Pinkeln kann den Schweden 85 Euro kosten
16.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Ob so ein Schild helfen würde?
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Einfach den nächsten Pfahl ansteuern und Wasser lassen, weil das Bier drückt: Schweden hat ein Problem mit urinierenden Männern in der Öffentlichkeit. Die Polizei fährt eine harte Linie.
Schwedens Polizei macht wie nie zuvor Jagd auf Pinkler an Straßenlaternen, Parkbäumen, Büschen und Kioskwänden. Die Zahl der verhängten Bußgelder für öffentliches Urinieren ist in diesem Jahr explosionsartig in die Höhe geschnellt. 2500 Schweden haben seit Jahresbeginn schon das Bußgeld über 800 Kronen (85 Euro) für «Erregung öffentlichen Ärgernisses» in die Staatskasse zahlen müssen, berichtete die Zeitung «Metro». «Alles andere hat nicht geholfen», sagt Polizeisprecher Ulf Karlsson in der Ostseestadt Kalmar.
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 3300 Pinkelsünder zur Kasse gebeten - da betrug die Strafe noch 500 Kronen. Die neue Linie hat laut Karlsson auch damit zu tun, dass die öffentliche Belästigung durch Wasserlassen - im Schwedischen «kissa» genannt - massiv zugenommen hat: «Wir haben jetzt praktisch südeuropäische Zustände mit all den Freiluft-Kneipen und Cafés. Da steuern die Leute nach dem großen Bier einfach den nächsten Pfahl an.» 90 Prozent aller ertappten Männer seien betrunken gewesen.
Strafzettel statt DiskussionenDie Kontrolleure sind gehalten, nicht erst lange zu diskutieren, sondern gleich den Strafzettel zu zücken, wenn sie jemanden in flagranti ertappen. «Natürlich sind wir nicht so, falls jemand triftige Gründe wie eine Prostata-Erkrankung vorbringen kann», sagt Karlsson. Die meisten Betroffenen würden anstandslos zahlen, aber in der Regel auch mit schwerer Zunge fragen, ob die Polizei denn nichts Besseres zu tun habe.
Karlsson kennt keinen Fall mit einer Frau als Pinkelsünderin. Dafür sind Frauen die Opfer umso häufiger weiblich. Wie Margita Westin aus Östersund, deren Vorgarten direkt gegenüber von einem Biergarten liegt. «An diesem Wochenende war's ruhig. Ich hab nur etwa zehn Leute in meinem Garten pinkeln gesehen», berichtete sie in der Ortszeitung.
Kunst bleibt straffreiWenn Frauen sich das Recht herausnehmen, öffentlich zu pinkeln, löst das in der Männer-Welt gleich einen Sturm der Entrüstung aus. So geschehen im Frühsommer in Schweden, als die spanische Performancekünstlerin Itziar Okariz in Umeå nördlich des Polarkreises «Public Peeing» («Öffentliches Pinkeln») im Stehen aufführte. «Ja, zahlen wir denn für so was unsere Steuern» fragten empörte männliche Leserbriefschreiber, die sich ungerecht behandelt fühlten. Okariz ging nämlich nicht nur straffrei aus, sie bekam für ihre Kunst auch noch 10.000 Kronen Honorar. (dpa)