netzeitung.deKampusch erwägt Klage gegen Österreich

 Herausgeber: netzeitung.de

Natascha Kampusch ist 'entsetzt und wütend' (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Natascha Kampusch ist 'entsetzt und wütend'
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die österreichischen Ermittler haben möglicherweise 1998 bei der Suche nach der entführten Kampusch einen schweren Fehler gemacht. Sollte sich der Verdacht bestätigen, will Kampusch klagen.

Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch erwägt eine Schadenersatzklage gegen ihr Heimatland, falls sich jetzt bekanntgewordene Hinweise auf ein Versagen der Polizei als zutreffend erweisen. Der Grünen-Abgeordneten Peter Pilz veröffentlichte am Donnerstag ein Polizeidokument, das auf eine Ermittlungspanne hindeutete. Demnach hatten die Ermittler kurz nach der Entführung von Kampusch 1998 eine Beschreibung des Entführers Wolfgang Priklopil. Obwohl dieser vernommen wurde und kein Alibi hatte, wurde die Spur nicht weiter verfolgt. Die Hinweise auf den Täter kamen von einem Hundeführer der Polizei.

«Wenn sich herausstellen sollte, dass man Frau Kampusch aufgrund des Hundeführer-Hinweises auf Wolfgang Priklopil acht Jahre früher hätte befreien können, und dass Verschulden der Behörden vorliegt, weil man ihnen nicht nachgegangen ist, so werden wir klagen», sagte Kampusch-Anwalt Gerold Ganzger der Tageszeitung «Der Standard». Kampusch meinte, die bekanntgewordenen Fakten «machen mich entsetzt und wütend». Innenminister Günther Platter (ÖVP) hatte am Mittwoch eine Untersuchung der Vorwürfe angeordnet.

Aufgerollt wurde der mögliche neue «Fall Kampusch» durch den ehemaligen Chef des Österreichischen Bundeskriminalamts, Herwig Haidinger. Sein Vorwurf: Nach Kampuschs Flucht 2006 habe ein hoher Beamter im Ministerium der damaligen konservativen Innenministerium Liese Prokop erkennen lassen, man wünsche im Ministerium nicht, den Fall wegen der bevorstehenden Parlamentswahl in Österreich im Oktober 2006 noch einmal aufzurollen. (dpa)