Dramatische Rettungsaktionen in Griechenland
27.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Mindestens vier Großbrände und dutzende kleinere loderten auf der Halbinsel Peloponnes nahe Olympia im Westen, Kalamata im Südwesten und Sparta im Südosten. Weitere Feuer wüteten auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa. Starke Winde verhinderten am Montag erneut den Einsatz von Löschflugzeugen. Nach Medienberichten ist es die größte Umweltkatastrophe seit Menschengedenken in Griechenland. Verlässliche Angaben zum Ausmaß der Schäden gab es am Montag nicht.
Überall im Land wurden am Montag Brandstifter gemeldet. Mindestens 100 Personen wurden vorübergehend von der Polizei festgenommen, weil es Hinweise von Bürgern gab, sie hätten Brände gelegt. Angeklagt wurden bislang sieben Menschen. In den meisten Fällen wurde ihnen fahrlässige und nicht vorsätzliche Brandstiftung vorgeworfen. Die Regierung hatte am Vortag eine Belohnung von 100.000 bis eine Million Euro für Hinweise auf Brandstifter ausgesetzt.
Der Deutsche Feuerwehrverband bot ebenfalls Hilfe an. Die bislang von Athen angeforderten Flugzeuge und Helikopter reichten bei weitem nicht aus, sagte Verbandspräsident Hans-Peter Kröger. «Es fehlt an Kapazitäten bei der Waldbrandbekämpfung am Boden, die Luftbekämpfung reicht nicht», betonte er. Deutschland sei in der Lage, Personal und Material zur Brandbekämpfung am Boden zur Verfügung stellen, wenn die griechische Regierung dies wünsche.Auch andere europäische Länder wie Schweden, Finnland und Bulgarien boten an, mit Feuerwehrmännern und Löschhubschraubern helfen zu wollen. «Der Kampf geht weiter», sagte der griechische Minister für Öffentliche Ordnung, Vyron Polydoras.
Zeitung «Ta Nea». «Unfähig», titelte die linksliberale «Eleftherotypia».
Die Regierung unter Ministerpräsident Kostas Karamanlis beschuldigte politische Aktivisten und Terroristen, einige Brände vor allem im Raum Athen gelegt zu haben. In der Nacht zum Montag patrouillierten Soldaten und Polizisten auf den Bergen und Hügeln rund um die Hauptstadt. An mindestens drei Stellen fanden sie Brandsätze. Vermutet wird zudem, dass viele der Brände von kriminellen Bodenspekulanten gelegt wurden. Sie errichten auf den verbrannten Flächen Häuser, die später von den Kommunen häufig legalisiert werden.
Auch in anderen mitteleuropäischen Ländern loderten die Flammen. In Bulgarien kam bei einem Flächenbrand ein älteres Ehepaar ums Leben. In Italien breiteten sich bei Temperaturen von bis zu 40 Grad vor allem im Süden Waldbrände aus. Besonders schlimm betroffen war die Insel Ponza im Tyrrhenischen Meer unweit von Rom. Mehrere Häuser und ein Hotel mussten evakuiert werden, rund 600 Menschen harrten stundenlang am Hafen aus. Die meisten Brände seien absichtlich gelegt worden, hieß es.
Urlauber können trotz der Brände in der Regel nicht von gebuchten Reisen zurücktreten. «Wenn nicht gerade Rauchschwaden über das Urlaubsgebiet ziehen, gibt es keine Möglichkeit einer Stornierung», sagte Ronald Schmid, Professor für Reiserecht an der Technischen Universität Dresden. Kostenlose Umbuchungen seien in der Regel erst möglich, wenn die Beweglichkeit in der Ferienregion stark eingeschränkt oder die Versorgung mit Lebensmitteln nicht gewährleistet sei. Die großen Veranstalter gaben am Montag an, zunächst keine Stornierungen oder Umbuchungen anbieten zu wollen. (dpa / AP)

