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Nürnberger Zoo hat neuen Knut

09. Jan 2008 11:17
Das Eisbärenbaby hat noch keinen Namen
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Ein Eisbärenbaby im Nürnberger Zoo wird nun doch von Hand aufgezogen. Ursprünglich wollte der Tierpark genau das nicht tun und hatte bereits zwei Jungtiere sterben lassen.

Erst lag Eisbären-Mutter Vera wie jeden Tag allein in der Sonne, doch dann holte sie ihr Baby aus der Bruthöhle. Für den Laien bedeutete das vielleicht ein gutes Zeichen: Der Nachwuchs lebte. Für die Tierpfleger war es jedoch ein Alarmsignal. Deshalb trennten sie das Junge von der Mutter. Und so wird im Nürnberger Tiergarten möglicherweise ein zweiter «Knut» heranwachsen.

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«Wir haben uns zum Einschreiten entschlossen, da die Mutter offensichtlich keinen sicheren Platz mehr für das Junge gefunden hat und zunehmend nervös geworden ist», sagte Zoodirektor Dag Encke am Dienstag. Bislang hatten es die Verantwortlichen abgelehnt, in die Aufzucht einzugreifen. Das galt auch noch einen Tag nach dem Tod der beiden Babys des Eisbärenweibchens Vilma. Vermutlich waren beide Jungtiere krank und daraufhin von der Mutter aufgefressen worden.

Noch am Dienstagmorgen hatte Tiergarten-Vize Helmut Mägdefrau Forderungen als «haltlos» zurückgewiesen, man hätte bereits die Jungtiere von Vilma retten müssen. Der Tiergarten habe nach den Richtlinien des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) «absolut richtig gehandelt», sagte Mägdefrau.

Das Baby bekommt auf keinen Fall den Namen «Knut»

Den Sinneswandel begründete Encke damit, dass das Baby von Vera «eindeutig überlebensfähig» ist. «Es ist wohlauf und hervorragend ernährt». Vermutlich handelt es sich um ein männliches Jungtier. Es werde aber auf keinen Fall den Namen bekommen, betonte Encke. Der Zustand des kleinen Eisbären beweist aus seiner Sicht auch, dass die Bärenmutter ihr Kind bisher optimal versorgt hat. Zoobesucher hatten Vera dagegen bereits als «Rabenmutter» beschimpft, weil das Bärenweibchen sich häufiger vor der Bruthöhle aufgehalten hatte.

«Man könnte heulen, wenn man sieht, dass die Mutter die Aufzucht bisher ganz perfekt hingekriegt hat und man jetzt aufgeben muss», sagte Encke. Doch die zunehmende Nervosität der Bärenmutter habe die Tiergartenleitung zum Eingreifen bewogen. Nachdem Vera ihren Nachwuchs aus der Bruthöhle herausgeholt, durch ihr Gehege getragen und schließlich liegen gelassen hatte, habe man befürchtet, sie könne dem Kleinen etwas antun oder es im Stich lassen.

Nürnbergs Zweiter Bürgermeister Horst Förther (SPD) mutmaßt, der Medienrummel am Eisbärengehege könne Vera in Stress versetzt haben. Es gebe Filmaufnahmen, die bewiesen, dass sich Kamerateams dem Gehege weiter genähert hätten als erlaubt. Die Verantwortlichen hatten im Vorfeld wiederholt darauf hingewiesen, dass bei Eisbären die geringste Störung dazu führen könne, die Aufzucht abzubrechen und ihre Jungtiere zu fressen.

Die strikte Haltung des Tiergartens, den Eisbären-Nachwuchs eher sterben zu lassen als ihn per Hand großzuziehen, hatte die Emotionen in Nürnberg hochkochen lassen. Tierschützer verurteilten das Verhalten des Tiergartens und forderten sogar die generelle Abschaffung der Eisbären-Zucht in Zoos. Auch im Internet-Gästebuch des Tiergartens wurde heftig diskutiert: Hier reichten die Meinungen zur Haltung der Verantwortlichen in mehreren dutzend Einträgen von «unmöglich» und «beschämend» bis «verständlich» und «gut».

Überdies drohten die Eisbären zum Politikum im Kommunalwahlkampf zu werden: Dagmar Wöhrl (CSU), Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium und Chefin des Nürnberger Tierschutzvereins, hatte der Rathausspitze Untätigkeit vorgeworfen. Und auch im Rathaus selbst wurden die Bedenken gegen die strikte Haltung des Tiergartens lauter. Noch am Vormittag hatte Bürgermeister Förther gemahnt: «Ich weiß nicht, ob wir es durchhalten könnten, den kleinen Eisbären verhungern zu lassen, falls Mutter Vera ihn im Stich lässt.» Er diskutierte daraufhin mit Tiergarten-Chef Encke eine Lösung für den Notfall. (Inga Pflug/dpa)

 
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