Inzest-Drama in Österreich:
Gefangene hatten keine Chance zur Flucht
28. Apr 2008 19:24
 |  Nach Einschätzung von Franz Polzer (rechts) hatten die Gefangenen keine Chance | Foto: AP |
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Um seinen Opfern jede Möglichkeit zur Flucht zu nehmen, verriegelte Josef F. die Tür zum Verlies stets elektronisch. Dies und andere Details hat der Täter von Amstetten inzwischen den Ermittlern gestanden.
Die Betroffenen im österreichischen Inzest-Skandal hatten keine Chance: Der Tatverdächtige Josef F. habe seinen Gefangenen mitgeteilt, dass sie alle niemals wieder hinauskämen, wenn ihm etwas zustoßen sollte, sagte Franz Polzer, Polizeichef von Niederösterreich, am Montag auf einer Pressekonferenz.
Man müsse sich vorstellen, so Polzer, dass die Kinder, die ja kein anderes Leben kannten, den mittlerweile geständigen Täter gewissermaßen als Vater und damit als Autorität gesehen haben dürften. Ob ein Stockholm-Syndrom vorliege, also eine Fraternisierung der Opfer mit dem Täter, müssten Psychiater beantworten. Der Tatverdächtige habe immer die Fernsteuerung der mit einem Code elektronisch gesicherten Tür mitgenommen, wenn er unterwegs war.
Keine Hinweise auf weitere Missbrauchsfälle
Offenbar habe sich der 73-Jährige auf diese eine Tochter seiner insgesamt sieben Kinder beschränkt, sagte Polzer weiter. Es gebe keine Hinweise auf Missbrauch der ebenfalls erwachsenen Geschwister von Elisabeth F. Ob der Festgenommene Reue über seine Tat empfinde, sei nicht Gegenstand der Vernehmung gewesen. Er sei auch von den befragenden Kriminalisten nicht angehalten worden, sein Vorgehen zu rechtfertigen - dafür werde der 73-Jährige Gelegenheit bei der Justiz haben.
Als Elisabeth F. 1984 in den Keller gezerrt worden war, hatte sie laut Polzer zunächst einen Raum mit Sanitäreinrichtung zur Verfügung, der bereits im Grundriss des in den Sechzigerjahren errichteten Hauses enthalten gewesen sein dürfte. Im Lauf der Zeit dürften Durchbrüche und Anbauten - teilweise unter dem Garten gelegen - erfolgt sein. Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze verwies auf eine Aussage von Bürgermeister Herbert Katzengruber, wonach die Baugenehmigung überprüft würde. Untersucht wurden laut Polzer auch weitere Liegenschaften des Verdächtigen, wo es jedoch nichts Auffälliges gab.
Fünfjähriges Kind «heiter»
Zur Rolle der Behörden im Zusammenhang mit den von den Großeltern betreuten Kindern sagte Lenze laut APA, die Liste der persönlichen Kontakte der Sozialarbeiterinnen sei lang. Die Begegnungen mit der Großmutter, die sich rührend um die Kinder gekümmert habe, seien dokumentiert. Die Kinder würden einen guten Bildungsstand aufweisen, seien in ihren Schulen integriert, würden Musikinstrumente lernen und seien unter anderem auch bei der Feuerwehr aktiv. Auch an der Adoption sei nichts zu kritisieren, betonte Lenze.
Den Fünfjährigen, der im Keller aufgewachsen war, erlebte Lenze am Montag bei einem Besuch in der Landesnervenklinik nach eigenen Worten «heiter». Er habe sich über die erste Autofahrt seines Lebens gefreut. (AP)