San Franciscos Buckelwale bummeln zum Pazifik
30. Mai 2007 11:59
 |  Helfer versuchen den Walen die Richtung zu weisen | Foto: dpa |
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Noch 15 Kilometer und die beiden verirrten Buckelwale schwimmen wieder im offenen Meer. Wirklich eilig haben es die beiden Meeres-Säuger aber nicht.
«Delta» und «Dawn» sind kurz vor dem Ziel: Nach einer rasanten Spritztour durch den Unterlauf des Sacramento- Flusses waren die beiden verirrten Buckelwale am Dienstagabend fast am «Goldenen Tor» zum Pazifik angekommen. Knapp 15 Kilometer trennten sie bei Sonnenuntergang von der Golden-Gate-Brücke und damit von ihrem natürlichen Lebensraum westlich des Wahrzeichens von San Francisco.
Statt mit ihrem beachtlichen Tempo von bis zu zehn Stundenkilometern weiter Kurs aufs offene Meer zu nehmen, machten das Muttertier und ihr Kalb nahe des Luxus-Ortes Tiburon Station, nach einem Abstecher in eine Seitenbucht, wo das berüchtigte St.-Quentin- Gefängnis liegt.«Es gibt noch viele Stellen, wo sie Ärger bekommen können, bevor sie endlich unter der Golden-Gate-Brücke raus schwimmen», sagte Rod McInnis, Sprecher der US-Behörde für Klima und Ozeanographie (NOAA) am Dienstag. Die Tiere befinden sich mitten in einer stark frequentierten Schifffahrtszone. Die großen Personenfähren wurden bereits angewiesen, am Mittwochvormittag ihr Tempo zu drosseln. Boote der Küstenwache folgen den Walen seit Tagen, um eine «Sicherheitszone» von knapp 500 Metern um die Tiere herum zu schaffen.
Läuft wie am Schürchen
«Heute läuft alles wie am Schnürchen», jubelte die Meeresbiologin Frances Gulland am möglicherweise vorletzten Tag der langen und gefährlichen Wal-Odyssee. Nach über zwei Wochen im Süßwasser waren das 40 Tonnen schwere Muttertier und ihr Junges aus dem Sacramento River in die San Pablo Bay, einen Teil der Bucht von San Francisco, eingebogen. Die Boots-Armada blockierte vorsichtshalber zwei andere Flussabzweigungen. Im sicheren Abstand folgten sie dem Duo, um sie im Fall von «Verirrungen» wieder auf den rechten Pfad zu lotsen. Doch «Dawn» und «Delta» gaben selbst den Ton an. Zeitweise schwammen sie so schnell gen Meer, dass die Boote kaum mithalten konnten, berichtete der Radiosender KCBS.«Wir haben viele Theorien, aber was uns fehlt, ist eine wirklich gute Antwort», räumte McInnis ein. Niemand weiß, was die Tiere rund 145 Kilometer Richtung Inland in den Hafen der kalifornischen Hauptstadt Sacramento trieb, was sie plötzlich zur Kehrtwendung bewegte und warum sie nach tagelangen Pausen immer wieder in Schwung kamen, wenn keiner mehr daran glaubte. Fest steht: Alle Versuche, die riesigen Meeressäuger mit lockenden Walgesängen, abschreckenden Killerwal-Lauten, Krach von Metallrohren und mit Wassersalven aus Löschschläuchen anzutreiben, waren kläglich gescheitert.
Haut ergattert
Mehr Aufschluss über die mysteriösen Riesen erhoffen sich die Biologen von Gewebeproben. Am Dienstag war es ihnen gelungen, auch von dem Jungtier ein Stück Haut zu ergattern. Damit könnte zumindest das Geschlecht von Sprössling «Dawn» bestimmt werden. Wenn möglich, soll noch mit Hilfe einer kleinen Harpune ein Sensor an der Schwanzflosse des Muttertieres angebracht werden. Damit könnten Wissenschaftler den weiteren Weg des Duos besser verfolgen.Mit einer Antibiotika-Spritze hatten Tierärzte am vergangenen Wochenende bereits Neuland beschritten. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass Walen in der freien Wildbahn solche Spritzen in den Leib geschossen wurden. Beide Tiere hatten Schnittverletzungen, vermutlich von Schiffskielen oder Propellern, die in dem Süßwasser schlecht heilten.
«Dawns» kräftige Luftsprünge am Dienstag machten den Biologen aber Hoffnung, dass sich die Tiere schnell von ihrem Ausflug erholen würden. Schließlich hatte Buckelwal «Humphrey» eine noch längere Odyssee im Sacramento River vor 22 Jahren schadlos überstanden. Erst nach 25 Tagen fand er den Weg zurück in den Pazifischen Ozean. «Humphrey» machte damals kehrt, als er die mit Lautsprechern unter Wasser abgespielten Töne feindlicher Killer-Wale auf der einen Seite und das freundliche Quietschen seiner Artgenossen auf der anderen Seite vernahm. (von Barbara Munker, dpa)