07. Aug 2007 16:52
Sie wolle Eltern anderer Entführungsopfer helfen, sagt Brigitta Sirny. Die Mutter von Natascha Kampusch hat ein Buch über die achteinhalb Jahre ohne ihre Tochter vorgestellt.
«Vergessen kann ich diese achteinhalb Jahre nie, aber es ist doch leichter, damit umzugehen», erklärte sie der Nachrichtenagentur APA zufolge. Während die Mutter das Buch vorstellte, hörte auch Natascha Kampusch zu: Mit großer Sonnenbrille saß sie hinter einem Fächer versteckt in der letzten Stuhlreihe des Raumes. Kampusch ist der Mädchenname ihrer Mutter.Nachdem das damals zehnjährige Mädchen 1998 auf dem Schulweg entführt worden war, hielt ihr Peiniger sie die meiste Zeit in einer fensterlosen Zelle in einem Wiener Vorort gefangen. Kampusch entkam am 23. August 2006, als ihr Entführer Wolfgang Prikopil einen Moment abgelenkt war. Prikopil brachte sich noch am gleichen Tag um.
Sirny erklärte, sie wolle mit dem Buch auch anderen Eltern von entführten Kindern eine Hilfestellung bieten. Einen Monat lang führten die beiden Co-Autoren Andrea Fehringer und Thomas Köpf intensive Interviews mit der 57-Jährigen und brachten ihre Geschichte zu Papier - ihre Sichtweise der Jahre ohne Natascha, der Umgang mit Journalisten und Polizei sowie Versuche, ihre Tochter mit Hilfe von Experten fürs Übersinnliche zu finden.
Das Schreiben und die Veröffentlichung des Buchs hätten zu keinen Konflikten zwischen ihr und Natascha geführt, betonte Sirny. Natascha Kampusch sei mit einbezogen worden und habe das Buch mit seinen 206 Seiten vor der Veröffentlichung «mit großer Aufmerksamkeit und sehr konzentriert» gelesen. Anmerkungen und marginale Änderungen der 19-Jährigen seien berücksichtigt worden, erklärte der Geschäftsführer des Carl Ueberreuter Verlags, Fritz Panzer.
Der Kontakt zu ihrer Tochter sei sehr gut, sagte Sirny. «Wir besuchen Freunde, gehen schwimmen, shoppen, besuchen die Großmutter und Schwestern - wie eine normale Familie.» Gesprochen habe sie mit Natascha über das Buch noch nicht: «Wir haben andere Dinge, die wichtiger sind - in der Beziehung Mutter-Tochter.» (AP)