09.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Ein neueres Foto von John Darwin
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Spätestens ab Montag sitzen beide wieder im selben Boot: Der totgeglaubte John Darwin wird dann dem Haftrichter vorgeführt, seine Frau wurde bereits festgenommen. Mit dem Geld aus seiner Lebensversicherung planten sie eine Hotelanlage in Panama.
Der jahrelang totgelaubte britische «Kanu-Mann» John Darwin soll am Montag unter dem Vorwurf des Betruges einem Haftrichter vorgeführt werden. Seine Frau wurde am Sonntag bei ihrer Rückkehr nach Großbritannien festgenommen. «Frau Darwin wird nun ausführlich vernommen», sagte eine Polizeisprecherin. Die 55-Jährige wurde am Morgen unmittelbar nach der Landung ihrer aus Florida (USA) kommenden Maschine auf dem Airport von Manchester von uniformierten Beamten abgeführt.
Die Polizei wirft dem 57-jährigen ehemaligen Gefängnismitarbeiter vor, mit seinem vermeintlichen Tod die Auszahlung seiner Lebensversicherung ergaunert zu haben. Der hoch verschuldete Darwin hatte nach Überzeugung der Ermittler im Frühjahr 2002 bei einer Paddeltour auf der Nordsee einen tödlichen Unfall mit seinem Kanu vorgetäuscht. Zudem wird ihm nach Angaben eines Polizeisprechers vom Sonntag angelastet, sich mit falschen Angaben einen Reisepass erschlichen zu haben.
Grundstück in der Karibik gekauftDas Gericht im Nordseestädtchen Hartlepool soll am Montag auf Antrag der Strafverfolgungsbehörde zunächst die Fortsetzung der Untersuchungshaft für Darwin genehmigen. Wann die eigentliche Verhandlung beginnt, ist noch unklar.
John und Anne Darwin hatten nach Angaben britischer Medien mit dem Geld eine Karibik-Ferienanlage bauen und dort unter anderem Abenteuer-Paddeltouren anbieten wollen. Wie Reporter in Panama herausfanden, hatte das Paar in dem südamerikanischen Land vor sechs Monaten ein Grundstück in einer malerischen Gegend am Karibischen Meer gekauft.
Dorfbewohner in Panama enttäuschtBereits vor ihrer Rückkehr hatte Anne Darwin in Exklusiv-Interviews für zwei Londoner Zeitungen ein Geständnis abgelegt. Wie Darwins Frau Reportern der «Daily Mail» und des «Daily Mirror» erzählte, lebte der «Kanu-Mann» drei Jahre lang versteckt im gemeinsamen Haus des Paares in der nordostenglischen Grafschaft Cleveland.
Wie die «Times» berichtete, sollte der Sonnentraum der Darwins von einem Leben als Hotelbesitzer in Panama unweit des Dorfes Escobal verwirklicht werden. Viele Dorfbewohner sollen sich Hoffnungen auf Jobs in der geplanten Ferienanlage oder auf Geschäfte mit ausländischen Touristen gemacht haben. «Inzwischen haben wir alles erfahren über seinen vorgetäuschten Tod», sagte die Gemeindevorsteherin von Escobal, Leticia Escobar. «Was nun mit dem Land wird, wissen wir nicht, aber das Hotel wird wohl nie gebaut werden.» (dpa)