netzeitung.deWirt will Nichtrauchergesetz austricksen

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Ein Wirt aus Schleswig-Holstein will das Nichtrauchergesetz austricksen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein Wirt aus Schleswig-Holstein will das Nichtrauchergesetz austricksen
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Ein schleswig-holsteinischer Gastronom will seinen Gästen auch künftig den Griff zum Glimmstängel erlauben. Deshalb gründete er eine Religionsgemeinschaft.

Es mutet wie ein Aprilscherz an: Im Kampf gegen das seit Jahresbeginn geltende Nichtraucherschutzgesetz greift ein schleswig-holsteinischer Gastronom tief in die Trickkiste. Der Wirt aus Kappeln hat eine Religionsgemeinschaft gegründet, um seinen Gästen das Rauchen weiter zu ermöglichen. Das sieben Paragrafen umfassende Gründungsprotokoll habe er an die Staatskanzlei in Kiel geschickt, sagte Dirk Bruckner, Besitzer der Kneipe «Mausefalle». Bruckner spricht von 400 Mitgliedern.

Stutzig macht vor allem der Name: «Christlich-Jüdische Kirche der Mausianer». Sinn ist laut Satzung «die Glaubenslehre, die Förderung der Kommunikation zwischen den Religionen und Philosophien, Durchführung von Betstunden in kommunikativer Form und das Abhalten von Gottesdiensten».

Eigentlich geht es um den Kampf gegen den Nichtraucherschutz, dessen Auswüchse dieser Tage schon für Ärger sorgten: Ein schleswig-holsteinischer Veranstaltungsunternehmer geriet ins Visier der Staatsanwaltschaft, weil er mit dem Judenstern eine Kampagne gegen das Gesetz gestartet hatte. Entrüstung - vor allem beim Zentralrat der Juden war die Folge.

Auch der 46-Jährige Bruckner nutzt nun Begriffe, die für das Leid von Menschen stehen: Er will Rauchern nach eigenen Worten «Kirchenasyl» gewähren und sich religiöse Handlungen nicht durch den Staat vorschreiben lassen. Kirchenasyl gewähren Kirchgemeinden von Abschiebung bedrohten Ausländern, bei denen die Ausländerbehörde humanitäre Abschiebungshemmnisse nicht ausreichend berücksichtigte.

Bruckner will das Rauchverbot in Gaststätten nun mit dem Recht auf Religionsfreiheit umgehen. In vielen Religionen spiele das Verbrennen von Stoffen eine Rolle, argumentiert er. «Bei den Katholiken ist es der Weihrauch, bei den Buddhisten sind es Räucherstäbchen, bei uns die Zigaretten», sagte Bruckner.

Bruckner beteuert, alles sei rechtlich wasserfest. Das Gründungsprotokoll der selbsternannten Kirche macht allerdings einen dürren Eindruck. Ob er mit dem Trick das neue Antirauchergesetz umgehen kann, ist entsprechend fraglich. Das Gesundheitsministerium des Landes betonte bereits, der Gastronom «kommt damit nicht durch». Möglicherweise taugt das Ganze wohl eher als Anlass für einen Verwaltungsstreit. (nz/AP)