«Bambi»-Preisträger ist ein falscher Doktor
29. Dez 2007 14:46, ergänzt 17:31
 |  Markus Dewender bei der Bambi-Preisverleihung | Foto: dpa |
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Noch im November war Markus Dewender ein gefeierter Held: Sein Verein «Kinder brauchen uns» brachte kleine Afghanen zur Operation nach Deutschland. Jetzt gibt Dewender zu, ein Hochstapler zu sein.
Der «Bambi»-Preisträger und Vorsitzende des Vereins «Kinder brauchen uns», Markus Dewender, hat Selbstanzeige wegen Titelmissbrauchs erstattet. Dewender bestätigte Informationen des Magazins «Der Spiegel», wonach er zu Unrecht einen Ehrendoktor- und einen Doktortitel führe. Er sei einem dubiosen Berater aufgesessen. «Das war mein persönlicher Fehler. Ich war gutgläubig und habe zu leichtfertig und unkritisch gehandelt», sagte Dewender am Samstag in Mülheim an der Ruhr. Die Hilfsorganisation begrüßte die Selbstanzeige und teilte mit, dass Dewender seine Vorstandsaufgaben zunächst ruhen lassen werde.
Der Ehrendoktortitel des Vorstandsvorsitzenden Markus Dewender sei gekauft, der Doktortitel sogar gefälscht, berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin am Samstag vorab. Der 41-Jährige soll seine Ehrendoktorwürde aus dem Jahr 2005 der Yorkshire University verdanken, die auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik firmiert und Titel verkauft. Der Doktortitel der Wirtschaftswissenschaften, den Dewender im Juni 2006 an der Universität Warschau gemacht haben will, sei gefälscht. Das habe die Universität nach einer von dem Magazin veranlassten Überprüfung der angeblichen Doktorurkunde mitgeteilt.
Nach Dewenders Darstellung habe eine Firma aus Zürich ihm zunächst den Ehrendoktortitel angetragen und ihn danach zu einem Promotionsverfahren an einer polnischen Universität überredet, wobei Dewender selbst nur die Struktur einer Doktorarbeit entwerfen sollte. «Ich habe das viel zu unkritisch angenommen», sagte Dewender. Ein Sprecher der Organisation «Kinder brauchen uns» kündigte für Samstag Nachmittag eine Erklärung an.
«Ich klebe nicht an dem Posten»
Ob er Chef des Vereins bleibe, hänge vom Vertrauen der Mitglieder ab: «Ich bin nicht der Verein. Ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken. Ich klebe nicht an diesem Posten.» Die Hilfsorganisation «Kinder brauchen uns» koordiniert Projekte für kranke und schwer verletzte Kinder aus Afghanistan und organisiert für sie medizinische Hilfe in Deutschland. Ende November war der Verein mit einem «Bambi» geehrt worden. Der «Bambi»-Veranstalter Burda will nach der «Spiegel»-Veröffentlichung den Fall unter die Lupe nehmen. «Wir werden das prüfen und behalten uns weitere Schritte vor», sagte ein Burda-Sprecher in München.Laut «Spiegel» rücken auch private Adoptionen Dewender und die zweite Vorsitzende des Vereins, Heike Timmler, in ein ungünstiges Licht. Während der Verein bei Gasteltern strikt darauf achte, dass keine Kinder für Adoptionen in Deutschland zurückblieben, hätten Dewender und Timmler selbst Kinder aus Afghanistan adoptiert, die nach von anderen Vereinen vermittelten Operationsaufenthalten in Deutschland zunächst heimgekehrt seien. Zudem habe der Verein nach eigenen Angaben sehr viele afghanische Kinder nach den Klinikaufenthalten in christlichen Bekenntnisschulen in Deutschland betreuen lassen, obwohl schon der Verdacht einer Missionierung für die Arbeit westlicher Hilfsorganisationen in Afghanistan als äußerst schädlich gelte.
Vorwurf der mangelnden Distanz
Energisch wehrte sich Dewender in seiner Erklärung gegen den Vorwurf, dass seine Adoption zweier afghanischer Kinder von einer für Hilfsorganisationen unprofessionellen mangelnden Distanz zeuge. Die beiden von ihm adoptierten Brüder hätten unter einer schweren Hauterkrankung gelitten, die stete medizinische Betreuung bedürfe. Eines der beiden Kinder sei Ende November gestorben.Im Januar will der Verein 70 Kinder aus Afghanistan nach Deutschland einfliegen lassen. Andernfalls drohe der Hälfte der Kinder der Tod. Erst im Oktober hatte der Verein in einer spektakulären Luftbrücke Kabul-Hamburg 59 verletzte afghanische Kinder zur Operation nach Deutschland gebracht. Für diese Aktion hatte «Kinder brauchen uns» den «Bambi»-Preis für Engagement erhalten. (AP/dpa)