«Feuer, Angst und Tod in den Ferien»
25.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Frauen, Kinder, alle haben sich ins Wasser gestürzt und sind einen Kilometer weit ins Meer gelaufen. Es war wie der Auszug aus Ägypten», erklärte ein verängstigter Augenzeuge. Wochenlange Trockenheit und heiße Schirokko-Winde aus Afrika machen es den Brandherden leicht, sich innerhalb von Minuten in gigantische Feuerwände zu verwandeln.
Fünf Brandstifter wurden in den vergangenen Tagen bereits festgenommen - jedoch müssen sie auf frischer Tat ertappt werden, weil die Polizei sonst laut Gesetz nicht zugreifen darf. Die meisten Brandleger sind laut jüngsten Statistiken Rentner zwischen 61 und 70 Jahren, die sich dank dieser Aufträge ihre Pension aufbessern wollen. Einer der Inhaftierten - ein 63-jähriger Arbeiter - meinte zu seiner Tat: «Feuer zu legen ist für mich ein Zeitvertreib.»
Insgesamt 300 Feuer wurden im ganzen Land gezählt, besonders schlimm traf es neben Apulien auch die Regionen Kalabrien und Kampanien. Auch vor der weltberühmten Amalfiküste mit ihren zerklüfteten Felswänden machte die Feuersbrunst nicht halt. Zeitweise war hier in den Ortschaften Amalfi, Maiori und Ravello die Stromversorgung unterbrochen; die besonders bei Touristen beliebte Staatsstraße 163, die herrliche Aussichten auf das Mittelmeer bietet, wurde stundenlang gesperrt.
Mehr als 300 Menschen mussten sich in der Gegend mit Rauchvergiftungen behandeln lassen, für zwei Senioren kam jede Hilfe zu spät: Sie verbrannten in ihrem Auto. Auch ein Friedhof in Peschici fiel den Flammen zum Opfer, mehrere Gasleitungen explodierten.
Die Einsatzkräfte waren mit hunderten Löschflugzeugen im Einsatz. Selbst die spanische Regierung schickte mehrere Canadair-Maschinen zur Verstärkung, um auf der Insel Sardinien die Brände zu bekämpfen. «Es ist eine Tragödie», sagte Bertolaso. «Wir befinden uns im Krieg mit Kriminellen, die die Hitze dieser Tage ausnutzen, um überall in Italien Feuer zu entzünden.» Mit Blick auf die unermüdliche Arbeit von Feuerwehr und Einsatzkräften fügte er hinzu: «Aber wer unserem Land schaden will, der wird verlieren.» (Carola Frentzen, dpa)

