02.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
In den Trümmern verkeilte Autos
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Ich hörte es knirschen, dann brach die Brücke zusammen»: Viele Berufspendler in Minneapolis überlebten das Unglück zur Rush-hour nur knapp.
Es war ein ganz normaler Nachmittag, zahlreiche Menschen waren wie immer mit dem Auto auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Als sie auf die achtspurige Brücke fuhren, die die Städte Minneapolis und St. Paul verbindet, freuten sich viele schon auf den Feierabend.
Auf einmal fing die Brücke über dem Mississippi jedoch an zu schwanken. «Ich trat voll auf die Bremse und sah, dass etwas vor mir verschwand», sagte der Augenzeuge Dennis Winegar später dem US-Sender CNN. Mit seinem Fahrzeug sei er dann etwa 15 Meter in die Tiefe gestürzt. Winegar hatte großes Glück, nicht im Fluss zu landen. «Als ich ausstieg, sah ich, dass sich ein anderes Auto unter meinem verkeilt hatte.»
An der Unglücksstelle brach Panik aus. Niemand wusste zunächst, was passiert war. Was es ein Anschlag oder ein Erdbeben? Geschockte Autofahrer sprangen aus ihren Fahrzeugen und kletterten über die riesigen Spalten in der Brückenkonstruktion. Wieder anderen gelang es, ans Ufer zu schwimmen. Für mindestens sieben Menschen gab es jedoch keine Rettung, Dutzende wurden teils schwer verletzt.
Er habe plötzlich ein «Knirschen» gehört, berichtete ein anderer Augenzeuge. «Alles brach zusammen, und irgendwann wurde auch ich in die Tiefe gerissen.» Peter Siddons überlebte, weil sein Auto mit einem anderen Fahrzeug zusammenstieß und dadurch blockiert wurde. An verbogenen Trümmerteilen hangelte er bis zum Ufer hinunter. «Autos flogen durch die Luft, und ich fiel hinab und sah nur noch Wasser», erinnerte sich eine andere Überlebende.
Kinder retteten sich aus einem BusAuf der Brücke fuhr auch ein Schulbus mit Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren, die gerade vom Schwimmen kamen. Es habe zwei Mal einen großen Ruck gegeben, dann sei der Bus gegen einen Betonpfeiler geprallt, erzählte ein Schüler. Durch die Hintertür konnten sich die Insassen dann in Sicherheit bringen.
Vom sicheren Ufer beobachtete der Lastwagenfahrer Charles Flowers das Unglück. Im Fluss hätten auf einmal überall Autos getrieben, sagte er. Flowers und andere Zeugen versuchten zu helfen, wo sie konnten. Sofort waren viele Leute da, sagte eine Frau, die sich aus einem Auto auf der Brücke retten konnte. «Für mich sind es Engel».
Warum die Brücke einstürzte, ist bisher noch unklar. Laut Medienberichten könnten Bauarbeiten das Unglück ausgelöst haben. Einen Terroranschlag hatten die Behörden im US-Bundesstaat Minnesota jedenfalls rasch ausgeschlossen. (nz)