netzeitung.deGesünder leben in Süddeutschland

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Sonnenuntergang in Stuttgart (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sonnenuntergang in Stuttgart
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Darauf haben wir gewartet: Ein Gesundheitsatlas, der aufzeigt, wo in Deutschland das Leben noch lebenswert ist. Stuttgart bietet demnach die höchste Lebenserwartung, Berlin liegt abgeschlagen auf Platz 72.

Süddeutsche Städte sind besser für die Gesundheit: Das baden-württembergische Ulm ist einer Studie zufolge die gesündeste Stadt Deutschlands, im benachbarten Stuttgart ist die Lebenserwartung am höchsten. Für den ersten so genannten Gesundheitsatlas verglich die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) im Auftrag der Zeitschrift «Healthy Living» die 81 größten deutschen Städte, wie das Magazin am Dienstag in Hamburg mitteilte.

Auf Platz zwei des Gesundheitsrankings liegt demnach Erlangen, auf Platz drei Heidelberg. Die Schlusslichter sind Halle (Platz 79), Gelsenkirchen (Platz 80) und Herne (Platz 81).
München vorn, Berlin hinten
Im Vergleich der deutschen Metropolen hat eindeutig München die Nase vorn - die bayerische Hauptstadt belegt im Gesamtranking Platz 6. Es folgen Stuttgart auf Rang 13, Frankfurt/Main auf Rang 16 und Hamburg auf Rang 23. Köln liegt im Mittelfeld auf dem 32. Platz. Berlin schaffte es nur auf Rang 72.

Die Studie ist nach Angaben des Magazins die bisher umfassendste Datensammlung dieser Art. Sie berücksichtigt mehr als 3600 Einzeldaten aus öffentlichen Quellen, wie Messwerte des Umweltbundesamtes, Zahlen des statistischen Bundesamtes und die aktuelle Kriminalstatistik. Zu den Daten zählen harte Fakten wie Lebenserwartung, Anzahl von Krankenhausbetten und Höhe der Feinstaubbelastung. Aber auch Kriterien wie Krippenplätze, Straftaten und die Häufigkeit von Theaterbesuchen wurden berücksichtigt.

Im Osten mangelt es an Fachärzten
Wie gesund eine Stadt ist, kann man der Studie zufolge zuerst an der Lebenserwartung ihrer Bewohner ablesen. Die Unterschiede sind erheblich: «Ein heute in Saarbrücken geborenes Mädchen hat zum Beispiel eine um 2,6 Jahre geringere Lebenserwartung als eine Neugeborene in Stuttgart», sagt «Healthy Living»-Chefredakteur Walter Dreher. In Stuttgart werden Frauen durchschnittlich 82,8 Jahre alt, Männer 77,8 Jahre. Bei Schlusslicht Gelsenkirchen können Frauen hingegen nur auf 80,3 Jahre und Männer auf 73,7 Jahre hoffen.

Auch im Hinblick auf die medizinische Versorgung werden regionale Unterschiede deutlich: In vielen ostdeutschen Regionen mangelt es demnach an Fachärzten, im Ruhrgebiet an Allgemeinmedizinern. So kommen in Mülheim/Ruhr nur 30 Allgemeinärzte auf 100.000 Einwohner, in Freiburg und Würzburg sind es 78. Auch bei der Zahl der Krankenhausbetten hat der Süden die Nase vorn: In Heidelberg stehen für 1.000 Einwohner 22,8 Klinikbetten zur Verfügung, beim Tabellenletzten Bergisch Gladbach hingegen nur 4,4.

Kiel ist die Stadt mit der saubersten Luft, Magdeburg ist die grünste. Hier liegt der Anteil an Erholungsflächen bei 12,8 Prozent der Gesamtfläche. Berlin bringt es immerhin auf 11,5 Prozent. Verlierer in dieser Kategorie ist Siegen mit gerade mal 0,5 Prozent Erholungsflächen.

München liegt bei Sportlichkeit vorn
Für die Studie wurden auch Punkte berücksichtigt, die erst auf den zweiten Blick Auswirkungen auf die Gesundheit haben, wie Straftaten und Theaterbesuche: «Kognitive Auseinandersetzung, beispielsweise durch kulturelle Veranstaltungen, ist gut für die Gesundheit im Alltag», sagt Ulla Walter von der Medizinischen Hochschule Hannover. So besuchen die Ulmer mit 1,75 Mal pro Jahr am häufigsten ein Theater, und Freiburg bietet die meisten Volkshochschulkurse. In der Kategorie Sicherheit liegt Bergisch Gladbach an der Spitze, mit nur 5366 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Schlusslicht ist Frankfurt/Main mit 17.570 Straftaten.

Beim Sport ist München Spitzenreiter: Hier sind 395,1 Menschen pro 1.000 Einwohner Mitglied in einem Sportclub. Weit abgeschlagen sind die ostdeutschen Städte: Schlusslicht Chemnitz hat nur 118,4 Vereinsmitglieder pro 1.000 Einwohner.

Für das nächste Heft wurde die Studie in Zusammenarbeit mit der DAK um die Einschätzung der Einwohner erweitert. Bundesweit wurden mehr als 17.000 Kunden der Krankenkasse befragt. (Von Simone Utler, AP)