Uno arbeitet an Resolution: 

netzeitung.deMit Piraterie lässt sich viel Geld verdienen

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Die Seeräuber am Horn von Afrika haben Hochkonjunktur. In den ärmsten Ländern gibt es immer mehr Piratenangriffe. Deshalb haben sich jetzt die Vereinten Nationen eingeschaltet. Mit Video

Im verarmten und krisengeschüttelten Somalia gibt es eine hochlukrativen Beschäftigung: Piraterie. Immer mehr moderne Seeräuber bringen im Golf von Aden Schiffe in ihre Gewalt und fordern Lösegeld. Siyad ist einer von ihnen: «Unsere Motivation ist Geld. Wir haben nicht vor, den Geiseln etwas anzutun.» Das sei ein Geschäft wie jedes andere, meint der Pirat, der seinen vollen Namen nicht nennen wollte. «Wir willigen nie ein, die Geiseln freizulassen, bevor das Lösegeld bezahlt ist.»

Doch die spektakulären Entführungen und Angriffe auf westliche Schiffe haben die internationale Gemeinschaft wachgerüttelt: Bei den Vereinten Nationen in New York wird fieberhaft an einer Resolution gearbeitet, die Siyad und seinen Kollegen den Spaß am Piratendasein verderben soll. Frankreich und die USA bemühen sich um das Einverständnis des Sicherheitsrats, dass die Besatzung von Schiffen, zum Beispiel der USA oder Deutschlands, Piraten auch in den Hoheitsgewässern Somalias verfolgen darf - bis hin aufs Festland.

Die von Krieg und Instabilität geschwächte Regierung in Mogadischu hat bereits ihre Zustimmung zu einer solchen Verletzung der eigenen staatlichen Souveränität signalisiert. «Diese Truppen können könnten auch an Land gehen, wenn nötig», sagte ein Regierungssprecher.

Doch die Piraten geben sich furchtlos: «Wir haben keine Angst vor US-Truppen oder irgendwelchen anderen Streitkräften. Wieso sollten wir Angst haben», fragte Siyad. «Sie haben Waffen - wir auch. Aber wir haben die menschlichen Schutzschilde.» Die Piraten verfügen zumeist über eine militärische Ausbildung. Sie fahren mit Schnellbooten weit auf See hinaus, nutzen Satellitentelefone, GPS-Systeme und automatische Waffen, Panzerabwehrraketen und Granaten, wie die UN-Beobachtergruppe für Somalia erklärte.

Somalia wird seit 1991 von Chaos, Krieg und Warlords beherrscht, die Waffen sind leicht zu bekommen. Die Gewässer vor der mehr als 3.000 Kilometer langen Küste, der längsten Afrikas, gelten als eine der gefährlichsten Meeresregionen weltweit. Das Land am Horn von Afrika liegt zudem an wichtigen internationalen Schiffsrouten, die das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbinden.

Im April wurde eine französische Luxus-Yacht gekapert, vergangene Woche ein japanischer Tanker beschossen. Und ein spanischer Fischtrawler, die «Playa de Bakio», befand sich am Donnerstag immer noch in der Gewalt von Piraten. Piraterie ist weltweit auf dem Vormarsch, wie das International Maritime Bureau (IMB) erklärte. Allein von Januar bis März sei die Zahl der Angriffe auf Hoher See auf 49 gestiegen - 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Küste vor Nigeria ist demnach am gefährlichsten, an zweiter Stelle folgen Indien und Somalia.

Der Chef der IMB-Pirateriezentrums in Kuala Lumpur, Noel Choong, sieht den starken Anstieg durch wirtschaftliche Beweggründe motiviert. «Man entführt ein Schiff und am Ende des Tages bekommt man ein Lösegeld.» Die Piraten besetzen die Schiffe, manchmal stehlen sie auch Teile der Ladung, in erster Linie geht es ihnen aber um das Lösegeld. Die Geiseln werden meist gut behandelt.

Die Lösegeldzahlung wird von Reedereien und Regierungen nur ungern zugegeben, zuletzt ging es aber um Millionenbeträge. Bei der Entführung der französischen Yacht zahlte der Schiffsinhaber Berichten zufolge zwei Millionen Dollar (1,25 Millionen Euro). Bei der Befreiung des französischen Dreimasters und eines arabischen Frachters in dieser Woche wurde niemand verletzt. Doch wenn die Piraten aufrüsten, könnten Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Piraten seien keine Menschen mit Holzbeinen und Augenklappen, sondern knallharte Burschen mit automatischen Waffen und Schnellbooten, warnte der deutsche Fregattenkapitän Michael Giss. Sein Schiff, die «Emden», war am Montag im Golf von Aden einem japanischen Tanker zur Hilfe geeilt. Inzwischen fordert auch Spanien eine Überwachung der Gewässer durch westliche Streitkräfte. «Die internationale Gemeinschaft muss die Sicherheit aller, die in diesem Gebiet segeln oder fischen, gewährleisten», forderte Außenminister Miguel Angel Moratinos.

Somalia ist eines der ärmsten Länder der Welt, Perspektiven gibt es kaum. Siyad sagte, er hätte entweder mit einem Boot außer Landes fliehen können oder eben Pirat werden. Seit vergangenem Jahr hat er nach eigenen Angaben bereits 35.000 Dollar (22.000 Euro) verdient.

Auch Abdi Muse hat das lukrative Geschäft gelockt. Der 38-Jährige hat sich vom Erlös seiner Raubzüge zwei Jeeps und ein Haus gekauft, auch zwei Frauen hat er dank des Geldes heiraten können, wie er sagt. «Ich habe allen Leuten, die ich getroffen habe, Geld gegeben.» 90.000 Dollar (56.000 Euro) habe er innerhalb kurzer Zeit verdient. Doch nach zwei Monaten Euphorie war er abgebrannt. «Ich musste das Haus und die Autos verkaufen und mich von meinen Frauen scheiden lassen.» Er hat einen Job angenommen und den Raubzügen abgeschworen. «Ich habe damit aufgehört, nachdem ich mir gedacht habe, dass es unserer islamischen und somalischen Kultur schadet.» (Elizabeth Kennedy, AP)

Die somalische Armee befreit ein entführtes Schiff