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Schwarzenegger: 

Die Politik des Terminators

30. Jul 2003 07:45
Schwarzenegger mit Frau Maria
In Kalifornien finden demnächst Neuwahlen statt. Arnold Schwarzenegger wird vermutlich nicht für den Gouverneursposten kandidieren, eine Vorstellung, mit der er lange gespielt hatte.

Von Ronald Düker

George Gorton ist Mitglied der republikanischen Partei Kaliforniens und berät Arnold Schwarzenegger in politischen Fragen. Momentan ist Gorton viel mit seinem Schützling unterwegs und macht dabei interessante Beobachtungen, zum Beispiel an Bodybuildern. «Sie sind Arnolds eifrigste Unterstützer. Wenn Arnold ein Gym betritt, kommen diese Kerle zu ihm und erzählen ihre Gechichten. Sie sagen Dinge wie: 'Ich war ein Schwächling von neunzig Pfund, aber dann las ich dein Buch, sah dein Video', oder was auch immer. Arnold ist für diese Leute Gott.» Gut möglich, dass die demokratische Partei angesichts solcher Zustände vorsichtshalber schon mal durchgerechnet hat, wie viele wahlberechtigte Bodybuilder zur Zeit in Kalifornien registriert sind.

Seitdem der so genannte «Recall» des demokratischen Gouverneurs Gray Davis nun beschlossene Sache ist – 1,3 Millionen Kalifornier haben sich vor kurzem in einer Absetzungspetition für vorgezogene Wahlen ausgesprochen – , dürften die Ängste der demokratischen Partei vor dem Muskelprotz aus der Steiermark konkrete Formen angenommen haben. Vom «Governator» und «Total Recall» ist in der kalifornischen Presse schon seit vielen Wochen die Rede, obwohl sich Arnold Schwarzenegger, der am heutigen Donnerstag 56 wurde, nie darauf festgelegt hatte, ob er tatsächlich als Kandidat für die Republikaner zur Verfügung stehen will.

Die Präsenz des Bodybuilders

Als Schwarzenegger vor kurzem amerikanische Soldaten in Irak besuchte, wurde aber deutlich, wie seine Rolle im kalifornischen Politikspiel aussehen könnte. In einer kurzen Rede wies er darauf hin, dass die Situation in Irak durchaus mit derjenigen im heimischen Kalifornien vergleichbar sei: hier wie dort herrsche ein Machtvakuum. Ein Loch also, das es zu füllen gilt. Wie dies zu geschehen habe, war in diesem Moment evident: Dieser gutgelaunte, braungebrannte und durchtrainierte Mittfünfziger zeichnet sich durch eine Präsenz aus, die ihn geradezu prädestiniert, das Vakuum zu füllen, das wegen schwächelnden Politikern entstanden ist. Die Präsenz bloßer Kraft, die auf nichts als die Macht zielt und dabei auf nichts referiert als sich selbst: Niemand könnte diesen Typus besser verkörpern als ein ehemaliger Bodybuilder, zu dessen jahrzehntelangem Training wesentlich die Selbstbeschau im Spiegel gehörte.

Schwarzenegger als Bodybuilder
Was sich hier abzeichnet, ist ein genereller Paradigmenwechsel, und er bedroht das Wesen des Politischen von innen. Anstelle des diskursiven Disputs, über den sich politische Konkurrenz in Demokratien von jeher strukturiert, tritt die Ikone, die das Symbolische selbst unterläuft: Sie steht für den direkten Angriff auf den imaginären Solarplexus des – freilich immer noch demokratisch legitimierenden – Wahlvolkes. Wählern wird so das Hören ab- und das Sehen antrainiert. Der Besttrainierte wird in dieser noch immer utopischen Gesellschaftsform den Bindegewebsschwachen stets das Nachsehen geben, und seien ihre Argumente noch so überzeugend.

Die wahren Terminators

Schwarzeneggers potenzielle politische Gegner scheinen sich dieser Ordnung bereits anzunähern. So träumt der Demokrat Bob Mulholland schon mal öffentlich davon, Schwarzenegger auf seinem ureigensten Gebiet in Bedrängnis gebracht zu sehen. Sollte dieser seine Ambitionen auf eine politische Karriere wahr werden lassen, so prophezeit Mulholland, würde er in Pressekonferenzen ganz schön zum Schwitzen gebracht werden. Allerdings nicht von Fitnessgeräten, sondern von den gemeinen Fragen bösartiger Journalisten. Man möchte dem Demokraten entgegnen: Am geölten Körper des ehemaligen Bodybuilders werden Argumente womöglich zum Abschmieren verurteilt zu sein.

Terminator 2
Wenn die Identifikation des Akteurs mit seinem Körper auf der Ebene der Politik bereits bedenklich erscheint, so mutet sie auf dem Feld des Militärischen schlicht gefährlich an. Zumindest wenn man zu Ende denkt, was Schwarzenegger den amerikanischen Soldaten in Irak bei seiner Visite auf den Weg gab: Sie, die GIs, seien die «wahren Terminators», ließ der Terminator-Mime verlauten. Soldaten aber, die nach diesem Modell funktionieren, können nichts anderes sein als Kampfmaschinen, denn der Terminator, daran hat sich von Teil eins bis drei nichts geändert, ist ein Cyborg, der stets tut, worauf er programmiert ist.

Cyborg im Dilemma

Auch das Umschalten von Gut auf Böse ist ihm programmatisch mitgegeben: Wenn der Terminator im ersten Teil noch als Mordmaschine auftritt, geschickt von den Robotern der Zukunft, um Sarah Connor, die künftige Mutter des messianischen Menschheitsretters John Connor, zu töten, kämpft er im zweiten Teil genau auf der anderen Seite. Im dritten Teil kommt dieser Mechanismus, der nach Art eines Kippschalters nur zwischen «save» und «destroy» zu unterscheiden vermag, auf den Punkt. Nachdem sein menschenfeindlicher Gegenspieler T-X manipulierend in die Software des Terminators eingegriffen hat, schwankt er nach Art eines menschlich-moralischen Dilemmas, ob er John Connor nun töten oder ihn retten soll.

Würde aber der soldatische Körper nach Art des Terminators maschinisiert und der Spielraum soldatischen Handelns unter Verzicht auf menschliches Differenzierungsvermögen auf binäre Oppositionen verengt, ergäbe sich Gruseliges. Dann gälte nämlich für Soldaten das, was der Philosoph Peter Sloterdijk im Blick auf die Feuerkraft des «Terminator 2» als den analen Charakter der «fleischüberzogenen Blechplastik» beschrieben hat: «Noch gleicht sein Äußeres dem historischen Mann, sein Konstruktionsprogramm aber hat die Ebene der Überlegenheit über die menschliche Kondition erreicht: Nie wieder Mensch heißt die Maxime seines Handelns. Wäre der Cyborg noch von psychologischen Charakterisierungen zu betreffen, so müsste man ihn als einen präödipal fixierten Typus darstellen. Bei ihm, so würde das Gutachten sagen, dominiert ein analer Dualismus, der im Objektbezug nur die Alternative Gottheit und Scheiße kennt – dies alles, wie üblich, aufsitzend auf einem malignen narzisstischen Syndrom.»

Der HumVee, die Fahne, der Mann

Arnold für die Kinder

Arnold Schwarzenegger, der in Filmen wie «City Hai», «Commando» oder «Predator» bereits Soldaten gespielt und die Unerbittlichkeit der Befehlsketten von Task-Forces demonstriert hat, hat auch im Privaten ein Faible fürs Militärische, und zwar nicht erst seit seinem jüngsten Besuch in Irak. Als erstem Privatmann war es ihm bereits in den Neunzigerjahren gelungen, einen «HumVee» zu kaufen, der zunächst nur zum militärischen Gebrauch freigegeben war. Dieser Geländejeep diente im ersten Golfkrieg unter anderem als Kommandofahrzeug von General Norman A. Schwarzkopf. Schwarzenegger ließ den sandfarbenen Camouflageanstrich schwarz überlackieren und taufte den Wagen folgerichtig auf den Namen «Terminator». Heute unterhält der Schauspieler einen ganzen Fuhrpark dieser Wagen.

Die Tatsache, dass Schwarzenegger als ernsthafte Option für den nun disponiblen Posten des Gouverneurs erscheint, sagt einiges über das Politikverständnis in den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Fairness halber sollte man in diesem Zusammenhang allerdings erwähnen, dass es auch ein genuin politisches Projekt gibt, das Schwarzenegger immer wieder zur Sprache bringt: Schulbetreuungsprogramme am Nachmittag. Schwarzenegger glaubt, dass eine intensivere Betreuung der Kinder die Drogen- und Kriminalitätsrate sinken lässt. Das sei nicht nur menschenfreundlich, sondern auch finanzpolitisch sinnvoll. Schulprogramme am Nachmittag kosten den Steuerzahler 7,50 Dollar pro Kind und Tag, sagt er, ein Tag Gefängnis hingegen 1.000 Dollar. Nun heißt es, Schwarzenegger werde wahrscheinlich nicht kandidieren, den eigenen Kindern zuliebe. Sie sind zwischen fünf und vierzehn Jahre alt.

 
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