netzeitung.deBerlins Hausnummern kapiert niemand

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Hausnummern können die Menschen in Berlin zur Verzweiflung treiben. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hausnummern können die Menschen in Berlin zur Verzweiflung treiben.
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Berlins Hausnummern verunsichern nicht nur Touristen. Grund für die Verwirrung ist das Nebeneinander von zwei verschiedenen Nummerierungssystemen.

Eine echte Berliner Kuriosität sorgt bei Touristen und Zugereisten regelmäßig für Verwirrung: Die Hausnummerierung der Hauptstadt kann selbst Hartgesottene schnell an den Rand der Verzweiflung treiben. Zum Beispiel am Kurfürstendamm. Gegenüber der ungeraden Nummer 11 ist nicht die gerade 12, wie die meisten vermuten würden, sondern 237.

Besonders ärgerlich ist das für alle, die vollbepackt unfreiwillige Fußmärsche auf sich nehmen müssen, weil sie sich auf das sonst übliche System verlassen. Wer aber glaubt, das Berliner Prinzip dann verstanden zu haben, wird meist schon an der nächsten Straßenkreuzung eines Besseren belehrt.

Mal Hufeisen, mal Zickzack
Im Straßennetz der Hauptstadt ist es nämlich keine Seltenheit, dass Hausnummern in einer Straße wechselseitig und in der Querstraße nach dem sogenannten «Hufeisenprinzip» vergeben sind. Bestes Beispiel: Der Boulevard Unter den Linden ist im Zickzack nummeriert. Das heißt auf der linken Straßenseite sind die Hausnummern ungerade, auf der rechten Seite gerade - so wie sonst in der Republik üblich. In der Friedrichstraße, die den Lindenboulevard kreuzt, herrscht das alte Hufeisensystem: Auf der rechten Seite geht es mit eins los, am Ende der Straße springt die Nummerierung auf die gegenüberliegende Seite und läuft zurück.

Eigentlich gehört Unter den Linden zu den historischen Straßen der Hauptstadt und müsste daher dem Hufeisenprinzip folgen. Die Allee wurde jedoch zu DDR-Zeiten umnummeriert.

Selbst Taxifahrer verwirrt
Um größerer Verärgerung vorzubeugen, warnen viele Reiseführer vor der Verwirrung - häufig vergeblich. Aber auch viele Berliner können nicht mit Sicherheit sagen, nach welchem Prinzip eine Straße nummeriert ist. «Selbst ein eingesessener Taxifahrer hat da hin und wieder Probleme», bekennt Uwe Gawehn von der Berliner Taxi-Innung. Dass ein Fahrer nicht auf Anhieb die richtige Hausnummer findet, käme auch nach langjähriger Berufserfahrung noch vor. Sein Patentrezept: Ein Navigationsgerät. 30 bis 40 Prozent der Taxifahrer hätten
inzwischen so eine Hilfe.

Dass es heute beide Systeme nebeneinander gibt, hat einen ganz einfachen Grund, erklärt Meyer: «Umnummerierung ist ein immenser Aufwand - auch für die Bürger.«


Zickzack-System seit 1920
Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. steht für wegweisende Taten. Für die Gründung der Berliner Universität, für die großen Reformen unter Stein und Hardenberg, für zehn eigene Söhne. Und für die Berliner Hausnummern, im ganz speziellen Hufeisensystem. 1799 wurden sie in Berlin eingeführt, Ausgangspunkt der Nummerierung waren damals das Stadtschloss und die Ortskerne. Seit Anfang der 1920er Jahre wurde dieses System abgelöst und Straßen nur noch wechselseitig mit Nummern versehen.

Probleme bereitet das Nebeneinander der beiden Systeme, wenn eine Straße verlängert werden soll. Meist wird dann aber einfach ein neuer Name vergeben. Ein Patentrezept, schnell die richtige Hausnummer zu finden, gibt es leider nicht. Für Touristen und Berlin-Neulinge bleibt meist nur: suchen. (nz/dpa)