100.000 Jahre Sex
12.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Griechisches Weingefäß mit pikanter Zeichnung.
Foto: Museum
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wie sieht eigentlich Reizwäsche aus der Bronzezeit aus? Und wie das älteste Kondom der Welt? Antworten gibt die Ausstellung «100.000 Jahre Sex» in Hagen.
Üppige Venus-Statuen, «Reizwäsche» aus der Bronzezeit, das vermutlich älteste Kondom der Welt, Keuschheitsgürtel und griechische Vasen mit deftigen Szenen. Die archäologische Ausstellung «100.000 Jahre Sex» will zeigen, wie unterschiedlich die Menschen im Laufe der Geschichte mit Lust und Leidenschaft umgegangen sind. Ab Samstag präsentiert das Historische Centrum Hagen knapp 300 Exponate aus 60 Museen.
Getreu dem Motto «Was Sie schon immer über Sex wissen wollten» können sich die Besucher auf Zeitreise begeben: von steinzeitlichen Figuren mit übergroßen Geschlechtsteilen über freizügige Malereien aus der griechischen Kunst bis hin zu erotischen Aufnahmen aus der Frühzeit der Fotografie. Nach Auskunft des Museums gibt es zahlreiche Einblicke in sexuelle Vorstellungen und Praktiken von Menschen verschiedener Epochen.
Freizügige Zeichnungen auf KeramikDie Schau zeigt auch, wie sich durch die Jahrtausende hindurch Moralvorstellungen wandelten. War es etwa im alten Rom völlig legitim, sich neben der Ehe weiteren lustvollen Beziehungen zu widmen, so sah das die Gesellschaft des Mittelalters ganz anders. «In dieser Zeit sollte Sex ausschließlich zum Zweck der Fortpflanzung stattfinden», so die Ausstellungsmacher.
Wo Worte und Schriftquellen fehlen, sprechen Zeichnungen auf Wänden, Tonfiguren, Statuen oder Bildmotive auf antiken Gefäßen von Liebe und Erotik. Freizügige Darstellungen auf antiken Keramiken geben zum Beispiel Einblick in die Welt der Prostitution - und zeigen zugleich, wie sich die damalige Männerwelt lustvolles Vergnügen vorstellte. Sie unterscheiden sich kaum von den erotischen Aufnahmen aus der Frühzeit der Fotografie, die ebenfalls in Hagen zu sehen sind.
28.000 Jahre alter Phallus aus SteinDas älteste erotische Objekt überhaupt, ein rund 28.000 Jahre alter steinerner Phallus, ist ebenso vertreten wie die ältesten Kondome der Welt. Die Ausstellung thematisiert auch die Verehrung der weiblichen Fruchtbarkeit, den öffentlich vollzogenen, kultischen Beischlaf, die christliche Reglementierung der Sexualität sowie die viktorianische Prüderie.
«Um die Objekte zu verstehen, ist es wichtig, den kulturellen Hintergrund mitzudenken», betont Kurator Vincent van Vilsteren. Scheinbar obszöne Objekte bekommen im gesellschaftlichen Kontext ihrer Zeit eine neue Dimension und erweitern den Blickwinkel der Betrachter. (Andreas Rehnolt, epd/nz)