netzeitung.deSechs Tote bei Bluttat in Duisburg

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Rettungskräfte bergen ein Opfer der Bluttat von Duisburg (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Rettungskräfte bergen ein Opfer der Bluttat von Duisburg
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Sie sind Italiener und gehörten möglicherweise einer Mafia-Organisation aus dem Süden des Landes an. Weil Tathergang und Motive unklar sind, ermitteln nicht nur Duisburger Polizisten auf Hochtouren.

Die sechs Opfer der brutalen Bluttat von Duisburg sind nach Angaben der Polizei Italiener im Alter von 16 und 39 Jahren. Die Familien der Opfer würden derzeit befragt, sagte am Mittwoch Polizeisprecher Reinhard Pape.

Italienische Zeitungen berichteten online, es handele sich offenbar um Männer aus Kalabrien, die einer lokalen Mafiagruppe angehören. Das hätten erste Ermittlungen der Polizei der Provinz Reggio Calabria ergeben, die in Verbindung mit Interpol in Rom und den Behörden in Duisburg stehe.

Die Opfer gehörten demnach zu einem von zwei rivalisierenden Clans der süditalienischen Verbrecherorganisation 'Ndrangheta. Das Killerkommando der gegnerischen Familie sei direkt aus Kalabrien nach Duisburg geschickt worden. Laut den Ermittlungen soll der Eigentümer der Pizzeria, in deren Nähe das Verbrechen begangen wurde, zu einer der beiden Familie gehören, die sich in der Ortschaft San Luca bekämpften.

«Beispiellose Abrechnung»
«Es ist eine beispiellose Abrechnung, auch deshalb, weil sie erstmals im Ausland stattfand», zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa den stellvertretenden Chef der Polizei von Reggio Calabria, Luigi De Sena. «Die Präsenz von Kalabrern in Deutschland ist stark, aber bislang haben sie sich immer zurückgehalten und versucht, nicht aufzufallen.»

Die Männer waren in der Nacht zum Mittwoch in der Nähe des Hauptbahnhofs offensichtlich mit Kopfschüssen getötet worden. Fünf von ihnen waren bereits tot, als die Beamten am Tatort eintrafen. Der sechste starb auf dem Weg ins Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte.

Die Autos, mit denen die Opfer unterwegs waren, trugen Nummernschilder aus Pforzheim und Duisburg. Wie Polizeisprecher Pape mitteilte, wohnten drei der Italiener in Duisburg und Mülheim. Möglicherweise hatten sie vor ihrem Tod das nahe liegende Restaurant besucht.

Schüsse in den Kopf
Die Getöteten waren laut der Polizei unbewaffnet. Sie seien von der Seite oder von hinten erschossen worden. Die Beamten fanden am Tatort etwa 70 Patronenhülsen. Sie werteten auch Videos einer Überwachungskamera eines Verwaltungsgebäudes in der Nähe aus. Zwei Männer seien nahe dem Tatort gesehen worden, hieß es. Ob die Unbekannten etwas mit den tödlichen Schüssen zu tun hatten, war zunächst nicht bekannt.

Die Polizei will gegen Mittag nähere Einzelheiten der Tat bekannt geben. Polizeisprecher Reinhard Pape sagte am Morgen zunächst, die Hintergründe für die Bluttat seien noch völlig offen. «Wir wissen noch nichts», sagte Pape. Die Spurensicherung war im Einsatz, die Suche nach Zeugen lief auf Hochtouren.

Tatort weiträumig abgesperrt
Eine Frau hatte um 2:30 Uhr Schüsse gehört und eine zufällig vorbeifahrende Polizeistreife angehalten. Die Beamten eilten sofort zum Tatort. Dort fanden sie die Toten. Bei dem in Pforzheim zugelassenen Wagen handelt es sich um einen VW Golf. Das andere Fahrzeug ist ein Kleintransporter.

Der Fundort der Leichen im Stadtteil Neudorf ist eine zweispurige Straße gut 100 Meter von Hauptgebäude des Bahnhofs entfernt. Angrenzend befindet sich ein großes Verwaltungsgebäude. Unweit davon ist die Universität. Um die Spurensicherung nicht zu stören, wurde der Fundort weiträumig abgesperrt. Ermittler stellten Zelte auf. Der Bahnverkehr ist trotz der Nähe zum Bahnhof nicht beeinträchtigt. Allerdings wurden zwei U-Bahn-Eingänge geschlossen.

Die hohe Zahl der Opfer weckt Erinnerungen an den siebenfachen Mord von Sittensen. Im vergangenen Februar waren bei einem Raubüberfall in einem China-Restaurant in der niedersächsischen Stadt das Betreiber-Ehepaar und fünf Angestellte erschossen worden. (nz/dpa/AP)