Gen & Mensch: Kurzmeldungen
13.11.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Medikament Ritalin umstritten +++ Nervenzellen aus reifen Knochenmark-Stammzellen
Das Medikament Ritalin, das hyperaktiven Kindern mit Konzentrationsstörungen verschrieben wird, ist umstritten: Es hilft den Patienten trotz Überaktivität, ihren Alltag normal zu meistern, wird aber von Forschern um Joan Brazier von der University of Buffalo bei der längerfristigen Einnahme als schädlich für das Gehirn eingestuft, meldet die Online-Ausgabe der BBC-News.
Wie Brazier auf einem Kongress der Society of Neuroscience berichtet, zeigten Ratten, denen eine hohe Ritalin-Dosis von zwanzig Miligramm pro Kilo Körpergewicht verabreicht wurde, eine erhöhte Aktivität des
c-fos-Gens in den Nervenzellen. Derartige Effekte werden mit der Abhängigkeit von Drogen wie Amphetaminen oder Kokainin Verbindung gebracht. Peter Cosgrove, praktischer Arzt, kritisiert der BBC-Meldung zufolge die in der Studie viel zu hohe Ritalin-Dosis, die etwa über dem dreißigfachen des normalerweise an Kinder Verabreichten liegt und verweist auf die positiven Langzeit-Entwicklungen der überaktiven Patienten: Verbesserung der Konzentration, der sozialen Kontakte und der Selbstachtung.
Eine vollständige Entwicklung zu Hirnzellen aus reifen Knochenmark-Stammzellen ist unter Zugabe einer speziellen Mischung von Wachstumsfaktoren und Nährstoffen möglich. Das konnten Entwicklungsbiologen um Lorraine Iacovitti von der University in Philadelphia in Laborversuchen erstmals zeigen.
Die ausgereiften Zellen sehen aus wie Nervenzellen und beinhalten typische Proteine wie Serotonin oder GABA-Enzyme. Wie die Forscher auf einem Kongress der Society for Neuroscience in San Diego berichten, stehen sie noch am Anfang der Forschung, wollen aber künftig neurodegenerative Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit mit Hilfe dieser Stammzellen heilen. Der nächste Schritt ist, so genannte Dopamin-Nervenzellen zu generieren, die die bei Parkinson zerstörten Zellen ersetzen sollen. Mit dem Einsatz von körpereigenen Stammzellen wäre zudem jeder Patient sein eigener Spender.