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Kathrin Passig: Frieren, lesen, abräumen

12. Jul 2006 07:12
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Bloggen, Übersetzen, Schreiben, und um die Technik im Web kümmert sie sich auch noch. Alles ok? Wir haben bei Passig, der Bachmannpreis-Trägerin, nachgefragt.


35 Jahre ist Katrin Passig alt und soeben hat sie also im Vorbeigehen den Publikums- und den Jurypreis des Bachmann-Wettbewerbes abgeräumt. Nun wundert sich die literarische Welt und fragt, wie es passieren konnte, dass die Kolumnistin (u.a. für «taz» und «Berliner Zeitung»), bekannte Webloggerin («Riesenmaschine») und Kulturagentin («Zentrale Intelligenz Agentur», ZIA) in Klagenfurt so viel Erfolg haben konnte.

Wir haben uns in ihrem Riesenmaschine-Büro am Schlesischen Tor in Berlin getroffen. Schnell verlassen wir diese hübsche kleine Klause, die mit Technik und Papier bis unter die Decke voll gestopft ist, gehen raus in den Schatten des gemütlichen Hinterhofes, in dem das Häuschen steht. Die Sonne brennt...


1Frau Passig, es ist so heiß heute und verdammt schwierig über Ihren Text «Sie befinden sich hier» zu reden, mit dem Sie den Bachmann-Wettbewerb gewonnen haben. Er spielt im dichten Schneetreiben.

Das habe ich mir damals beim Schreiben auch schon gedacht. Ich habe ihn im Februar geschrieben und es ist schon komisch, ihn dann im Hochsommer vorzutragen. Es hat sich aber bisher noch niemand darüber beschwert.

2 Sie publizieren seit Jahren, meistens aber Glossen und Kolumnen für Zeitungen und im Internet.

Ich finde eigentlich, dass es keine klare Trennung zwischen literarischen und nicht literarischen Texten gibt oder geben sollte. Aber beim Schreiben für Klagenfurt habe ich auf jeden Fall einen Unterschied gemerkt. Das war diesmal schon ganz anders als die Sachen, die ich sonst so gemacht habe.

3 Haben Sie sich Chancen ausgerechnet, mit diesem Text in Klagenfurt zu gewinnen?

Ich hätte gerne einen komischeren Text eingereicht, einen Text, der mehr dem entspricht, wie ich sonst schreibe. Aber ich wusste von Klagenfurt, dass komische Texte dort normalerweise nicht so gut verfangen. Deshalb habe ich mir Mühe gegeben, einen ernsten Text zu produzieren.

4 Nun taucht in den Feuilletons gelegentlich der Vorwurf auf, Ihr Text sei kalkuliert, ein geplanter Coup von Ihnen und Ihren Freunden.

Es ist überhaupt nicht möglich, zielgerichtet auf Klagenfurt hinzuschreiben. Die Jury ist dafür viel zu unberechenbar. Wenn man sich die Vorjahre mal anschaut, sieht man schnell, dass da auf nichts Verlass ist. Da sitzen 18 Juroren, die zusammen ungefähr 36 Ansichten über Literatur haben. Dazu kommt am Ende noch der Abstimmungsprozess. Nein, man kann darauf nicht hinschreiben.

5 Überall geht gerade die Rede um vom «Bachmann-Text». Das soll wohl heißen, es gebe typische Texte, mit denen man beim Wettbewerb ganz gut abschneidet. Was ist ein «Bachmann-Text»?

Von den bisherigen Gewinnertexten kenne ich fast keine. Ich kann mich noch gut an den vom Vorjahr erinnern. Mir hat er nicht gefallen.

6 Waren Sie über den Erfolg sehr überrascht?

Ja, unbedingt. Nicht so sehr über den Publikumspreis. Da hat man immer Vorteile, wenn man aus dem Internet Leute hinter sich hat. Und die habe ich, weil ich dort seit Jahren publiziere. Aber der Preis der Jury hat mich schon sehr überrascht.

7 Haben Sie sich mit Ingeborg Bachmann beschäftigt?

Überhaupt nicht. Ich weiß so gut wie nichts über sie, habe aber in Klagenfurt gemerkt, dass ich damit nicht allein stehe. Von fünf oder sechs der Autoren, die ich gefragt habe, hatte eine mal was von Bachmann gelesen.

8 Wofür steht Klagenfurt?

Früher habe ich mir Klagenfurt immer als etwas Altes und Staubiges vorgestellt und mir deshalb auch nie einen der Wettbewerbe im Fernsehen angesehen. Außer einmal, im Deutsch-Leistungskurs, da mussten wir uns das ansehen. Ich war völlig fassungslos, wie öde das ist.

Erst durch das Internetforum «Wir höflichen Paparazzi», bei dem ich mitgearbeitet habe, habe ich meine Meinung über den Bachmann-Wettbewerb geändert. Dort gab es im Forum schon einige Jahre lang eine Klagenfurt-Begleitdiskussion, die belustigt, aber immer auch wohlwollend ausfiel.

2004 wollte ich schon hin, weil mein Kollege Wolfgang Herrndorf dort gelesen hat. Aber ich war in Alaska und konnte es mir nicht mal im Fernsehen angucken. 2005 bin ich schließlich hingefahren und war überrascht, dass das eine extrem unterhaltsame Veranstaltung ist.

Im Fernsehen merkt man das nicht, vor allem, wenn man es sich alleine ansieht. Aber als soziales Ereignis und als Mischung aus Badeurlaub und Literaturveranstaltung ist das toll.

9 Wie war die Stimmung, als Sie den Text vorgelesen haben?

Weiß ich nicht, ich war sehr ins Vorlesen vertieft. Ich habe mich nur gewundert, dass im Publikum gelacht wurde. Von der Jury habe ich nichts mitbekommen.

10 Ihren Text kann man ja auch als Anspielung auf Klagenfurt lesen: Man ist allein, irrt herum, es ist so bitter kalt...

... und dann noch das Rainald Goetz'sche Blut, das von der Stirn tropft. Ja, neulich hat jemand in der «FAZ» diesen Vergleich gemacht. Haben Sie das gelesen?

11 Nein.

Ich war überrascht, wie gut das geht. Gemeint war es nicht so.

12 Bleiben Sie jetzt bei der Literatur?

Muss ich ja. Die Verlage fordern das, weil sich die Bücher offensichtlich gut verkaufen, wenn vorne «Bachmann-Preisträgerin» draufsteht. Wobei das Quatsch ist, denn ich arbeite derzeit an einem Sachbuch und bis ich mit einem literarischen Werk am Start bin, gehen mindestens anderthalb Jahre ins Land. Eher mehr. Und dann erinnert sich ohnehin keiner mehr daran, dass ich mal diesen Preis bekommen habe.

Ich fühle mich außerdem ein wenig verpflichtet. 25.000 Euro Preishonorar sind viel Geld. Ich fände es unanständig, das Geld zu nehmen und dann zu sagen: «Das war's – Literatur geht mich jetzt nichts mehr an.» Es gab ja auch Klagen, u.a. von der Juryvorsitzenden Iris Radisch, dass der Bachmann-Preis eigentlich nicht dazu gedacht ist, ihn mit einem einzigen Text abzuräumen, auch wenn es öffentlich genau darum geht. Das Gesamtwerk sollte eine Rolle spielen. Ich finde diese Kritik nicht völlig unberechtigt. Und weil ich bisher kein Gesamtwerk aufweisen kann, würde ich gerne weitermachen.

13 Setzt es Sie unter Druck, nun literarisch nachlegen zu müssen?

Nein. Das ist noch lange hin, denn bis zum nächsten Frühjahr schreibe ich noch an meinem «Lexikon des Unwissens». Dafür brauche ich alle Zeit, das Lexikon ist sehr rechercheaufwändig.

14 Frau Passig, Sie betreiben zusammen mit anderen das Weblog «Riesenmaschine.de», das vor kurzem mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Nun ist noch der Bachmann-Preis hinzugekommen. Welcher Preis bedeutet Ihnen mehr?

Na ja, in Klagenfurt gibt es 25000 Euro mehr als für den Grimme Award. Beim Bachmann-Wettbewerb ist viel Zufall im Spiel. Das ist beim Grimme Award ein wenig anders. Denn dort wachsen ja nicht jedes Jahr – wie in Klagenfurt – 18 neue Angebote nach. Nachdem in den ersten Jahren die klassischen großen Informationsportale den Grimme-Preis erhielten, folgen nun die kleineren Weblogs. Viel gutes Neues kommt leider nicht hinzu.

15 Wie funktioniert die «Riesenmaschine», dieses kollaborative Weblog? Gibt es da einen Maschinenraum, dem alle anderen zuarbeiten?

Jeder schreibt für sich. Wir diskutieren dann über die einzelnen Beiträge, bevor sie online gehen. Es gibt in einem nicht öffentlichen Redaktionsbereich eine Art demokratische Redaktion von allen an allen Texten.

16 Was bedeutet Ihnen die kollaborative, innige Arbeit mit anderen zusammen? Viele Schriftsteller arbeiten ja lieber alleine.

Erstens macht es bei Sachtexten viel mehr Spaß beim Schreiben und zweitens ist das Ergebnis auch besser, wenn man zu mehreren ist. Wenn ich mal einen Text allein schreibe, fehlt mir schnell diese rund um die Uhr vorhandene «Riesenmaschinen»-Redaktion, die noch mal über alles drüber bürstet.

17 Und diese Redaktion ist weit verstreut.

Quer durch die Welt. Das ist praktisch, denn wenn ich spätnachts oder morgens was abliefere, dann ist irgendwo immer noch jemand wach, der sich das ansieht. Wir haben ja auch Leute in Peking, Berkeley und Toronto.

18 Wie ist die «Riesenmaschine» entstanden?

Wie bei der ZIA, der Zentralen Intelligenz Agentur, war zuerst der Name da und mit diesem Namen wollten wir was anfangen. Gleichzeitig hatten wir mit der ZIA schon länger einen Newsletter für ein großes Automobilunternehmen gemacht. Da ging es nur um Design. Und wir überlegten, wie man so etwas wie ein digitales Archiv schaffen kann, wo man solche Sachen für die spätere Verwendung unterbringt. Das ist schnell gescheitert, weil niemand sich die Mühe machen wollte, Arbeit in ein staubiges Archiv zu stecken.

Dann haben wir überlegt, ein PDF daraus zu machen und es an Firmenkunden zu schicken. Es war unsere Firmenkundenphase. Schließlich aber haben wir im Sommer 2005 gesehen, dass das alles als Blog viel besser funktionieren könnte.

19 Ist man 2005 mit einem neuen Blog nicht arg spät dran?

Das stimmt. Wir wollte eigentlich auch kein klassisches Blog machen, sondern ein Blog für Leute, die sonst keine Blogs lesen. In den ersten drei Monaten haben wir schamlos und ohne Quellennennung alles aus anderen Blogs abgeschrieben, weil wir dachten, unser Publikum liest die eh nicht, und weil wir meinten, die Blogosphäre koche zu sehr im eigenen Saft.

20 Und jetzt seid ihr raus aus diesem Saft?

Nein, jetzt sind wir stärker eingebunden als je zuvor. Uns war nicht so klar, dass man sich ganz schnell in die Blogosphäre begibt und dass sich dadurch einiges verändert. Irgendwann kann man einfach nicht mehr sagen, wir haben mit der Blogosphäre nichts zu schaffen, denn du merkst schnell, dass deine Leser klassische Blogleser sind. Erst so langsam kommen bei uns Leser hinzu, die noch nie in Blogs unterwegs waren.

21 Wie wirkt sich der Grimme Online Award auf die Entwicklung eines Blogs aus? Gehen da schlagartig die Besucherzahlen hoch?

Ne. Höchstens kurzzeitig. Bei uns ist die Entwicklung eher kontinuierlich. Seit dem Start wächst die Zahl der Besucher um 1000 pro Monat. Mittlerweile haben wir zwischen 12000 und 13000 Visits pro Tag. Dazwischen gab es mal Spitzen, zum Beispiel als wir bei «Spiegel-Online» oder bei «Heise» verlinkt waren, aber im Prinzip ist der Trend immer derselbe. Jeden Monat 1000 mehr.

22 «Riesenmaschine», «ZIA», «Wir höflichen Paparazzi»: sind das alles Stücke vom selben Kuchen?

Die «Riesenmaschine» ist eines von mehreren Projekten der ZIA. «Wir höflichen Paparazzi» hat damit formal gar nichts zu tun. Aber einige der Paparazzi schreiben auch für die «Riesenmaschine».

23 Und Sie als die Schriftstellerin sind ausgerechnet für die Technik zuständig. Ich kenne einige Schriftsteller, die noch per Hand oder mit der Schreibmaschine schreiben.

Ich mache immer das, was gerade am dringendsten gemacht werden muss. Und ich empfinde es als sehr angenehm, unterschiedliche Arbeiten machen zu können. Es ist doch ein Luxus, mir morgens aussuchen zu können, was ich tagsüber machen will. So habe ich mir das immer gewünscht.

24 Auch früher schon?

Nach dem Abitur bin ich zur Berufsberatung gegangen und habe dort gesagt, ich möchte gerne das, das, das und das machen, aber auch ein bisschen von dem und jenes sollte auch auftauchen. Was also haben Sie für mich? Sie haben mich nur sehr glasig angesehen und gemeint, da gibt es gar nichts. Aber, hieß es, «Sie können ja Lehrerin werde, da haben Sie viel frei».

25 Und jetzt haben Sie doch noch etwas gefunden, was die Berufsberatung nicht vermitteln konnte.

Ja. Schreiben, Bloggen, Webtechnik, Übersetzen, Veranstaltungen organisieren. Das meiste ginge nicht, wenn das Web nicht erfunden worden wäre.

26 Ausgerechnet das Web, das vielen immer noch als die größte Müllhalde der Welt gilt.

Wenn man viel im Internet unterwegs ist, merkt man schnell, wie rasant dort fast alles besser und Benutzerfreundlicher wird. Flickr zum Beispiel gibt sich alle Mühe, auf Wünsche und Klagen des Publikums zu reagieren. Daran gewöhnt man sich und wundert sich, dass so etwas in der Außenwelt nicht oder nur ganz langsam geschieht. Warum muss man bei der Post immer noch Schlange stehen? Vieles ist unnötig kompliziert.

27 Das Aufnahmegerät muckt ein bisschen. Mache es mal aus und wieder an. So, Band läuft wieder...

Sie sind der erste Journalist, der hier mit einem Aufnahmegerät aufläuft, das auf der Höhe der Zeit ist. Das freut mich.

28 So etwas freut Sie?

Ja, die anderen sind mit alten Geräten gekommen oder mit modernen, die sie sich von Kollegen geliehen haben und mit denen sie sich noch nicht gut auskannten. Sagen Sie jetzt bitte nicht, dass Sie sich damit auch nicht auskennen.

29 Ich kann es bedienen, aber es muckt halt manchmal. Ob es an mir oder an diesem Iriver liegt, habe ich noch nicht herausgefunden. Was interessiert Sie so an Technik?

Was ich mit Technik verbinde, ist Weltverbesserung. Ich glaube sehr fest und gerne daran, dass es für jedes soziale Problem eine technische Lösung gibt. Und die Suche nach diesen Lösungen interessiert mich.

30 Dieser Fünfziger Jahre-Fortschrittsoptimismus überrascht mich.

In den Fünfzigern machte Technik nur technische Dinge. Heute macht Technik soziale Dinge und bringt soziale Revolutionen mit sich. Was vor 50 Jahren hübsch, aber einfach nur absurd war, ist heute gängige Praxis. Die Maschinen übernehmen die Arbeit. Das ist das, was ZIA und «Riesenmaschine» immer gewollt haben.

31 So kann man auch den massenhaften Stellenabbau begründen.

Das Phänomen gibt es. Aber man muss auch sehen, dass dadurch wiederum andere Leute einen Job bekommen. Natürlich kann Technik nicht alles allein Regeln. Doch die meisten technischen Neuerungen bringen einfach wesentliche Verbesserungen für alle mit sich, jedenfalls mehr als guter Wille und die Beschäftigung mit einer nicht technischen Weltverbesserung.

32 Je genauer man sich Ihre Texte anschaut, desto häufiger begegnen einem Begriffe wie Wissen, Halbwissen, Unwissen. Was bedeutet Ihnen Wissen?

Harry Rowohlt hat mal gesagt, das Schöne am Übersetzerberuf, über den er sonst nicht viel redet, weil er so schlecht bezahlt und auch so langweilig ist, sei, dass man jedes bisschen unnützes Wissen, dass man dabei irgendwie und irgendwo mal aufgeschnappt hat irgendwann mal wieder brauchen kann. Das finde ich auch. Ich bin so eine Art Wissensstaubsauger und schnorchle jeden Tag in den Internet-Fundstücken. Irgendwann kann man sie wieder gebrauchen und manchmal lassen sie sich sogar zusammenfügen.

33 Das Fundstückschnorcheln kann doch die klassische Recherche nicht ersetzen.

Ich glaube, dass die Zeit des Faktenwissens vorbei ist. Das menschliche Gehirn ist nicht dazu da, sich Faktenwissen zu merken. Das kann Google für uns erledigen. Wir sollten uns darauf konzentrieren, Zusammenhänge zu lernen und zu verstehen.

34 Mensch, ist das eine Hitze hier. Sagen Sie, gehört dem Halbwissen die Zukunft?

Ich finde Halbwissen interessanter als Ganzwissen. Die besserwisserische Art, in der in meinem Bachmanntext geredet wird, entspricht mir zwar sehr. Aber gleichzeitig ist das auch sehr lästig.

35 Wie wird denn Ihr geplantes Lexikon des Unwissens ausfallen?

Es wird immer Sommer erscheinen und sich mit echten Forschungslücken beschäftigen. Mit Dingen, an denen zwar schon geforscht wird, bei denen aber immer noch unklar ist, was am Ende dabei rauskommt.

36 Hat Literatur etwas mit Wissen zu tun?

Mir hat es Spaß gemacht, in «Sie befinden sich hier» lauter falsche Dinge rein zu schreiben. Einfach als Entspannung nach den vielen vorangegangenen Sachtexten. In der «Riesenmaschine» ist es mir oft unangenehm, wenn da was Falsches steht, obwohl zehn Leute den Text gelesen haben. Wegen des Bachmanntextes bekomme ich jetzt Zuschriften wie «Frau Lehrer, ich hab da jetzt nen Fehler gefunden!» Lustig, denn das ist ja alles Absicht. Das war zur Abwechslung mal ganz schön.

37 Meiner Ansicht nach ist der Feuilletonvorwurf an Sie und die ZIA, strategisch vorzugehen und gezielt Preise abzuräumen eine Kritik, die ins Leere geht. Vielmehr könnte man doch darüber diskutieren, dass durch Sie, die ZIA, die «Riesenmaschine» und andere endlich mal die Netzkultur und –kommunikation in die Festungen der Hochkultur eindringt.

Ich verstehe den Vorwurf. Man muss auch sehen, dass einige Journalisten mit Klagenfurt noch ein Hühnchen zu rupfen haben und sich freuen, dass Klagenfurt bloß gestellt wird.

Zum anderen wird von den Medien das Konzept der ZIA häufig missverstanden. Wir betonen unsere affirmative Komponente, unser prinzipielles Einverstandensein. Das ist ernst gemeint, und ich glaube, dass viele, die jetzt darüber geschrieben haben, ein, zwei Generationen älter sind. Damals war das Affirmative noch nicht erfunden, sie glauben also, wir meinen das nicht ernst. So entstehen Missverständnisse. Vieles von dem, wofür wir stehen, ist so gemeint, wie es in der «Riesenmaschine» oder auf der Website der ZIA steht.

38 Ohne Augenzwinkern?

Na ja, nicht ganz. Wir sind ja nicht bescheuert. Trotzdem gilt: Wir sind erstmal dafür und nicht dagegen. Uns geht es doch gut. Außerdem muss man noch Platz nach unten lassen, damit man nörgeln kann, wenn es wirklich mal was zu nörgeln gibt.

39 Gibt es etwas, das Ihre gesamte Arbeit vom Webdesign bis zur Schriftstellerei verbindet?

Nagetiere. Sie haben mich nie schlecht behandelt und sind nun zu Recht die Schutzpatrone der «Riesenmaschine» geworden. Im Internet habe ich mich schon früh mit dem Bilch befasst und in meinem Bachmann-Stück durfte ein Hasenkaninchen nicht fehlen. Folgen Sie den Spuren der Nagetiere.

Mit Kathrin Passig sprach Maik Söhler.



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