netzeitung.deMächtigster Kokainhändler Kolumbiens gefasst

 Herausgeber: netzeitung.de

Kampf gegen das Kokainkartell (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kampf gegen das Kokainkartell
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Er gilt als einer der mächtigsten Drogenbosse Kolumbiens. In Sao Paulo ist Juan Carlos Ramírez Abadía verhaftet worden. Er soll an die USA ausgeliefert werden.

Einer der mutmaßlich mächtigsten Kokainhändler der Welt, der Kolumbianer Juan Carlos Ramírez Abadía, ist in Brasilien gefasst worden. Wie Medien unter Berufung auf die Polizei berichteten, wurde der 44-jährige Abadía am Dienstag in São Paulo verhaftet. Der Kolumbianer sei um 6 Uhr 30 Ortszeit in einer Luxuswohnung in einem Vorort der Wirtschaftsmetropole von der Bundespolizei überrascht worden und habe keinen Widerstand geleistet.

Der Drogenboss war unter dem Rufnamen «Chupeta» (Schluck) bekannt und unter anderem auch von der US-Antidrogenbehörde DEA gesucht worden. Er gilt als Chef des zur Zeit größten kolumbianischen Kokainkartells, des «Cartel Valle do Norte». Abadía wird unter anderem des mehrfachen Mordes und der Geldwäsche beschuldigt. Sein Vermögen wird von der DEA auf mindestens 1,8 Milliarden US-Dollar (etwa 1,3 Milliarden Euro) geschätzt. Für Hinweise, die zu seiner Verhaftung führen, hatte die DEA fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Nach Erkenntnissen der amerikanischen Polizei ist der aus Cali stammende Abadía seit 1986 als Drogenhändler tätig. In den neunziger Jahren soll seine Organisation über die Grenze zu Mexiko Dutzende Tonnen Kokain in die USA gebracht haben. In Kolumbien wurde er zwei Mal verhaftet. Zwischen 1996 und 2000 saß er in seinem Heimatland hinter Gittern. Das südamerikanische Land wies aber zwei Auslieferungsanträge der USA zurück. Abadía soll unter anderem die Ermordung mehrerer Konkurrenten in Auftrag gegeben haben.

Operation «Lumpen»
Der Kolumbianer wurde im Rahmen der groß angelegten Operation «Farrapos» (Lumpen) dingfest gemacht. In der Aktion gegen internationalen Drogenhandel will die Bundespolizei nach eigenen Angaben insgesamt 16 Haftbefehle in den Bundesländern São Paulo, Rio de Janeiro, Minas Gerais, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul im Südosten und Süden Brasiliens vollstrecken.

Es sei kein Wunder, dass Abadía nach Brasilien gekommen sei, meinte der frühere Antidrogenbeauftragte der Regierung in Brasilia, Walter Maierovitch. «Zur Drogenproduktion benötigt man chemische Produkte, und Brasilien ist einer der größten Lieferanten», so der Experte. Außerdem sei Brasilien ein Transitland für das nach Europa gebrachte Rauschgift.

Das Kartell «Valle do Norte» habe in Kolumbien in den neunziger Jahren den Platz der zerschlagenen «Cartel de Cali» der Brüder Gilberto und Miguel Rodriguez Orejuela und «Cartel de Medellin» des 1993 von der Polizei getöteten legendären Pablo Escobar eingenommen, erklärte Maierovitch. Abadía könne nun von Brasilien nach Kolumbien oder auch an die USA ausgeliefert werden. (dpa)