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Diskussion um Sterbehilfe: 

Vom Krebs zerfressene Französin tot

20. Mrz 2008 11:38
Anwalt Gilles Antonowicz kämpfte vergebens um Sterbehilfe für seine Mandantin
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Chantal Sébire litt unter heftigen Schmerzen und wollte «in Würde sterben». Krebs hatte der Französin das Gesicht entstellt. Das Gericht aber verweigerte ihr eine Genehmigung für Sterbehilfe. Nun ist sie gestorben.

Die an einem entstellenden und unheilbaren Krebsgeschwür erkrankte Französin Chantal Sébire ist tot. Die Leiche der 52-Jährigen sei am späten Mittwochnachmittag in ihrer Wohnung im burgundischen Plombières-les-Dijon gefunden worden, berichtete der Radiosender France Info. Die Todesursache war zunächst unklar. Erst am Montag war ein Antrag der früheren Lehrerin auf aktive Sterbehilfe von einem Gericht in Dijon abgelehnt worden.

Der Leidensweg der Mutter dreier erwachsener Kinder hat in den vergangenen Wochen die französische Öffentlichkeit schwer erschüttert und die Regierung gespalten. Acht Jahre lang hatte Sébire gegen den äußerst schmerzhaften Tumor mitten im Gesicht gekämpft. Auch keine Chemotherapie konnte die bösartige Wucherung stoppen, die ihr Gesicht fast völlig entstellt hatte. Das seltene Esthesioneuroblastom in der Rinne der Geruchsnerven zerstörte ihr den Geschmacks- und Geruchssinn und führte schließlich zu ihrer Erblindung. Fernsehbilder zeigten sie zuletzt abgemagert, aber mutig und gefasst.

Regierung uneinig

Sébire hatte beantragt, «in Würde sterben» zu dürfen und vom Gericht eine Genehmigung für ihren Arzt gefordert, ihr eine tödliche Medikamenten-Dosis zu verabreichen. Eine Flucht nach Belgien, in die Schweiz oder die Niederlande, wo aktive Sterbehilfe nicht bestraft wird, lehnte sie ab. «Ich will in meinem eigenen Bett sterben», sagte sie. Frankreichs Justiz urteilte am Montag, Ärzte seien verpflichtet, Leben zu retten. Das Recht stelle Sterbehilfe unter Strafe.

In der französischen Regierung stieß der Fall auf ein geteiltes Echo. Noch am Mittwochvormittag sprach sich Außenminister und Ärzte- ohne-Grenzen-Mitgründer Bernard Kouchner für eine gesetzliche Ausnahmeregelung aus. Sébire ihren Wunsch zu ermöglichen wäre «menschlich und notwendig», sagte der Mediziner. Dagegen lehnt der konservative Präsident Nicolas Sarkozy jede Rechtsreform für eine aktive Sterbehilfe ab. Auch Justizministerin Rachida Dati stellte sich hinter das Urteil. Premierminister François Fillon sprach von einem Fall, der «an die Grenze dessen» gehe, «was eine Gesellschaft sagen kann und was das Gesetz tun kann».

Diskussion um Legalisierung der Sterbehilfe

Das Schicksal von Chantal Sébire lässt jetzt Rufe nach einer Legalisierung der Sterbehilfe in Frankreich lauter werden. «Ich glaube, die Gesellschaft ist bereit, die Gesetzeslage neu zu bewerten», sagte die neue Staatssekretärin für Familie, Nadine Morano, am Donnerstag dem Sender France Info. Der Präsident des Verbandes für das Recht auf einen würdevollen Tod (ADMD), Jean-Luc Roméro, würdigte Sédire als außergewöhnliche Frau, die die Franzosen trotz ihres Leidens sensibilisiert habe: «Ihre Botschaft ist wichtig.» In Frankreich gebe es bis zu 15.000 Fälle von illegaler Sterbehilfe. «Schmerzlindernde Maßnahmen sind keine ausreichende Antwort, wir brauchen andere Antworten», erklärte Roméro.

Der Präsident des nationalen Ethik-Ausschusses sprach sich am Donnerstag gegen eine Gesetzesänderung aus: «Frankreich ist nicht Belgien oder die Niederlande (wo Sterbehilfe erlaubt ist)», sagte Didier Sicard. Das Schlimmste wäre eine überstürzte Parlamentsdebatte. (AP/dpa)

 
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