13.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Mutter eines missbrauchten Jungen aus Viechtach steht vor der Kirche in Riekofen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein Geistlicher aus Riekhofen hat gestanden, sich an einem Ministranten vergangen zu haben. Trotz seiner Vorstrafe wegen Kindesmissbrauchs durfte der Mann Jugendliche betreuen. Die Kirchenleitung ist sich keiner Schuld bewusst.
Die Vorwürfe erschüttern die Öffentlichkeit: Die Staatsanwaltschaft wirft einem ehemaligen Pfarrer aus Riekofen vor, einen Jungen im Laufe von zwei Jahren 22 Mal missbraucht zu haben. Zu Beginn der Übergriffe war der Junge elf Jahre alt. Der Angeklagte, der einschlägig vorbestraft ist, hat den Missbrauch inzwischen grundsätzlich gestanden.
Der Pfarrer räume die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft voll ein, ließ der 40-Jährige über seinen Anwalt erklären. Mit seinem Geständnis wolle er dem Opfer eine Aussage ersparen. «Ich möchte noch einmal betonen, dass ich mich entschuldigen möchte. Besonders beim Nebenkläger.»
Das Opfer war beim Prozessauftakt nicht anwesend. Er befinde sich in ärztlicher Behandlung und hoffe, dass ihm geholfen werden könne, damit so etwas nicht wieder geschieht, ließ der Geistliche über seinen Anwalt erklären. Auch für materielle Schäden wolle er aufkommen: Er habe der Anwältin der Familie bereits 5000 Euro in bar übergeben und biete weitere 3000 Euro an. Auch für künftige Kosten wolle er aufkommen. Er habe die Absicht, den Schaden wieder gut zu machen. Ein Urteil wird noch am Donnerstag erwartet.
Der Mann habe massiv gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen, heißt es in der Anklage. Er habe bereits 2001 wieder begonnen, Messdiener zu betreuen, obwohl ihm in der Bewährungszeit jede Arbeit mit Jugendlichen verboten war. Er soll Jugendfreizeiten organisiert und Jungen nach ihrer Schambehaarung und der Länge ihrer Geschlechtsteile befragt haben. Erst 2003 wurde dem Geistlichen die zuvor ausgesprochene Strafe erlassen.
Trotz Vorstrafe als Seelsorger tätigSchon im Juli 2000 war der Mann vom Amtsgericht Viechtach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Schon ein Jahr später arbeitete er aber wieder als Seelsorger in Riekofen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich bereits kurz nach Ablauf der Bewährungsfrist erneut an einem Jungen vergangenen zu haben.
Die Ermittler schlossen aus, dass der Mann Gewalt anwendete oder in den Jungen eindrang. Dem Pfarrer wird aber bei einem Übergriff schwerer sexueller Missbrauch zur Last gelegt, da den Ermittlungen zufolge zwischen diesem Fall und der ersten Verurteilung weniger als fünf Jahre lagen. Die restlichen 21 Fälle wertete die Staatsanwaltschaft als sexuellen Missbrauch.
Priester soll in die PsychiatrieDer Priester wurde schon im August 2007 verhaftet. Da die Staatsanwaltschaft von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgeht und ohne Therapie eine erhebliche Wiederholungsgefahr sieht, strebt sie neben einer Strafe auch die Unterbringung in der Psychiatrie an.
Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten unterdessen etwa ein Dutzend Menschen mit einer Mahnwache gegen den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Dieser hatte den Pfarrer trotz der Vorstrafe wieder in der Gemeindearbeit eingesetzt. Das Bistum Regensburg hatte damit gegen Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz verstoßen. Eine Verantwortung für das Geschehen lehnte er jedoch ab. (nz/dpa/AP)