Marco W. wieder bei seiner Familie
15.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Dort bereitetet man sich auf die Begrüßung des Jugendlichen vor. «Es wird einen Empfang und ein Treffen mit der Stadtspitze geben, wenn Marcos Familie das möchte», sagte Bürgermeister Otto Lukat. Man werde sich dabei ganz nach den Wünschen der Familie richten. Marco brauche zunächst Ruhe.
Am Sonntag wird er sein erstes Fernsehinterview nach seiner Entlassung aus türkischer Haft geben. Das Gespräch werde am Morgen in Nürnberg aufgezeichnet und am Abend um 22:30 Uhr als «Explosiv Spezial» bei RTL gesendet, sagte ein Sprecher des Kölner Privatsenders. Der Sender hat demnach die exklusiven TV-Rechte an dem Gespräch. Der Moderator Markus Lanz werde das Interview mit Marco führen. Die Sendung soll eine halbe Stunde dauern.
Deutsche Politiker reagierten mit Freude auf die Freilassung, wegen der langen Verfahrensdauer aber zum Teil auch mit Kritik an der türkischen Justiz. CSU-Chef Erwin Huber bemängelte, die Türkei sei offenbar kein «Rechtsstaat in unserem Sinne». Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hatte erleichtert auf die Freilassung Marcos reagiert. Die nächsten Monate müssten genutzt werden, um zu entscheiden, ob der Prozess in Deutschland fortgeführt werden könne, sagte der CDU-Politiker.
Marco sei aus Sicht der türkischen Justiz zwar zur Teilnahme am Prozess in Antalya verpflichtet, sagte der Kölner Rechtsprofessor Thomas Weigend. Durchsetzen könnten die dortigen Behörden seine Anwesenheit aber nicht. «Das ist seinem guten Willen und seinem Pflichtgefühl überlassen», sagte Weigend. Als deutscher Staatsbürger könne er nicht an die Türkei ausgeliefert werden. Er könnte dort aber in Abwesenheit verurteilt werden, falls das türkische Recht dies zulasse.
Das deutsche Strafrecht gilt unabhängig vom Recht des Tatorts auch für eine ganze Reihe von Taten, die im Ausland begangen werden. Darunter fallen auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt ohnehin gegen Marco. «Wir haben sämtliche Unterlagen der türkischen Justiz angefordert. Noch ist aber nicht alles angekommen und übersetzt», sagte Behördensprecher Manfred Warnecke. Anschließend werde der Fall geprüft. (AP/dpa)

