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Google gegen Microsoft: 

Google wird das Netz zu klein

07. Okt 2005 10:38
Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin
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Google versucht sich als Provider drahtloser Netz-Zugänge. Angst davor sollten nicht nur die Telekoms der Welt haben, sagen Kritiker: Googles Datenbanken verknüpfen immer mehr Informationen.

Von Peter Schink

Im September 1998 war Google nicht mehr als ein kleines Eingabefeld auf der Seite www.google.com. Darüber stand das Google-Logo, die restliche Seite war weiß. In das Eingabefeld konnte man Suchanfragen eintippen, wie bei anderen Suchmaschinen auch. Aber das Ergebnis unterschied sich von allem, was Internet-Nutzer bislang gesehen hatten. Innerhalb weniger Wochen hatte sich herumgesprochen, wie einfach die neue Suchmaschine zu bedienen war, die so völlig provisorisch aussah.

Im Gegensatz zu anderen, etwa Yahoo und Altavista, lieferte Google einen hohen Prozentsatz nützlicher Ergebnisse, und das in einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Denn Googles Page-Rank-System indizierte Webseiten nicht mehr nur nach Stichworten, sondern gewichtete die Relevanz von Seiten danach, wie viele Links auf sie zeigten.

130 Zeichen Business

Im August 2004, nur sechs Jahre später, verdienten die Google-Gründer Sergej Brin und Larry Page beim Börsengang ihres Unternehmens über Nacht jeweils 3,2 Milliarden Dollar und stiegen auf Platz 43 und 44 der reichsten US-Bürger auf. Im Deutschland wurde das Wort «googeln» im gleichen Jahr in den Duden aufgenommen.

Doch der unternehmerische Erfolg von Google lag nicht allein im «Page Rank» begründet. Vielmehr hatte er mit der zweiten durchgreifenden Idee des kalifornischen Software-Start-Ups zu tun. Das lukrative Konzept von Google besteht aus kleinen Textanzeigen, den so genannten Adwords, die nicht nur auf der Google-Seite eingebunden sind. Sie werden – sofern der Betreiber einer beliebigen Site sich bei Google angemeldet hat – immer dann aus den Google-Datenbanken auf die entsprechende Site geladen, wenn ihr Inhalt eine Beziehung zur Werbung hat.

Bezahlen muss der Kunde die Werbung erst, wenn ein Internet-Nutzer darauf klickt. Mehr als 95 Prozent der Einnahmen erzielt der Konzern derzeit mit den maximal 130 Zeichen langen Werbekästchen – und ernährt davon ungefähr 3500 Mitarbeiter.

Kostenlose Dienste

Auf deren Kreativität baut Google bis heute. Jeder Angestellte am Firmensitz in Mountain View hat 20 Prozent seiner Arbeitszeit zur freien Verfügung, um eigene Projekte zu realisieren. So entstanden zum Beispiel Googles Mail-Dienst, aber auch Google News und Google Adwords.

Google war dadurch Vorreiter bei einer Vielzahl von Entwicklungen im Internet. Google brachte als erster einen Toolbar für Internet-Browser, Google erfand die Bildsuche, veröffentlichte Satellitenbilder der ganzen Erde ins Netz und stellte – bis dahin völlig unvorstellbar – ein Gigabyte Speicherplatz für Nutzer-E-Mails zur Verfügung. Die Konkurrenz musste grundsätzlich nachziehen.

Der Konzern verzichtete außerdem immer darauf, Geld von seinen Nutzern zu verlangen. Nicht nur die Internet-Dienste sind kostenlos, auch Software wie das Bildbearbeitungsprogramm Picasa, der Google Desktop und die Telefonie-Software Talk kosten nichts.

Zugang für alle mit Google

Google hat sich bis zu diesem Jahr auf das Unternehmensziel beschränkt, Informationen zu sammeln und zur Verfügung zu stellen. Zudem entwickelten die Programmierer in Mountain View grundsätzlich nur Internet-Anwendungen. Einzige Ausnahme war bislang das viel diskutierte Buchprojekt: Brin und Page lassen seit vergangenem Dezember etwa 15 Millionen Bücher in Bibliotheken einscannen, um sich so einen Traum zu erfüllen – weil sich beide bei einem ähnlichen Projekt an der Stanford Universität kennen gelernt haben.

Blick auf San Francisco mit Google Maps
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Nun zeigt sich aber, dass die Welt der reinen Internet-Anwendungen für die Programmierer in Mountain View nach dem Börsengang offenbar zu klein geworden ist. So testet Google seit einigen Wochen drahtlose Internet-Zugänge – in sehr geringem Umfang, lediglich in einer Pizzeria und einem Fitness-Studio wurde der Service zunächst angeboten. Am vergangenen Wochenende wurde schließlich bekannt, dass der Konzern die Stadt San Francisco im kommenden Jahr flächendeckend mit 300-KBit-Drahtlos-Internetzugängen (WLAN) versorgen will.

Google begibt sich damit auf ein völlig neues Geschäftsfeld und in direkte Konkurrenz zu den traditionellen Telefongesellschaften. Der Erfolg des Projekts ist schon vorhersagbar – weil der Konzern seine Dienste abermals kostenlos anbieten will. Experten gehen nach Aussagen einer Google-Sprecherin davon aus, dass die Zugänge über Werbung finanziert werden. Dank WLAN-Technik könnte Google Werbung bis auf wenige Meter eingegrenzt anzeigen, die neue Technik würde Online-Werbung um ein Vielfaches attraktiver machen. Deshalb könnte Google sehr schnell Geld mit dem Service verdienen. Die alte, utopische Forderung eines Zugangs für alle würde der Politik der künstlichen Verknappung durch die Telekoms ein schnelles Ende bereiten.

Google attackiert Microsoft

Auch das Quasimonopol des Software-Giganten Microsoft droht Google nun anzugreifen. Am Dienstag dieser Woche gab der Konzern bekannt, künftig mit Software-Hersteller Sun zusammenarbeiten zu wollen. Denn Sun entwickelt ein Produkt, das für Google äußerst interessant ist: Open Office. Die Programm ist die einzige Open-Source-Alternative zu Microsofts Word, Excel und Powerpoint.

Weil mit Open Office geschriebene Dokumente im Gegensatz zu Microsoft Office im Internet-Format XML gespeichert werden, lassen sich diese problemlos auch im Internet speichern, mit Hilfe eines Webbrowsers abrufen und wieder bearbeiten – wenn man das technische Know-How von Google hat.

Google kommt dabei die Erfahrung mit großen Datenmengen und der HTML-Technik «Ajax» zugute. Mittels «Ajax» lassen sich Eingaben in Webbrowsern verarbeiten und Ergebnisse anzeigen, ohne eine HTML-Seite vollständig neu laden zu müssen. Damit würde auch die Berarbeitung von Office-Dokumenten mittels Webbrowser wesentlich einfacher – und lokale Desktop-Anwendungen wie Microsoft Office möglicherweise überflüssig. So könnten langfristig viele Anwendungen, die heute auf dem Computer installiert sind, letztlich im Internet – auf Googles Servern – ausgeführt werden.

Gefährliche Informationsfülle

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Dennoch warnen Kritiker, schon jetzt sei auf den Google-Servern eine unglaubliche Fülle an Informationen gespeichert. Wer einen Account für Googles Mail, Adwords, Adsense oder eine persönliche Startseite besitzt, dessen Suchanfragen werden eigens abgespeichert.

E-Mails werden inzwischen dazu genutzt, passende Werbung einzublenden. Google weiß außerdem, welche Nachrichten und Blogs wir lesen und für welche Bücher wir uns interessieren. In Kalifornien wird außerdem gespeichert, welche Werbung uns angesprochen hat. Googles lapidare Replik auf diese Anwürfe lautet, man nutze gespeicherte Informationen nur, um Programme zu verbessern.

Wenn Google aber künftig auch noch drahtlose Internet-Zugänge anbietet und Nutzer ihre Dokumente auf seinen Servern abspeichern, ergibt sich ein Informationsmonopol, das weitaus umfassender ist als das Monopol, das Microsoft heute bei Betriebssystemen und Browsern besitzt. Datenschützer warnen, die Fülle der gespeicherten Informationen an einem Ort widerspreche nicht nur jedem Recht auf «Privacy», sondern sei darüber hinaus gefährlich, ganz egal, welche Intentionen Google habe. Vor allem für Dritte – Geheimdienste, Polizei, Kriminelle – sind Googles Datensammlungen interessant.

Kritik am Informationsmonopol

Der oberste Grundsatz der beiden Google-Gründer lautet: «Man kann Geld verdienen, ohne böse zu sein» – eine Anspielung auf Microsoft und dessen Auseinandersetzung mit der Open-Source-Gemeinde. Google begriff von Anfang an, das gerade im Netz bereits das Image über den Erfolg eines Unternehmens entscheidet.

Nun aber zeigen sich die amerikanischen Autoren wie die Europäische Union besorgt darüber, dass Google Bücher digitalisiert und somit die Kontrolle über das geistige Eigentum anderer ausübt.

Die Europäische Union beschloss im Sommer, Googles Buchprojekt eine eigene Initiative entgegen zu setzen, die die Digitalisierung der Bestände europäischer Bibliotheken zum Ziel hat. Die US-Autoren hingegen versuchen mit einer Sammelklage zu verhindern, dass ihre Bücher ohne Erlaubnis in Googles digitale Speicher aufgenommen werden. Wenn Informationen die eigentlichen Werte unserer Gesellschaft darstellen, dann ist Google heute vermutlich reicher als jedes andere Unternehmen.

 
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