Flocke kratzt und sieht sich im Spiegel
01. Feb 2008 14:28
 |  Flocke winkt sich selbst im Spiegel zu | Foto: dpa |
|
Jeden Tag ein bisschen mehr: Das Eisbärenbaby Flocke beginnt zu laufen. Noch ist die junge Dame etwas wacklig auf den Beinen, aber in drei bis vier Wochen wird sie sicher durch die Welt gehen können.
Beißen kann sie noch nicht, aber wenn sie Spielen will oder ihr Fläschchen bekommt, dann kann die kleine Eisbärin Flocke schon richtig kratzbürstig werden. Jedenfalls haben die vier Tierpfleger, die sich seit Anfang Januar rund um die Uhr um das Nürnberger Eisbärenmädchen kümmern, schon öfters ein paar Kratzer abbekommen.
«Sie hat scharfe, lange Krallen, wie eine Katze. Wir haben jetzt schon verstärkte Gummihandschuhe an», berichtete Tierpfleger Harald Hager am Freitag, der im Nürnberger Tiergarten bereits Erfahrungen in der Handaufzucht von Braun- und Kragenbären gesammelt hat.Das rund eineinhalb Monate alte Jungtier Flocke wird seit Anfang Januar mit der Hand aufgezogen, nachdem es vorsichtshalber von seiner Mutter Vera getrennt worden war. Das Muttertier hatte sich zuletzt so auffällig verhalten, dass die Zooleitung Zweifel bekam, dass Vera das Jungtier ordentlich versorgen würde.
Um das Risiko einer Fehlprägung auf den Menschen gering zu halten, wurde am Donnerstag ein Spiegel in der Bären-Kinderstube von Flocke installiert. «Sie hat einen anderen Eisbären im Spiegel erkannt, mit der Zunge an der Scheibe geleckt und kurz gefaucht», berichtet Hager. «Sie sieht und hört jetzt besser. Nur beißen kann sie noch nicht.» Die Milchzähne des Jungtiers stünden aber kurz vor dem Durchbruch.
Eisbärenbaby schläft 20 Stunden am Tag
An zwei große Momente in der Entwicklung von Flocke erinnert sich Tierpflegerin Petra Fritz: «Als sie plötzlich die Augen aufgemacht hat und wie sie zum ersten Mal versucht hat, auf vier Beinen zu stehen.» Seit wenigen Tagen versucht die kleine Eisbärin, sich aufzustellen und zu gehen. «Das klappt aber nur ein paar Schritte. Sie ist immer noch ziemlich wackelig und fällt dann wieder um.» Erst in drei bis vier Wochen werde sie richtig laufen können. Im Moment schläft Flocke rund 20 Stunden am Tag. Alle sechs Stunden trinkt sie rund 200 Milliliter Kunstmilch. Nach den Fütterungen wird sie von ihren Pflegern gebürstet, massiert und gestreichelt. «Flocke und ich mögen es am liebsten, wenn sie auf dem Rücken liegt und ich sie kitzle», schwärmt die 41-jährige Ersatzmutter. Noch wirkt Flocke ausgesprochen kindlich. «Sie ist sehr unbeholfen und knuddelig.»
Mageninfektion gut überstanden
Derzeit bringt Flocke fast fünf Kilo auf die Waage. Wenn sie Anfang April vermutlich zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wird, werde sie noch einmal ordentlich an Gewicht zugelegt haben. Bis zu 18 Kilo könnte sie bis dahin wiegen, schätzt Tierarzt Neurohr, der das Jungtier seit dem Beginn der Handaufzucht betreut. Der Entwicklungsstand des Jungtiers sei hervorragend, eine leichte Mageninfektion der jungen Eisbärin habe mit einem Antibiotikum und einem Pilzmittel bekämpft werden können. Bis Flocke Anfang April in das Freigehege darf, müsse sie schwimmen und feste Nahrung zu sich nehmen können. (Silke Hatzold, dpa)