Inzest-Verbrechen in Österreich:
Tatverdächtiger legt Geständnis ab
28. Apr 2008 11:29, ergänzt 18:32
 |  Der Tatverdächtige Josef F. nach seiner Verhaftung | Foto: AP |
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Der Mann, der in Niederösterreich ein unfassbares Inzest-Verbrechen begangen haben soll, hat seine Taten gestanden. Unterdessen werden immer mehr Einzelheiten über den Fall bekannt.
Der Familienvater aus Österreich, der seine Tochter jahrzehntelang versteckt und missbraucht haben soll, hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. «Er ist im Wesentlichen geständig, schwächt aber in Details ab», sagt Chefinspektor Leopold Etz vom Landeskriminalamt Niederösterreich. Josef F. aus der niederösterreichischen Stadt Amstetten habe zugegeben, dass er seine Tochter und später auch drei ihrer Kinder in einem Verlies in seinem Wohnhaus eingesperrt habe. Eines der durch den Missbrauch gezeugten sieben Kinder sei gestorben. Er habe die Leiche des Babys im Heizkessel des Hauses verbrannt.
Die Behörden gehen nach bisherigem Erkenntnisstand davon aus, dass die Mutter des Inzest-Opfers Elisabeth F. nichts vom Martyrium ihrer Tochter gewusst hat. Rosemarie F. habe offensichtlich keine Ahnung gehabt, was vor sich gehe, sagte der Amstettener Bezirkshauptmann Hans Lenze am Montag. Für die Frau des 73-jährigen Tatverdächtigen sei eine Welt zusammengebrochen.
Die österreichische Kriminalpolizei setzte am Montag ihre Ermittlungen fort. Im Laufe des Tages soll der Mann vor einen Haftrichter kommen und in das Untersuchungsgefängnis der Landeshauptstadt St. Pölten gebracht werden. DNS-Proben sollen in Kürze Aufschluss darüber geben, ob Josef F. der Vater der Kinder seiner Tochter ist.
Räume nur 1,70m hoch
Wie Polizeisprecher mitteilten, werden Ermittler jetzt die Räume des sogenannten Verlieses im Keller des Hauses von F. untersuchen. Bei der Spurensicherung könnten wegen der engen räumlichen Verhältnisse nicht allzu viele Beamte eingesetzt werden. Das Verlies sei zwischen 50 und 60 Quadratmetern groß, keiner der schmalen Kellerräume sei höher als 1,70 Meter.
 |  Das Bad im Kellerverlies | Foto: dpa |
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Es gebe drei Räume, eventuell auch einen weiteren kleinen Vorraum. Das Gefängnis sei wie eine Wohnung eingerichtet gewesen. In den hermetisch von der Außenwelt abgeschotteten Räumen habe es sanitäre Einrichtungen, Schlafstätten, einen Fernseher und eine Kochnische gegeben. Es sei sogar eine Gummizelle gefunden worden. Das Verlies war am Sonntagabend geöffnet worden, nachdem der mutmaßliche Täter Beamten den Code für das von ihm eingebaute elektronische Sicherheitssystem genannt hatte.
Viele offene Fragen
Nach bisherigen Erkenntnissen hat Josef F., ein ehemaliger Elektrotechniker, seine eigene Tochter 24 Jahre lang als Gefangene versteckt, immer wieder missbraucht und sieben Kinder mit ihr gezeugt. Nach Angaben der Ermittler hat er die heute 42 Jahre alte Elisabeth seit August 1984 in einem Verlies eingesperrt und regelmäßig missbraucht. Drei der Kinder mussten mit ihrer Mutter in Gefangenschaft leben. Offiziell hatte der Mann seine Tochter als vermisst gemeldet. Die Polizei sagte, es gebe in dem Fall nach wie vor eine breite Palette an offenen Fragen». So sei völlig unklar, wie der 73-jährige Josef F. die Versorgung seiner Tochter und der Kinder bewerkstelligte. In dem Verlies hätten Hausgeburten stattgefunden, Säuglinge hätten betreut werden müssen.
Perfektes Doppelleben
Von den sieben Kindern, die Elisabeth F. zur Welt brachte, starb eins nach der Geburt. Drei der Kinder blieben mit der Mutter bis zu 19 Jahre lang eingesperrt, nicht behördlich gemeldet und gingen nicht zur Schule. Die drei anderen lebten bei Josef F. und seiner Frau, die von alledem nichts mitbekommen haben will. Ihr Mann führte nach Einschätzung offizieller Stellen ein perfektes Doppelleben. Josef F. hatte in den vergangenen Jahrzehnten Polizei und Öffentlichkeit immer wieder mit Erzählungen getäuscht, seine Tochter sei «abgängig» und lebe vermutlich bei einer Sekte.
 |  | Foto: dpa |
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Die Polizei kam Josef F. erst auf die Spur, als die 19 Jahre alte Tochter von Elisabeth F., die seit ihrer Geburt mit ihr in dem Verlies lebte, vor einer Woche bewusstlos im Haus ihres «Großvaters» gefunden wurde. Sie war bis dahin nach Angaben der Polizei zusammen mit ihren inzwischen 5 und 18 Jahre alten Brüdern und der Mutter ununterbrochen eingesperrt gewesen. Am Samstagabend wurde der 73-Jährige dann zusammen mit seiner Tochter in der Umgebung des Krankenhauses von Amstetten gefasst, in dem die 19-jährige Kerstin F. mit dem Tode ringt.
Im Verlies seit 1984
Am Sonntagabend gelang es der Polizei, das durch eine elektrisch gesicherte Stahlbetontür verschlossene Verlies zu öffnen, das der mutmaßliche Täter im Keller seines Hauses für die Tochter und ihre Kinder angelegt hatte. Die 42-Jährige und drei Kinder mussten in den sehr engen und niedrigen Räumen viele Jahre lang ohne Tageslicht leben. Josef F. hatte der Polizei den Code für die mehrfache Sicherung des Gefängnisses kurz zuvor verraten.
Wie Elisabeth F. nach dem Zugriff der Polizei angab, hatte ihr Vater sie seit ihrem elften Lebensjahr immer wieder missbraucht. Am 24. August 1984 habe er sie in den Keller gelockt, gefesselt und eingesperrt. Wenig später wurde sie von Josef F. bei der Polizei als «vermisst» gemeldet. In den folgenden Jahren erlitt die junge Frau ein nur schwer vorstellbares Martyrium. Sie wurde «laufend von ihrem Vater missbraucht», berichtete Polizeichef Franz Polzer. In der Öffentlichkeit erklärte Josef F. die Anwesenheit von drei kleinen Kindern in seinem Haushalt damit, dass seine angeblich «vermisste» Tochter ihm von 1993 bis 2002 die Babys «vor die Haustür gelegt» habe. Tatsächlich hatte er sie selbst aus dem Verlies geholt und «an Kindes statt» angenommen. Die Behörden hatten keine Einwände.
Ihre Haare sind «schlohweiß»
Nach Angaben der Polizei machte Elisabeth F. nach ihrer Befreiung einen äußerst verstörten psychischen Eindruck und sei nach 24 Jahren in dem Verlies auch in äußerst schlechter körperlicher Verfassung. Ihre Haare seien bereits «schlohweiß», sagte der Bezirksvorsteher von Amstetten, Heinz Lenze, am Sonntagabend im ORF-Fernsehen. Erst nach einem längeren Gespräch und der Zusicherung, dass es zu keinem Kontakt mit dem Vater mehr kommen und auch für ihre Kinder gesorgt werde, war sie zu einer umfassenden Aussage bereit. Elisabeth F. beschuldigt ihren Vater «massiver Verbrechen». Insgesamt brachte sie nach eigener Aussage während ihrer Gefangenschaft sieben Kinder zur Welt, von denen eines wegen mangelnder Versorgung einige Tage nach der Geburt gestorben sei. Während der Gefangenschaft sollen sie und die drei bei ihr lebenden Kinder ausschließlich von Josef F. mit Essen und Kleidung versorgt worden sein. Elisabeths Mutter, Rosemarie F. (69), behauptet, sie habe von der Gefangenschaft in nächster Nähe nichts gewusst. «Sie hat es als gegeben hingenommen», sagte Polizeichef Polzer.
Während ihre älteste Tochter offenbar mit einer Inzest-bedingten schweren Erbkrankheit in der Klinik liegt, werden die anderen Kinder von einem Kriseninterventionsteam betreut. Sie würden Tag und Nacht von der Polizei bewacht, um ihre Privatspähre zu schützen. Innenminister Günter Platter rief die Medien auf, Rücksicht auf die Familie zu nehmen, «damit die Opfer nicht erneut zu Opfern werden». (dpa/AP)