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Gleich auf Rettung hinweisen: 

Wie Kindern den Inzest-Skandal erklären?

28. Apr 2008 18:32
Der schreckliche Inzest-Fall in Amstetten macht selbst Erwachsene rat- und fassungslos. Welche Wirkung mögen die Nachrichten dann aber auf ein Kind haben, das von dem Martyrium der Opfer in dem Kellerverlies erfährt? Wie sollen Eltern ihren Kindern am besten erklären, was geschehen ist?

«Zunächst einmal muss man unterscheiden, wie alt das Kind ist, mit dem man spricht», rät Isabella Heuser, Psychiaterin von der Charite in Berlin. Sie unterteilt zwei Altersgruppen: Die erste reicht von etwa vier bis acht, die zweite Gruppe umfasst dann das vorpubertäre Alter von rund neun Jahren aufwärts. Stelle ein Kind aus der ersten Altersgruppe eine Frage zu dem Fall, dann solle man ihm erklären, dass «da jemand wirklich ganz böse gewesen ist».

Wichtig sei aber gleich die Verknüpfung, dass die eingesperrten Jungen und Mädchen, für die sich die Kinder am meisten interessieren dürften, gerettet wurden, dass sie jetzt frei sind und «dass sich nun ganz viele Leute um sie kümmern», rät die Professorin.

Für Eltern führt nach Ansicht der Psychiaterin kein Weg daran vorbei, ihren Kindern erklären zu müssen, dass es böse Menschen gibt. Wichtig ist der Hinweis, dass diese aber «ganz, ganz selten sind», wie Heuser sagt. Weitere und darüber hinausgehende Fragen und Diskussionen sollten aber beendet werden, damit die Verängstigung der Kinder nicht wachse, rät sie.

Hinweis wichtig, dass Kinder nicht passive Opfer waren

Die Kinder aus der zweiten Altersgruppe, die Zusammenhänge schon besser begreifen, werden nach Heusers Einschätzung vermutlich komplexere Fragen stellen, beispielsweise: «Warum haben die Kinder nichts gemacht?», oder «Was hat die Mutter getan?». Eine mögliche Antwort könnte nach Rat der Expertin etwa lauten: «Bestimmt haben die Kinder versucht, etwas zu unternehmen. Wir wissen aber noch nicht alles von dem Fall.»

Auch bei den Älteren ist nach Ansicht der Psychiaterin der Hinweis wichtig, dass die Kinder jetzt frei sind. Hinzu kommt die Betonung, dass die Kinder nicht nur passive Opfer gewesen sind, sondern vermutlich auch aktiv versucht haben, aus ihrer Not herauszufinden. Sind die Kinder noch älter, dürften auch Fragen nach dem Inzest laut werden. Hier sei es für Eltern ratsam, im Gespräch mit ihren Kindern zu versuchen, das Thema auf eine medizinisch-nüchterne Ebene zu bringen, da moralische Verteufelungen von den Heranwachsenden meist nicht verstanden würden, erklärt Heuser.

«Von der Natur nicht so eingerichtet»

Man sollte den Kindern klar machen, dass es «von der Natur nicht so eingerichtet ist», dass Eltern mit ihren Kindern Nachwuchs haben. Dann sollte der Hinweis erfolgen, dass dies in fast allen Kulturen verboten sei, weil bei einem Fall von Inzest die Kinder, falls ein schlechtes Gen vorhanden sei, krank würden. Reinhardt Tausch, Professor für pädagogische und klinische Psychologie, vertritt die Ansicht, Eltern könnten ihren Kindern gar nicht erklären, was da in Österreich überhaupt passiert sei. Am besten sei es, schlicht darzustellen, was vorgefunden worden sei. «Und dann sollte man den Kindern sagen, dass so etwas ganz selten ist», betont Tausch. (Michael Bauer, AP)

 
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