28.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Verwahrloste Kinder in Deutschland
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Berliner Polizei hat erneut Kinder aus einer vollkommen verdreckten Wohnung geholt. Im sächsischen Plauen steht eine Frau unter Verdacht, ihr Baby getötet zu haben.
Nach dem qualvollen Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie aus Schwerin werden immer neue Fälle verwahrloster Kinder bekannt. In Berlin holte die Polizei am Mittwoch drei kleine Kinder aus einer verdreckten Wohnung. Ein Anrufer meldete sich den Angaben zufolge bei der Polizei in Berlin und berichtete von einem Fall häuslicher Gewalt.
Bei der Überprüfung trafen die Beamten die Kinder im Alter von einem, drei und sechs Jahren sowie die 25-jährige Mutter an. Die Wohnung im Stadtteil Wedding war in einem verdreckten Zustand, wie die Polizei mitteilte. In der mit verschimmelten Essensresten vollgestellten Küche habe es keine kindgerechte Nahrung gegeben. Die Kinderbetten seien verschmutzt und unbezogen gewesen. In der gesamten Wohnung stellten die Beamten starken Fliegenbefall fest.
Bereits am Sonntag holte die Polizei drei kleine Mädchen aus einer Wohnung, die weinend am Fenster nach ihrer Mutter riefen. Diese war die Nacht über durch Lokale gezogen und erst am Sonntagmittag betrunken nach Hause gekommen. Auch in diesem Fall trafen die Beamten auf eine verwahrloste Wohnung.
Babyleiche im KofferWeil sie im Verdacht steht, ihre Tochter getötet zu haben, wurde im westsächsischen Plauen eine 28 Jahre alte Frau festgenommen. Wie die Polizei mitteilte, hatte das Gesundheits- und Jugendamt der Stadt auf die Frau aufmerksam gemacht. Im Zuge der Vorschuluntersuchungen sei es zu Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem 2002 geborenen Kind gekommen. Die Frau wurde laut Polizei am späten Dienstagabend festgenommen. In einer ersten Vernehmung gab sie an, dass ihre Tochter wenige Tage nach der Geburt zu Tode gekommen sei. Sie habe die Leiche des Kindes in einem Koffer versteckt.
Bei einer Wohnungsdurchsuchung im familiären Umfeld der Frau in Plauen sei der Koffer entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Die sterblichen Überreste des Kindes und der weitere Inhalt des Koffers würden untersucht.
Brandwunden und SchwellungenDie fünfjährige Lea-Sophie aus Schwerin war vor einer Woche an den Folgen monatelanger Vernachlässigung gestorben. Die Eltern ließen sie verhungern und verdursten. Bei ihrem Tod wog Lea-Sophie 7,4 Kilogramm.
Am Dienstag war ein schwerer Fall von Kindesmisshandlung in Duisburg bekannt geworden. Beamte retteten einen unterernährten zweijährigen Jungen aus einer verwahrlosten Wohnung. Das Kind hatte Schwellungen am ganzen Körper und eine Brandwunde am Fuß.
BehördenkritikAngesichts der neuen Fälle von Kindesmisshandlungen reißt die Kritik an Behörden nicht ab. Der Fall in Schwerin zeige «einmal mehr, dass Kinder den besonderen Schutz des Staates brauchen», sagte BKA-Chef Jörg Ziercke der «Bild»-Zeitung. «Die zuständigen Behörden vor Ort müssen sich noch besser aufstellen, ihre Arbeit professionalisieren.»
Es sei nicht hinnehmbar, dass Kinder immer öfter zu Opfern von Verrohung oder sexuellem Missbrauch werden, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes. In Schwerin wurden nach Ansicht des Sozialarbeiterverbandes fachliche Fehler gemacht: «Diese Fehler liegen im System, am allerwenigsten sind sie ein Versäumnis der Kolleginnen und Kollegen», sagte der Sprecher des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit, Wilfried Nodes. Er befürchte weitere Vorfälle. (AP)