netzeitung.deMindestens 200 Tote bei Flugzeugunglück

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Brand beim Flugzeugunglück auf dem Airport Congonhas in Sao Paulo (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Brand beim Flugzeugunglück auf dem Airport Congonhas in Sao Paulo
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Bei dem wohl schwersten Flugzeugunglück in der Geschichte Brasiliens sind wahrscheinlich etwa 200 Menschen getötet worden. Staatspräsident Lula rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Bilderschau: Airbus rast in Tankstelle

Eine Maschine der brasilianischen Fluggesellschaft TAM ist am Dienstagabend bei der Landung nach einem Inlandsflug in Sao Paulo über die regennasse Landebahn hinausgeschossen, über eine stark befahrene Straße gerutscht und in eine Tankstelle und ein Gebäude der TAM gerast. Dann ging der Airbus A320 in Flammen auf.

Bei dem wahrscheinlich schwersten Flugzeugunglück in der Geschichte Brasiliens sind vermutlich alle 186 Menschen an Bord und 15 weitere Menschen am Boden ums Leben gekommen, wie der örtliche Gouverneur José Serra mitteilte. Bis zum Mittwochmorgen (Ortszeit) wurden laut Medienberichten mindestens 200 Leichen geborgen. Die Chancen, Überlebende zu finden seien gleich Null, hieß es. Mindestens zehn Menschen seien verletzt worden. Durch die Explosion hätten in dem Airbus Temperaturen von 1000 Grad geherrscht, sagte Gouverneur Serra.
Mehrere Explosionen
Rund 400 Feuerwehrmänner sowie Dutzende Notärzte und Polizeibeamte waren im Einsatz. Die Flammen waren den Medienberichten zufolge Stunden nach dem Unglück zwar «fast völlig» unter Kontrolle, aber noch nicht gelöscht. Das Feuer habe aber ein Gebäude der TAM-Luftfrachtabteilung, in das das Flugzeug gerast war, sowie ein weiteres Geschäftsgebäude und einige angrenzende Häuser weitgehend zerstört. Ein Gebäude sei eingestürzt. Auch mehrere Explosionen seien zu hören gewesen. Anwohner des Stadtteils Moema berichteten von Panikreaktionen.

Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Lula sei «tief betroffen» und verspreche den Opfern eine eingehende Untersuchung des Unfalls, sagte ein Regierungssprecher in Brasilia. Der Staatschef rief einige seiner Minister noch in der Nacht zu einem Krisentreffen in Brasilia zusammen.

Die Unfallursache steht bislang nicht fest. Das aus der südbrasilianischen Stadt Porto Alegre kommende Flugzeug kollidierte nach Medienberichten bei dem Unfall auch mit einigen Autos, als es über die an den Flughafen grenzende Straße rutschte. Vermutlich habe der Pilot nach gescheiterter Landung noch versucht, durchzustarten, meinten Experten. Zum Zeitpunkt des Unglücks regnete es stark, die Landebahn war nass.

Aquaplaning-Gefahr auf Landebahn
Experten haben schon länger gewarnt, dass es bei Regen zu einem solchen Unfall kommen könnte, weil die Landebahn des Flughafens Congonhas in Sao Paulo bei Nässe für die Landung großer Maschinen zu kurz sei. Erst Ende Juni war die Modernisierung der Hauptlandebahn abgeschlossen worden. Es wurde jedoch kritisiert, dass sie ohne sicherheitserhöhende Rillen in Betrieb genommen wurde. Die Rillen sollen die Gefahr von Aquaplaning verhindern.

Der städtische Flughafen Congonhas wurde derweil für unbestimmte Zeit geschlossen. Eine längere Schließung sei nicht ausgeschlossen, sagte ein Regierungssprecher. Congonhas ist nach Guarulhos der zweitgrößte Flughafen der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo. Er wurde in den 30er Jahren in einem damals unbewohnten Gebiet gebaut worden. Heute befindet er sich mitten in dem vornehmen Viertel Moema, in unmittelbarer Nachbarschaft von Hochhäusern, Hotels und Einkaufszentren.

Unglück am Montag endete glimpflich
Erst am Montag war eine andere Maschine bei der Landung in Congonhas von der Landebahn abgekommen. Die Maschine kam erst auf einer Rasenfläche unweit des Absperrzauns um den Flughafen zum Stehen. Am 31. Oktober 1996 war eine Fokker der TAM kurz nach dem Start in Congonhas über Moema abgestürzt. Alle 90 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder sowie drei Menschen am Boden kamen damals ums Leben.

Im September vergangenen Jahres wurde Brasilien vom bis dato schlimmsten Flugzeugunfall seiner Geschichte erschüttert. Eine Maschine der Airline Gol stieß über dem Amazonas-Urwald mit einer kleineren Privatmaschine zusammen. Alle 155 Insassen des Gol-Flugzeugs starben, die Privatmaschine konnte notlanden. Seitdem sorgten die Fluglotsen des Landes mit Arbeitsniederlegungen und Dienst nach Vorschrift für eine Krise, die bis heute nicht gelöst ist. Die Lotsen fordern bessere Arbeitsbedingungen. (dpa/AP)