netzeitung.deUnfälle und Randale zu Silvester in Deutschland

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Lupe Unfälle und Randale zu Silvester in Deutschland

Ein fünfjähriges Mädchen wurde lebensgefährlich von Feuerwerk verletzt. In Berlin hetzten Rechte eine afghanische Familie. Schwere Ausschreitungen gegen Polizisten gab es in Magdeburg und Leipzig.

Ein fünf Jahre altes Mädchen ist in der Silvesternacht von einem Feuerwerkskörper lebensgefährlich am Kopf verletzt worden. Wie die Polizei meldet, hatte in Neutraubling im Landkreis Regensburg ein 31 Jahre alter Mann kurz vor ein Uhr eine Feuerwerkskörperbatterie auf einem Gartentisch aufgestellt. Unmittelbar nach der Zündung kippte die Batterie um, und die Geschosse flogen unkontrolliert umher. Mehrere Personen wurden getroffen, darunter auch das kleine Mädchen, das sich gerade mit seinen Eltern vor dem Anwesen aufhielt. Das Kind erlitt eine Hirnblutung und musste noch vor Ort in ein künstliches Koma versetzt werden. Mit einer Notoperation wurde das Kind gerettet. Sein Zustand ist derzeit stabil. Bei dem 31 Jahre alten Mann wurde eine Blutentnahme durchgeführt.

Ebenfalls lebensgefährlich verletzt wurde ein 18-Jähriger in Berlin-Neukölln. Er hatte eine Rakete angezündet, dabei fing seine Kleidung Feuer. In Zerbst in Sachsen-Anhalt verlor ein 40-jähriger Mann beim Hantieren mit selbst gebauten Böllern vier Finger der rechten Hand. Einem 47-jährigen Mann in Hamburg explodierten drei Feuerwerkskörper in der Hand, er erlitt schwerste Verletzungen. Ein Achtjähriger erlitt schwere Verbrennungen im Gesicht, nachdem ein Knallkörper unmittelbar vor ihm explodiert war. In Gladbeck warfen Unbekannte Böller in ein vorbeifahrendes Auto; der Beifahrer erlitt so schwere Verletzungen, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Familie mit Schlagstöcken attackiert
In Berlin-Lichtenberg haben Rechtsextreme eine afghanische Familie angegriffen. Die Täter hätten die fünfköpfige Familie mit Schlagstöcken attackiert und beschimpft, als sie ihr Feuerwerk auf der Straße abbrannte, sagte der Direktor beim Polizeipräsidenten, Michael Krömer. Die Familie rettete sich in ihre Wohnung, gefolgt von den etwa 15 Angreifern. Bevor die Rechtsextremen flüchteten, beschädigten sie den Hauseingang und zertrümmerten eine Scheibe. Verletzt wurde niemand. Das Umfeld des Hauses gilt als eine Hochburg von Rechtsextremen. Der Berliner Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

In Freiburg hat ein verirrter Feuerwerkskörper den Balkon und schließlich die Wohnung eines Hochhauses in Brand gesteckt. In Saarbrücken wurden bei einem Brand in einem Hochhaus- Appartement sechs Menschen verletzt. In Essen starben eine 25 Jahre alte Frau und ihr 20-jähriger Begleiter, als sie im dichten Nebel Bahngleise an einer Stelle überqueren wollten, die für Fußgänger gesperrt ist. Sie wurden von einem Zug erfasst und starben an der Unfallstelle. In Troisdorf (Nordrhein-Westfalen) kam eine 21 Jahre alte Frau ums Leben, als ein betrunkener Mann in einer Fußgängerzone in eine Gruppe von jungen Menschen raste.

Molotow-Cocktails und Gaspistole
In Magdeburg beschädigten Randalierer eine Straßenbahn und griffen Polizisten an. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, kam es kurz nach Mitternacht an zwei Orten nahezu zeitgleich zu Ausschreitungen. Am Neustädter Platz ging eine Gruppe von rund 50 Menschen mit Steinen, Flaschen und Molotow-Cocktails auf eine Straßenbahn los. Am Hasselbachplatz griffen 15 bis 20 teils vermummte Randalierer ein Polizeifahrzeug an und beschossen es mit Feuerwerkskörpern. Zwei Polizisten wurden dort verletzt, einer davon durch einen Schuss aus einer Gaspistole. In beiden Fällen wird unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt. Insgesamt 19 Menschen wurden vorläufig festgenommen.

In Leipzig gab es schwere Ausschreitungen, bei denen mehr als 40 Polizisten leicht verletzt wurden. Rund 350 Randalierer errichteten kurz nach Mitternacht am Connewitzer Kreuz im Süden der Stadt brennende Barrikaden und bewarfen Sicherheitskräfte mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern. Wie ein Polizeisprecher am Dienstag sagte, schoben die Randalierer Mülltonnen und Teile eines Baugerüstes auf die Straße und entzündeten sie. Die Kreuzung wurde mehrere Stunden lang für den Verkehr gesperrt. 35 Randalierer im Alter zwischen 17 und 32 Jahren wurden vorübergehend festgenommen, befanden sich am Dienstagmittag aber wieder alle auf freiem Fuß. 46 Polizisten erlitten bei den Ausschreitungen, die bis etwa drei Uhr dauerten, leichte Verletzungen. (AP/dpa)