11.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Aktion in der Berliner Kochstraße
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
An dem Ort in Berlin, wo ein Münchner Anstreicher den Studentenführer Dutschke mit Schüssen niedergestreckt hatte, trafen sich Menschen zum Gedenken. In Kreuzberg wurde aus der Erinnerung neuer Protest.
Mit den Worten «Rudi, der Kampf geht weiter - Auf der Straße und im Parlament!» hat der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Hans-Christian Ströbele, am Freitag in Berlin an das Attentat auf Rudi Dutschke erinnert. Zum 40. Jahrestag hatten sich am Kurfürstendamm, wo der damalige Studentenführer am 11. April 1968 von dem Attentäter Josef Bachmann niedergeschossen und schwer verletzt worden war, mehrere hundert Menschen versammelt. An der Gedenktafel waren Kränze und Blumen niedergelegt worden, aus dem Lautsprecher erklang das Lied von Wolf Biermann «Drei Kugeln auf Rudi Dutschke».
An der Veranstaltung nahmen auch die Witwe Gretchen Dutschke-Klotz und sein jüngster Sohn Marek teil. Auf die Fahrbahn des Kurfürstendamms waren mehrere Dutzend Fahrräder gelegt worden. Sie sollten an die Geschehnisse vom Gründonnerstag 1968 erinnern. Dutschke war auf dem Fahrrad niedergeschossen worden.
«Wir haben die Gesellschaft positiv verändert»Ströbele wies jede Verbindung der Außerparlamentarischen Opposition (APO) mit den gewalttätigen Zielen und Aktionen der terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) oder eine «wie auch immer geartete Nähe zum Nationalsozialismus» als «ungeheuerlich» zurück. «Niemand will die APO verherrlichen, wir haben auch geirrt und Fehler gemacht, aber wir haben die Gesellschaft auch im positiven verändert und damit revolutioniert», betonte Ströbele.
Dutschkes Witwe sagte, ihr Mann habe «die Sache der Erniedrigten und Beleidigten dieser Welt zu seiner Sache gemacht». Sie erinnerte an die dramatischen Stunden nach dem Attentat, als man ihr zunächst gesagt habe, ihr Mann sei tot.
«Die elf folgenden Jahre waren keine einfachen Jahre für uns. Rudi hat aber nie aufgegeben, bei allen physischen Problemen und auch als sich Freunde von ihm abwendeten». Dutschke wurde nie wieder richtig gesund und starb am 24. Dezember 1979 an den Spätfolgen des Attentats.
Demonstration auch vor dem Axel-Springer-GebäudeIn Berlin-Kreuzberg vor dem Verlagsgebäude des Axel-Springer-Konzerns demonstrierten Mitglieder des Vereins «Mayday» mit Plakaten und einem Transparent mit der Aufschrift «Immer aktuell: Enteignet Springer». Sie wollten an den Studentenführer und die Demonstrationen gegen die Bild-Zeitung und den Axel Springer Verlag erinnern. In unmittelbarer Nähe des Verlagsgebäudes soll ein Teil der dortigen Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt werden. (nz/dpa)