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Jetzt spricht Natascha Kampusch

20. Aug 2007 21:19, ergänzt 22:29
Das Verlies von Natascha Kampusch
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Knapp ein Jahr nach ihrer Befreiung hat die in einem Kellerverschlag gefangene Natascha Kampusch über ihr neues Leben gesprochen. Sie habe ein wenig ihre Scheu vor anderen Menschen verloren.

Ein Jahr nach ihrer Flucht aus den Händen ihres Entführers Wolfgang Priklopil hat die inzwischen 19-jährige Österreicherin Natascha Kampusch noch immer gesundheitliche Probleme, die von ihrer achtjährigen Gefangenschaft herrühren. «Jetzt geht es mir sukzessive besser, obwohl ich noch immer recht schreckhaft bin und ich immer noch meine Kreislaufprobleme habe», sagte die junge Wienerin am Montagabend in einem vom ORF-Fernsehen ausgestrahlten Interview.

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Nach ihrer Gefangenschaft in dem dunklen Kellerverlies ihres Kidnappers werde es sicher «noch lange dauern», bis sie «irgendjemand wirklich voll vertrauen kann». Kampusch: «Ich habe ein klein wenig meine Scheu vor anderen Menschen verloren, und diese Ängstlichkeit ist weggegangen.» Allerdings hätten «diese acht Jahre (in den Händen ihres Entführers) «mich eben heute zu dem gemacht, was ich jetzt bin (...) Ich kann sie nicht ableugnen.»

Natascha Kampusch war im März 1998 im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg aus einem Wiener Stadtteil von dem Radiotechniker Priklopil entführt worden. Achteinhalb Jahre hielt dieser sie in einem Kellerverlies in einer Garage in einem kleinen Ort in Niederösterreich gefangen, bis ihr am 23. August 2006 die Flucht gelang. Der damals 44-jährige Priklopil beging unmittelbar danach Selbstmord.

Im Gespräch mit dem ORF-Journalisten Christoph Feurstein gab die junge Frau, die inzwischen ihren Hauptschulabschluss nachmacht, zu, dass sich das Bild ihres Peinigers «nicht groß verändert» habe. Eigentlich tue der Mann ihr «immer mehr leid». Das, was er ihr angetan habe, sei «einfach weiter in die Ferne gerückt». Um das Trauma der Entführung und Gefangenschaft aufzuarbeiten, sei sie sogar an den Ort ihrer Gefangenschaft zurückgekehrt: «Es kommen schon gewisse Erinnerungen hoch, wenn sie da diesen dicken Betonblock sehen und sich denken, da waren sie drinnen eingesperrt». Allerdings sei dieses Haus für sie inzwischen «nur ein Schauplatz».

Kampusch bestätigte in dem Interview, dass sie nach dem Selbstmord ihres Entführers am Sarg Priklopils «Abschied genommen» habe. Schließlich habe sie ihm einmal «zynisch» geschworen: «Eines Tages werde ich auf deinem Grab tanzen.» Kampusch: «Das war natürlich nicht der Fall, aber es war schon auch eine gewisse Genugtuung dabei, so eine Art Sieg», schildert sie ihre Gefühle über den Tod des Entführers. «Es war immer klar, es konnte nur einen von uns beiden geben und ich war das, letztendlich, und er nicht. Das war auch so ein bisschen Bedauern dabei, Mitleid.»

In dem Interview kritisierte Kampusch auch das kürzlich von ihrer Mutter Brigitta Sirny veröffentlichte Buch über die Zeit ohne ihre Tochter. «Sie muss das für sich selbst vertreten können und offenbar ist das so und das kann ich nicht ändern», meinte die 19-Jährige. «Ich würde anders handeln, das ist klar, jeder hat sein eigenes Gewissen und jeder wiegt für sich ab, was ethisch und moralisch vertretbar ist. Vorwürfe gab es auch an die Adresse ihres Vaters, der «im Umgang mit der Presse naiv» sei. (dpa)

 
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