01.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Flitterwochen durch Terror-Razzia gekappt
Die Bewohner eines Dorfes in der Lüneburger Heide erinnerten sich an das Terrortrio, das kürzlich im Sauerland verhaftet wurde: Der in einem Ferienhaus eingemietete Mann und seine kopftuchtragende Frau kamen ihne suspekt vor.
Unschuldig ist ein frisch verheiratetes muslimisches Paar auf seiner Hochzeitreise in der Lüneburger Heide unter Terrorverdacht geraten. Das Paar erregte vergangene Woche in Hamwiede bei Walsrode den Verdacht der Dorfbewohner. «Es ging ein ernst zu nehmender Hinweis aus der Bevölkerung ein, dass ein Ferienhaus konspirativ von einem islamischen Pärchen gemietet worden war», sagte ein Sprecher der Polizei in Soltau und bestätigte damit Zeitungsberichte. Man sei dem Hinweis nachgegangen und habe das Ferienhaus kontrolliert.
Der 26-jährige Maschinenbauingenieur, der das Ferienhaus zusammen mit seiner Frau für die Hochzeitsreise gemietet hatte, sprach hingegen «von einer Durchsuchung ohne Durchsuchungsbefehl». Die Beamten hätten geklopft, «Polizei, bitte aufmachen!» gerufen und gegen seinen Willen alle Räume des Hauses durchsucht, sagte der an der Universität Hannover arbeitende Wissenschaftler der Nachrichtenagentur AP.
Die Reaktion der Anwohner in Hamwiede dürfte auch damit zu tun haben, das sich ein Ende September im Sauerland enttarntes Terrortrio in einem Ferienhaus eingemietet hatte, um dort aus Wasserstoffperoxid Bomben zu fabrizieren. Das Bundeskriminalamt hatte damals durch monatelange Überwachung der Männer folgenschwere Anschläge verhindert.
Später war's den Ermittlern peinlichDer Mann aus dem Hamwieder Ferienhaus stammt aus Kuwait und ist Deutscher. Seine 32-jährige Frau aus Deutschland trat im Jahr 2000 zum Islam über und trägt Kopftuch. «Nach dem Öffnen der Tür bat ich die Polizei, zu warten, weil sich meine Frau gerade anzog», sagte der Wissenschaftler. Die Beamten hätten ihn aber beiseite gestoßen und alle Räume und Schränke durchgesehen. Später, als sie von der Hochzeitreise erfuhren, war den Ermittlern das eigenen Verhalten eher peinlich.
Die Polizei beendete den Besuch nach einer knappen Stunde. Als Grund gab sie eine auffällige Anreise ohne Auto und das orientalisches Aussehen an. Die Lust auf Flitterwochen war dem Paar an diesem Ort vergangen. Es brach die Hochzeitreise vorzeitig ab. (dpa)