Streit um Mohammed: 

netzeitung.deKarikaturisten schlagen zurück

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Ingrid Rices 'Selbstmord-Karikaturist' (Foto: Ingrid Rice <br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ingrid Rices 'Selbstmord-Karikaturist'
Foto: Ingrid Rice
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Karikaturisten werden bedroht, können aber mit erhöhter Aufmerksamkeit rechnen. Die ganze Berufsgruppe befasst sich weltweit mit den Folgen des Mohammed-Streits - und zeichnet Karikaturen.

Das erste Opfer des Fernsehkriegs zwischen Okzident und Orient sind allem Anschein nach die Karikaturisten. Gleichzeitig hat der Karikaturenstreit dem Genre als solchem eine ganz neue Brisanz verliehen und den Karikaturisten bestes Material geliefert: Satire funktioniert immer dann am besten, wenn es wirklich wehtut. Das Lieblingsthema der Zeichner ist in diesen Tagen daher der Streit um die Karikaturen selbst geworden.

Viele Zeichner widmen sich derzeit der Meinungsfreiheit und dem Dilemma des Satirikers. Steve Kelley von «The New Orleans Times-Picayune» thematisierte kürzlich die Angst der Karikaturisten nach Drohungen von radikalen Muslimen. In seiner Karikatur beschwert sich eine Redakteurin beim Karikaturisten darüber, dass er an Schärfe verloren habe: Er zeichnet nur noch unverdächtige Smileys und verbreitet gute Laune.
Papierflieger und Twin Towers
Doch auch das offensichtliche kulturelle Gefälle zwischen westlichen Satirikern und islamistischen Radikalen bietet sich zur satirischen Überzeichnung an. Christo Komarnitski hat für die in Sofia erscheinende Zeitung «Sega» eine Karikatur gezeichnet, in der die zweifelhafte Gleichsetzung von Cartoon und Terror bloßgestellt wird: Radikale Islamisten haben Flugzeuge ins World Trade Center gelenkt, radikale Karikaturisten hingegen haben lediglich einen Papierflieger losgeschickt, der den Zwillingsminaretten auf seinem Bild wohl kaum etwas anhaben wird.

Etwas weniger leicht kann Hassan Bleibel die Angelegenheit nehmen. Er arbeitet für die Zeitung «Al-Mustakbal» in Beirut, wo es vor kurzem antichristliche Ausschreitungen gab. Bleibel glaubt, dass sich die Islamisten derzeit über die Meinungsfreiheit freuen, die sie sonst verachten. In seiner Karikatur ist ein waffenstarrender Bärtiger zu sehen, den man durchaus als Osama Bin Laden identifizieren könnte. Er tanzt vor Freude und ruft: «Ich liebe die freie Meinungsäußerung.»

Wer liest schon Dänisch
Ein paar hundert Kilometer weiter südlich amüsiert sich Yaakov Kirschen in der «Jersualem Post» über die Naivität der dänischen Zeitungsleute, über die man sich allerdings auch streiten könnte. Zeichnet sich doch in dem einst als besonders liberal geltenden Kleinstaat derzeit eine nationalistische Wende ab, in der alles Fremde systematisch ausgegrenzt wird. In Kirschens Cartoon debattieren Herausgeber und Redakteur miteinander, ob es wohl Ärger über die Mohammed-Karikaturen geben wird. Der Redakteur ist sich sicher: «Wer liest denn schon Dänisch? Außerhalb Dänemarks wird es keiner zur Kenntnis nehmen.»

Doch die Karikaturisten, denen Fernseh-Comedies längst das Wasser abgegraben zu haben schienen, haben nun eine neue Relevanz bekommen. In Zukunft wird man vielleicht etwas aufmerksamer verfolgen, wer mit kleinen Zeichnungen worüber Witze macht. (nz)