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Linguisten stören sich am «Präventionsstaat»

14. Jan 2008 17:46
Mutter mit Kind
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Sprachwissenschaftler küren am Dienstag wieder die schlimmste verbale Entgleisung. Beste Chancen, Unwort des Jahres zu werden, haben Begriffe aus politischen Debatten - oder ein Ausdruck von Dieter Bohlen.

Das Unwort des Jahres 2007 könnte «Präventionsstaat» oder «praktikables Nachtflugverbot» heißen. Die Begriffe gehörten zu einer Liste, die die Jury der sprachkritischen Aktion heiß diskutiert habe, sagte deren Sprecher, der Linguist Horst Dieter Schlosser, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Auch das erst Anfang 2008 publizierte Wort «Erziehungscamp» sei genannt worden.

Schlosser gibt die Entscheidung der sechs Juroren am Dienstag in der Frankfurter Universität bekannt. Dem Gremium liegen hunderte verschiedene Vorschläge vor, die aus der Bevölkerung eingereicht wurden. Zu den Favoriten gehört laut Schlosser auch die besonders häufig vorgeschlagene «Herdprämie», die seiner Ansicht nach Mütter beleidigt, die ihre Kinder zu Hause erziehen wollen. Der Begriff war allerdings schon bei der Wahl zum Wort des Jahres von der Gesellschaft für deutsche Sprache nach «Klimakatastrophe» auf den zweiten Platz gesetzt

Unwortverdächtig sind zudem die Formulierungen zweier katholischer Würdenträger: Der Augsburger Bischof Walter Mixa hatte im Streit mit den Grünen um Familienpolitik den Begriff «Gebärmaschine» verwendet. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte in einer Predigt von «entarteter Kultur» gesprochen. «Ein Griff in die NS-Stereotypenkiste», wie Schlosser kritisiert.

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Dieter Bohlen hat ebenfalls Chancen, das Unwort zu prägen: Der Musikproduzent habe in einer seiner Casting-Shows den Gesang einer Kandidatin als «epileptisches Singen» abqualifiziert, sagte Schlosser. Zu den Favoriten gehören zudem zwei Begriffe aus der Klimadiskussion: «CO2 freie Kohlekraftwerke» und «klimaneutral». Gute Chancen hätte auch der Begriff «Effizienzsteigerungsprogramm» für Massenentlassungen gehabt, der angeblich aus einem internen Papier der Telekom stammen soll, wie Schlosser sagte. «Aber dafür fehlt uns die Quelle.»

Zu seinen persönlichen Favoriten gehöre die Formulierung von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), die in der Diskussion über das neue Telekommunikationsgesetz gesagt habe, dies solle so «grundrechtschonend wie möglich» sein. «Ein Grundrecht schont man am besten, indem man es gar nicht anrührt», betonte Schlosser.

Die Jury sucht bereits seit 1991 jährlich den schlimmsten sprachlichen Missgriff aus der öffentlichen Kommunikation der vergangenen zwölf Monate. Frühere Unwörter des Jahres waren unter anderem «Rentnerschwemme», «Ich-AG», «sozialverträgliches Frühableben» und «Peanuts». Dieses Wort gebrauchte Mitte der 90er Jahre der damalige Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, um den Schaden, den Immobilien-Pleitier Jürgen Schneider angerichtet hatte, zu verniedlichen. (dpa/nz)

 
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