NPD-Debatte:
Wer hat Schuld am braunen Mann?
Angriff ist die beste Verteidigung: Wenn die rechten Flügelspieler der Union, angeführt vom bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber, dieser Tage die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder für das Erstarken der NPD und anderer Neonazis verantwortlich machen, handeln sie erkennbar nach dieser seit alters in Krieg und Politik, Fußball und Partnerschaft bewährten Devise.
Der zu diesem Entlastungsangriff verwendete Vorwurf indes hat außer dem Überrumpelungseffekt nichts für sich. Zweifellos befindet sich die deutsche Wirtschaft, der deutsche Arbeitsmarkt und in der Folge die deutsche Gesellschaft in keiner guten Lage - und zwar nicht erst, seit neue Berechnungsmethoden das volle Ausmaß der Arbeitslosigkeit etwas redlicher zeichnen als zuvor.
Schlechte Umfrageergebnisse für die Regierung sind angesichts des Offenbarungseides von fünf Millionen Arbeitslosen beim besten Willen nicht anders zu erwarten; dass ohne die, offensichtlich nicht ausreichenden, für deutsche Verhältnisse aber vergleichsweise mutigen und entschlossenen Reformen der letzten Jahre vielleicht sechs oder sieben Millionen auf der Straße stünden, mag die Genossen ein wenig trösten und ihre Kritiker, die ja selbst bald in der Verantwortung stehen könnten, zur Vorsicht mahnen; entschuldigen kann es das offenbare Versagen der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik nicht.
Dass nicht wenige dieser Enttäuschten dann aber, statt die respektablen und politisch erfahrenen Parteien der bürgerlichen Opposition zu wählen, obskuren Wunderheilern und Volksverhetzern in jenen Sumpf folgen, in dem Deutschland schon einmal ersoff: Das kann nicht im Ernst der mangelnden Popularität der Regierung angekreidet werden, sondern der Unwählbarkeit der demokratischen Opposition.
Die PDS ist eine Altlast der Teilung und Einheit, deren Wählerpotential über kurz oder lang in den Volksparteien aufgehen wird, also durchaus nicht nur in der SPD. Wenn aber die politisch so ideenlosen wie indiskutablen, weder sittlich noch intellektuell satisfaktionsfähigen, Hetzer von NPD und DVU just in der Krise einer Mitte-Links-Regierung stark genug erscheinen, nach einigen Landtagen bald auch den deutschen Bundestag besudeln zu können und mit ihm die Würde des ganzen deutschen Volks - dann ist das nicht Schuld und Versagen der regierenden Linken, sondern der opponierenden Rechten.
Wenn sich die in ihren Worten zweifellos gegen die Verfassung gerichtete Grundhaltung dieser Parteien auch für ihre Taten gerichtsfest beweisen lässt, muss man sie in der Tat verbieten, wenn es aber diese Beweise noch nicht gibt, darf man es einstweilen keinesfalls noch einmal versuchen. Keine der Optionen aber entbindet von der demokratischen Pflicht, die Feinde der Demokratie politisch zu bekämpfen. Dazu gehört gewiss auch die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage durch die Regierung.
Dass er es mit Argumenten tut, die nicht nur empörte Demokraten sondern auch erfreute Nazis kaum anders denn als Rechtfertigung ihrer durch absolut nichts zu rechtfertigenden Haltung und Gesinnung empfinden müssen, ist mehr als bedauerlich.
