«Bambi»-Preisträger ist ein falscher Doktor
29.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der Ehrendoktortitel des Vorstandsvorsitzenden Markus Dewender sei gekauft, der Doktortitel sogar gefälscht, berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin am Samstag vorab. Der 41-Jährige soll seine Ehrendoktorwürde aus dem Jahr 2005 der Yorkshire University verdanken, die auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik firmiert und Titel verkauft. Der Doktortitel der Wirtschaftswissenschaften, den Dewender im Juni 2006 an der Universität Warschau gemacht haben will, sei gefälscht. Das habe die Universität nach einer von dem Magazin veranlassten Überprüfung der angeblichen Doktorurkunde mitgeteilt.
Nach Dewenders Darstellung habe eine Firma aus Zürich ihm zunächst den Ehrendoktortitel angetragen und ihn danach zu einem Promotionsverfahren an einer polnischen Universität überredet, wobei Dewender selbst nur die Struktur einer Doktorarbeit entwerfen sollte. «Ich habe das viel zu unkritisch angenommen», sagte Dewender. Ein Sprecher der Organisation «Kinder brauchen uns» kündigte für Samstag Nachmittag eine Erklärung an.
Laut «Spiegel» rücken auch private Adoptionen Dewender und die zweite Vorsitzende des Vereins, Heike Timmler, in ein ungünstiges Licht. Während der Verein bei Gasteltern strikt darauf achte, dass keine Kinder für Adoptionen in Deutschland zurückblieben, hätten Dewender und Timmler selbst Kinder aus Afghanistan adoptiert, die nach von anderen Vereinen vermittelten Operationsaufenthalten in Deutschland zunächst heimgekehrt seien. Zudem habe der Verein nach eigenen Angaben sehr viele afghanische Kinder nach den Klinikaufenthalten in christlichen Bekenntnisschulen in Deutschland betreuen lassen, obwohl schon der Verdacht einer Missionierung für die Arbeit westlicher Hilfsorganisationen in Afghanistan als äußerst schädlich gelte.
Im Januar will der Verein 70 Kinder aus Afghanistan nach Deutschland einfliegen lassen. Andernfalls drohe der Hälfte der Kinder der Tod. Erst im Oktober hatte der Verein in einer spektakulären Luftbrücke Kabul-Hamburg 59 verletzte afghanische Kinder zur Operation nach Deutschland gebracht. Für diese Aktion hatte «Kinder brauchen uns» den «Bambi»-Preis für Engagement erhalten. (AP/dpa)

