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Lupe Zustand deutscher Brücken immer schlechter

Durchsickerndes Wasser, bröckelnder Beton – fast jeder kennt solche Brücken, in deren Ecken sich die Spuren des Alters zeigen. Einmal errichtet, überlassen die Verantwortlichen die Bauwerke erst mal sich selbst.

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke über den Mississippi richten Experten ihre Aufmerksamkeit auf die Brücken hierzulande. «Das Unglück in den USA sollte uns zu denken geben», sagte der Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Prüfingenieure für Bautechnik (BVPI), Manfred Tiedemann.

Zwar gebe es für alle Brücken regelmäßige Überwachungen und Prüfungen. Der Zustand einer Brücke werde dann mit Noten bewertet. Demnach sei der Zustand deutscher Brücken in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden. Normalerweise werden die Brücken in einem Rhythmus von drei und sechs Jahren gründlich gecheckt.

In Minneapolis war mitten im Berufsverkehr eine Autobahnbrücke eingestürzt, vier Menschen starben, Dutzende wurden vermisst. Mehr als 60 Menschen erlitten teilweise lebensgefährliche Verletzungen. Insgesamt waren am Mittwochabend etwa 50 Fahrzeuge zusammen mit riesigen Beton- und Metallteilen rund 20 Meter in den Abgrund gestürzt, als die Brücke über dem Mississippi einbrach.

KeineAngst
«Wir stellen leider fest, dass Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen nicht regelmäßig stattfinden», sagte Tiedemann. Erst wenn es erkennbare Defizite gebe, würden die Brücken nach zehn oder 15 Jahren saniert. Allerdings sei nach seiner Einschätzung der Zustand der Brücken in Deutschland noch immer besser als der in den USA.

«Angst haben muss man sicher nicht», entwarnt auch der ADAC-Verkehrsexperte Andreas Hölzel. Bei einem kürzlich veröffentlichten Brückentest des Verkehrsclubs waren zwar sechs von 50 Brücken wegen Sicherheitsmängeln durchgefallen, aber «keine der getesteten Brücken in Deutschland ist akut einsturzgefährdet», sagte Hölzel. Bei den Autobahnbrücken führen der Bund alle drei Jahre vorgeschriebenen Untersuchungen aus, die Länder tun das für ihre Brücken ebenso. Eine in Deutschland geltende Norm (DIN) schreibt zudem vor, dass alle sechs Jahre ale Brücken einer tiefen Prüfung zu unterziehen sind. Dabei schauen die Prüfer mit Endoskopen auch in Hohlkörper. (nz/AP)