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Prediger will Welt vor «Shopocalypse» retten

21. Dez 2007 10:01
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Gegen den Kaufrausch hat ein amerikanischer Geistlicher die «Church of Stop Shopping» gegründet. Während der Weihnachtszeit reist er quer durchs Land und predigt Bescheidenheit per Guerilla-Taktik.

Reverend Billy will Weihnachten retten. Das Fest der Liebe steht seiner Meinung nach kurz davor, der «Shopocalypse» anheimzufallen - dem Kaufrausch, dem Massenkonsum und der Ausbeutung des Planeten. Deshalb hat der selbst ernannte Geistliche und Konsumkritiker die «Church of Stop Shopping» gegründet. Mit seinem Gospelchor fährt er vor Weihnachten quer durch Amerika. Sein Ziel: Bescheidenheit predigen per Guerilla-Taktik. Den Dämon, den es zu bekämpfen gilt, findet er in allen Einkaufszentren der USA. Er trägt Namen wie Wal-Mart, Disney und Starbucks.

Die Gospelsänger- und sängerinnen in wallenden grünen Roben interessieren sich nicht für die Unterwäsche von Victoria Secret am New Yorker Broadway. Sie marschieren an den Tischen voller Strapse, BHs und Höschen vorbei und bauen sich mitten im Laden auf. Reverend Billy - alias William Talen - sieht ein bisschen aus wie die Karikatur eines Priesters: blütenweißer Anzug mit gestärktem Kragen und schwarzen Lederhandschuhen. Seine Haare trägt er blond gefärbt und sorgfältig zu einer Elvis-Tolle hoch gefönt.

Talen wurde bereits mehrmals verhaftet

Die Frisur hält allerdings nicht lange, wenn der Mittfünfziger loslegt: «Stop Shopping! Stop Shopping!» ruft er. Er reckt die Fäuste gen Himmel und fällt auf die Knie. «Ich kenne eure Sünden, bessert euch, bessert euch!» Der Chor klatscht rhythmisch im Hintergrund. «Die Meere steigen, aber ich, ich muss alles kaufen - Shopocalypse, Shopocalypse», singt er. Einige Kunden an der Kasse drehen sich verdutzt um, grinsen oder schauen der Show gebannt zu. Nach kurzem Schock schreitet das Sicherheitspersonal ein.

Seit zehn Jahren ist Talen in seinem Kampf gegen den Shoppingwahn unterwegs. Genervt von der Kampagne des damaligen Bürgermeisters Rudy Giuliani gegen die verlotterten Etablissements rund um den Times Square, fing der ehemalige Kellner an, öffentlich gegen die «Disneyfication» von New York zu wettern. Dutzende Male wurde er bereits verhaftet. Meist wird ihm Belästigung vorgeworfen. Er beruft sich auf das Grundrecht der Redefreiheit.

Eigener Kinofilm im Stil von Michael Moore

Rechtzeitig vor dem Hochamt der amerikanischen Konsumtempel kam Talens Film «What would Jesus Buy?» (Was würde Jesus kaufen?) in die US-Kinos. Die Doku-Comedy erzählt die Abenteuer der Stop-Shopping-Church im Stil von Michael Moores Filmen. Unter anderem kommt eine Psychologin zu Wort, die Tipps gegen Kaufsucht gibt. Realisiert wurde der Film von Produzent Morgan Spurlock («Super Size Me») und Regisseur Rob Van Alkemade. «Wir bekommen ganz unterschiedliche Leute in die Kinos, die der Film interessiert. Weil wir alle ein Problem mit dem Shoppen haben», sagt der Straßenkünstler.

War Talen am Anfang noch ein einsamer Streiter vor dem Herrn, hat er inzwischen eine «Gemeinde» von mehreren Tausend Anhängern aufgebaut. Der 35-köpfige Gospelchor wird bei großen Auftritten von einer eigenen Band begleitet. Seine Satire-Shows, die Talens Ehefrau Savitri Durkee choreografiert, lassen sich an Dramatik kaum überbieten. «Reverend Billy wird Sie nicht bekehren. Aber wenn die Show vorbei ist, werden Sie beim Shoppen zweimal nachdenken», schrieb die «New York Times». (Carla S. Reissman, dpa)

 
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