29. Apr 2008 07:35
«Das sprengt alle Dimensionen» hat die Polizei den Inzest-Fall vor internationalen Medien zusammengefasst, bei dem inzwischen weitere Details des Geständnisses publik wurden.
Der Sicherheitsdirektor der Polizei von Niederösterreich, Franz Prucher, sagte am Montag vor der internationalen Presse in der Kleinstadt Amstetten, der erst am Sonntag bekanntgewordene Fall «sprengt alle Dimensionen». Der 73-Jährige Josef F., der am Montagnachmittag einem Haftrichter in der Landeshauptstadt St. Pölten vorgeführt wurde, muss nach Medienberichten mit einer Anklage wegen wiederholter Vergewaltigung, jahrelanger Freiheitsberaubung, sexuellen Missbrauchs bis hin zum Mord rechnen. Das Ergebnis einer DNS-Analyse dürfte schon in Kürze vorliegen und alle Zweifel an einer Vaterschaft des Mannes beseitigen. Die Polizei beschrieb Josef F. als einen Mann, der herrisch, autoritär und bestimmend auftrat. Die Frau des 73-Jährigen sowie andere Familienmitglieder sagten aus, sie hätten von den unglaublichen Vorgängen im Kellerverlies nichts mitbekommen.
Elisabeth F. und fünf ihrer Kinder sind seit Samstagabend in der Obhut von Psychologen. Der Zustand der 19-jährigen Tochter Kerstin, die vor über einer Woche bewusstlos in das Krankenhaus von Amstetten gebracht worden war und damit das Ende des Martyriums für ihre Familie einleitete, wurde am Montag von den Ärzten als ernst, aber stabil bezeichnet. In der Nähe der Klinik war der 73-Jährige Josef F. am Samstagabend in Begleitung von Kerstins Mutter festgenommen worden.Inzwischen veröffentlichte die Polizei Fotos des Keller- Gefängnisses, in dem Elisabeth seit 1984 gefangen war. Nach Einschätzung der Behörden hatte sie keine Chance zur Flucht. Sie lebte dort mit drei ihrer Kinder, der heute 19 Jahre alten Kerstin, Stefan (18) und Felix (5). Diese Kinder lebten seit ihrer Geburt ohne Tageslicht in dem Verlies. Die drei anderen Kinder, Lisa (15), Monika (14) und Alexander (13) wohnten im Haus bei ihrem «Großvater», der sie unter Täuschung der Behörden adoptierte oder als Pflegekinder annahm. Vor allem die sechs Kinder werden nach Einschätzung von Psychoanalytikern eine lange therapeutische Behandlung benötigen. (dpa)