Kuriose Brauchtümer: 

netzeitung.deErster «schwuler Maibaum» in Bayern entführt

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Schon das Aufstellen ist eine Wissenschaft für sich (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Schon das Aufstellen ist eine Wissenschaft für sich
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Er sollte ein Symbol sein für ein tolerantes Denken - der Integrations-Maibaum. Jetzt wurde er geklaut. Die Diebe bekannten: Sie mussten schnell sein, denn «auch die CSU war scharf auf den Baum.» Mit Video

Ein Maibaum im Ort gehört in Bayern zum festen Brauchtums-Repertoire – doch wenn auf den Maibaumtafeln eine Frau abgebildet ist, die eine Frau küsst, und ein Mann, der einen Mann küsst, handelt es sich freilich um keinen traditionellen Maibaum: Am 1. Mai wird auf dem Münchner Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz der nach Veranstalterangaben erste «schwule Maibaum» aufgestellt.

Mit Tanz in den Mai, Kür einer Maikönigin und Freibier. Wobei Uwe Hagenberg, Vorsitzender des schwulen Kommunikations- und Kulturzentrums München (sub), lieber vom «Integrations-Maibaum» spricht: «Er steht für das Zusammenleben der Menschen unabhängig von Hautfarbe, Religion, Einkommen und sexueller Orientierung.»

20 Minuten unbeaufsichtigt
Die lebendige schwul-lesbische Szene im Glockenbachviertel in der Landeshauptstadt ist bundesweit bekannt, deshalb gelten die Motive der ersten Quersprossen am Baum den Schwulen und Lesben. In den kommenden Jahren sollen aber andere Gruppierungen und Organisationen des Viertels die Quersprossen des Maibaums mit Motiven erweitern und so das Leben im Viertel illustrieren. Diese Variante des Maibaums hat wohl auch, so vermuten die sub-Verantwortlichen, Bedenken im Viertel gegen den «schwulen Maibaum» gemildert.

Doch was wäre die bayerische Maibaumtradition ohne den Maibaumklau? Und tatsächlich musste sub als veranstaltender Verein um sein Maibaumfest fürchten: Der Burschenverein Ismaning entführte den im Taufkirchener Forst geschlagenen Fichtenstamm. Wie Robert C. Rore, der die Tafeln am Baum mitgestaltete, berichtet, hat er den Baum nur kurz in den Hof seines Ateliers gestellt. 20 Minuten habe er den Baum unbeaufsichtigt gelassen, um Mittagspause zu machen - und prompt haben die Ismaninger Burschen zugeschlagen: «Ich bin dann raus und habe gesehen: Der Baum ist weg.»

CSU war auch scharf auf den Baum
Zweieinhalb Wochen haben die jungen Männer aus Ismaning Rores Maleratelier beobachtet, «als der Baum dann vor der Tür stand, war das unsere Chance», erzählt Gregor Mülbl, Vorsitzender des Burschenvereins. «Innerhalb kürzester Zeit schlug unser Späher Alarm, und wir haben 15 Jungs zusammengetrommelt. Schließlich war die CSU ja auch scharf auf den Baum.» Die Christsozialen im Viertel hatten vollmundig angekündigt, den schon jetzt berühmten Maibaum stehlen zu wollen. Doch die Burschen aus der Umlandgemeinde waren schneller.

Hagenberg nimmt den Maibaumdiebstahl mit Humor: «Warum sollte es uns da anders gehen als anderen in Bayern?» Er freut sich auf die «große Gaudi», wenn der Burschenverein den Maibaum am 1. Mai wieder zurück in die Stadt bringt - die Ismaninger verlangen dafür als Auslöse allerdings Bier und Brotzeit für 40 Burschen. Am Donnerstagvormittag wollen sie den Baum zum Karl-Heinrich-Ulrichs- Platz transportieren, wo dann - ganz der Tradition entsprechend - die offiziellen Übergabeverhandlungen geführt werden. Den Maifest- Organisatoren im Glockenbachviertel will man dann sogar beim Aufstellen des Baumes helfen, sagt Mülbl schmunzelnd: «Schließlich haben wir da mehr Erfahrung.» (Kathrin Zeilmann, dpa)

Brauchtum Maibaum