Beinahe-Katastrophe in Hamburg:
24-Jährige steuerte Flugzeug beim Landeanflug
04.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Lufthansa-Airbus «Suhl» war aus München kommend kurz vor dem Aufsetzen von einer starken Windböe erfasst worden und hatte mit einem Flügel den Boden berührt. Danach startete die Besatzung durch und konnte in einem zweiten Versuch auf einer anderen Piste des Flughafens sicher landen. Dabei steuerte nach Angaben der BFU der 39- jährige Pilot die Maschine. Er war am Montag von Experten für seine «fliegerische Meisterleistung» gelobt worden.
Nach Einschätzung der Vereinigung Cockpit sind für den Beinahe-Unfall weder die Piloten, noch die Flugsicherung oder der Flughafen verantwortlich zu machen. «Ich sehe nach derzeitigem Kenntnisstand keinen, der eine Schuld hat», sagte deren Sprecher Markus Kirschneck. Damit wies er Spekulationen zurück, die Piloten hätten beim ersten Versuch die falsche Landebahn genutzt.
Nicht in der Verantwortung sieht sich die Deutsche Flugsicherung (DFS). «Der Pilot hatte die Wahl zwischen beiden Bahnen», bekräftigte DFS-Sprecher Axel Raab am Dienstag in Langen. Zwar sei die von dem Piloten genutzte Landebahn 23 zum Zeitpunkt des Vorfalls die Standardlandebahn gewesen. Mündlich sei dem Piloten aber auch die Nutzung der Landebahn 33 angeboten worden.
Auch die Lufthansa bekräftigte am Dienstag, die Cockpit-Besatzung habe sich richtig verhalten. Die Landebahn werde in der zivilen Luftfahrt von der Flugsicherung zugewiesen, die Piloten hätten aber nach Abwägung aller Faktoren die letzte Entscheidung, ob sie die Landebahn auch nutzen, sagte ein Sprecher in Frankfurt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls sei der Wind auf beiden Bahnen aber «vergleichbar» gewesen. Auch er verwies darauf, dass nur die zunächst genutzte Piste ein Instrumentenlandesystem habe.
Der Hamburger Flughafen wies Kritik am Informationsverhalten nach dem spektakulären Durchstarten zurück. Die zuständigen Behörden seien noch am Samstag unterrichtet worden, sagte eine Flughafensprecherin am Dienstag. «Wir haben die Wirtschaftsbehörde informiert.» Dort sind in der Hansestadt die für den Luftverkehr zuständigen Referate angesiedelt. Die Innenbehörde hatte sich am Montag verwundert über fehlende Informationen zu dem Vorfall gezeigt. (dpa)

