16.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
In einem Wartezimmer
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Fünf Jahre lang hat ein Arzt bundesweit in Kliniken und Praxen gearbeitet, obwohl er gar keine Zulassung mehr hatte. Jetzt steht der Mediziner wegen Betrugs vor Gericht.
Ein Arzt, dem wegen sexueller Übergriffe schon vor zehn Jahren die Zulassung entzogen worden ist, hat weiterhin in ganz Deutschland Patienten behandelt. Vor dem Landgericht Coburg legte der 72-jährige Internist zum Prozessauftakt am Montag ein Geständnis ab. Ihm wird Betrug in 28 Fällen und unberechtigte Ausübung des Arztberufs in 19 Fällen zur Last gelegt.
Der Mediziner hatte seine Approbation 1997 wegen sexuellen Missbrauchs einer 16-jährigen Patientin verloren. Er war deshalb zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einem Berufsverbot verurteilt worden. Trotzdem hatte er laut Anklage von Oktober 2001 bis September 2006 bundesweit als Vertretung in Kliniken und Praxen gearbeitet und knapp 300.000 Euro Honorar kassiert. Prominentester Arbeitgeber war 2005 die «Schwarzwaldklinik» in Bad Rippoldsau.
Der 72-Jährige soll seinen Arbeitgebern stets eine Kopie seiner Bestallungsurkunde vorgelegt und behauptet haben, das Original sei ihm gestohlen worden. Aufgeflogen war der Arztschwindel bei einer Praxisvertretung im Landkreis Coburg, weil eine misstrauische Patientin den Namen des falschen Arztes im Internet entdeckte und Anzeige erstattete.
Glaubte, wieder behandeln zu dürfenDer Angeklagte ließ über seinen Anwalt erklären, dass die Angaben der Staatsanwaltschaft korrekt seien. Er habe seine Vertragspartner nicht darauf hingewiesen, dass ihm die Approbation entzogen worden sei. Den Vorwurf des Betrugs wies er aber zurück: Schließlich habe er eine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin absolviert.
Vom Landgericht Kempten habe er ein Schreiben erhalten, dass sein Berufsverbot aufgehoben sei. Da habe er geglaubt, wieder behandeln zu dürfen. Allerdings habe er die Approbation nicht zurück erhalten, räumte der Mediziner ein. Wegen seiner hohen Schulden habe er die Vertretungen übernommen. Zudem habe er die ärztlichen Leistungen erbracht.
Eine Arzthelferin sagte dagegen, der 72-Jährige sei grob zu den Patienten gewesen und habe ihr auf den Po zu klatschen versucht. Das Urteil soll noch in dieser Woche gesprochen werden. (AP/dpa)