit Martin Walsers 'Tod eines Kritikers' einen antisemitischen Roman publiziert hat, veröffentlicht er jetzt in seiner Jubiläumsreihe (!) einen politisch-philosophischen Traktat, der antisemitischen Antizionismus verbreitet, dabei die Ermordung jüdischer Zivilisten in Israel rechtfertigt und so – gemäß der strengen moralischen Logik des Autors Honderich – eben dies Tun auch zur Nachahmung empfiehlt.» Brumlik ist Direktor des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt, das sich mit der Geschichte des Holocaust und seiner Wirkung beschäftigt.

Suhrkamp hat vor kurzem in seiner Jubiläumsreihe «40 Jahre edition suhrkamp» die deutsche Übersetzung eines Buchs des kanadisch-britischen Philosophen Ted Honderich veröffentlicht, das in den USA und Kanada bereits zu einer Debatte geführt hat. Wie die amerikanischen Kritiker von «Nach dem Terror. Ein Traktat», erblickt auch Brumlik in einigen Passagen des Buches «antisemitischen Antizionismus».

Brumlik schreibt: «Mir schwante schon Übles, als ich auf Seite 51 so hanebüchenen Unsinn lesen musste, wie die Behauptung, dass zwischen 1989 und 1991, also in zwei Jahren, 250.000 bis 400.000 sowjetische Juden auf arabischem (!) Land angesiedelt wurden.» Honderich bezeichnet in seinem Traktat den Zionismus als «rassistisch», und kommt außerdem zu dem Schluss, dass Terrorakte gegen israelische Zivilisten das «moralische Recht» der Palästinenser seien.

Brumlik wundert sich in seinem Brief darüber, dass mit Suhrkamp «ein Verlag, der – um nur einen Zionisten zu nennen – Gerschom Scholem verlegt hat und einen Jüdischen Verlag sein eigen nennt, der einen anderen berühmten Zionisten, Agnon, verlegt, philosophischen Judenhass publiziert.» Brumlik stellt dem Verlag weiter die Frage: «Gibt es überhaupt noch eine verantwortliche Kontrolle über das Lektorat?» Schließlich fordert er den Verlag in seinem offenen Brief auf, «das Buch von Ted Honderich unverzüglich vom Markt zu nehmen». (nz)


 
 
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